Er soll ins Rathaus einziehen: Dirk Hofmann am Abend der ersten Bürgermeisterwahl.
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Er soll ins Rathaus einziehen: Dirk Hofmann am Abend der ersten Bürgermeisterwahl.

Politik:

Kelkheim: Hofmann könnte im Herbst Erster Stadtrat werden

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Koalition beantragt jetzt Wiederbesetzung der Stelle - Ex-CDU-Fraktionschef will sich bewerben.

Kelkheim -In den vergangenen fünf Jahren war es sehr still geworden um dieses Thema. Kein Wunder: Es gab nicht die politischen Mehrheiten, um die Stelle des Ersten Stadtrats wiederzubesetzen. Die CDU hatte zwar immer mal deutlich gemacht, dass in Kelkheim als zweitgrößte Stadt im Kreis dieser Posten wichtig wäre. Zuletzt hatte sich sogar CDU-Bürgermeisterin Eva Söllner aus dem kleinen Liederbach gewundert, dass die große Nachbarkommune keinen zweiten Hauptamtlichen im Rathaus habe.

Doch Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) hatte immer wieder betont, er könne diese Arbeit gemeinsam mit den sehr kompetenten und engagierten Amtsleitern ohne zweite Kraft bewältigen. Aber auch keinen Hehl daraus gemacht, es gebe schon zu tun für einen Ersten Stadtrat. Die UKW als damals stärkste Fraktion wiederum hatte erklärt, sie warte hier auf ein Signal des Bürgermeisters. Doch dieser "Hilferuf" ihres Mannes aus dem Rathaus blieb aus, weshalb das Thema einige Zeit in Vergessenheit geriet.

Mit der Bürgermeister- und Kommunalwahl im März wurden jetzt die Karten neu gemischt. Kündiger bleibt zwar bis 2027 Chef im Rathaus, es hat sich aber eine Koalition aus CDU, SPD und FDP gebildet. Sie will den Stadtrats-Posten so schnell wie möglich wieder besetzen. Er ist seit dem Abschied von Dirk Westedt (FDP), der 2014 Bürgermeister von Hochheim wurde, verwaist.

Im Koalitionspapier verankert

Im Koalitionspapier gehen die drei neuen Partner nur unscheinbar auf das Thema ein. "Wir unterstützen und wählen insbesondere folgende Personalvorschläge", heißt es da. Und dann wird hinter dem Ersten Stadtrat der Name von Dirk Hofmann aufgeführt. Er hat es bei der Bürgermeisterwahl in die Stichwahl geschafft, dann aber mit 46,1 Prozent gegen Kündiger verloren. Das Ergebnis ist für ihn und die CDU aber achtbar genug, um ihn zum neuen "Rathaus-Vize" auszuwählen - und auch in der neuen Koalition durchzusetzen.

Gestern nun haben CDU, SPD und FDP Nägel mit Köpfen gemacht. Der Antrag auf Wiederbesetzung der Stelle ist auf dem Weg, er wird im Stadtparlament am 31. Mai behandelt. Es soll eine Besetzung in diesem Herbst oder gegen Jahresende angestrebt werden.

"Er kostet nicht nur, er bringt auch viel"

"Die Stadt ist schon groß genug, dass sie einen Ersten Stadtrat braucht", sagt CDU-Parteivorsitzender Alexander Furtwängler dazu. Die Kritik, der Posten kostet die Kommune jedes Jahr wieder zusätzlich mit Sekretariat eine sechsstellige Summe, kontert er: "Er kostet ja nicht nur, er bringt ja auch viel." Die Arbeit bisher "musste von der Verwaltung aufgefangen werden", so Furtwängler. Hofmann zum Beispiel sei als Steuerberater ein Kandidat, "dem die Funktion des Kämmerers gut zu Gesicht stehen würde".

Dass er zu einem "Frühstücksdirektor" ohne größere Befugnisse wird, so wie es Ex-CDU-Mann Hans-Jürgen Reuling in einem Leserbrief in dieser Zeitung formuliert hat, findet der Parteichef schräg. Auch er habe schon mit dem Bürgermeister darüber gesprochen. Und Kündiger hat in dieser Sache ebenfalls bereits eine konstruktive Zusammenarbeit angeboten. Nicht umsonst hat er die Dezernate im Magistrat noch nicht verteilt - mit Ausnahme von Thomas Weck, der weiterhin mit für die Feuerwehr zuständig ist. Die ehrenamtlichen Stadträte spielen laut Kündiger zwar eine wichtige, entlastende Rolle, sie haben aber "unechte" Dezernate ohne Personalverantwortung.

Und Dirk Hofmann? Es ist ruhiger um ihn geworden nach der Bürgermeisterwahl und dem trotz Corona intensiven Wahlkampf. Bei den Gesprächen zur neuen Koalition war er aber Teil des "Dreigestirns" um Furtwängler und seinen Nachfolger als Fraktionschef, Stephan Laubereau. Hofmanns Name war als Erster Stadtrat gleich nach der Wahl im Gespräch. Damals sagte der 49-Jährige, er habe sich das anfangs nicht vorstellen können - inzwischen aber schon. Nun wird das konkret: Er werde sich auf den Posten des Ersten Stadtrats bewerben, spricht der in Kelkheim beschäftigte Steuerberater das aus, was im Koalitionspapier steht. Wichtig sei es, die Rückendeckung der eigenen Partei und der Koalition zu haben. Er habe lange überlegt, ob er aus dem Beruf aussteige, wolle aber "die Herausforderung gerne annehmen". Sein Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl sei ja in dem Rahmen, "dass ich Verantwortung übernehme".

Bei den Spekulationen des Ex-Parteikollegen Reuling schüttelt er ebenso den Kopf, zumal dieser keine Einblicke habe. "Ich glaube, dass wir auf eine vernünftige Basis kommen", sagt er zur Aufgabenverteilung im Rathaus. Und ja, natürlich könne er sich vorstellen, den Bereich Finanzen und daraus folgernd die städtischen Gesellschaften, zu übernehmen. Doch hier werde es noch Gespräche mit Kündiger geben. Letztlich "verstehen wir uns zu gut", um dort irgendwelche Kämpfe auszufechten. "Wir wollen auf vernünftiger Basis zusammenarbeiten", macht Hofmann deutlich.

Natürlich taucht die Frage auf, ob der Posten für ihn das Sprungbrett zur einer erneuten Bürgermeisterkandidatur 2027 wäre. "Das könnte ein naheliegendes Szenario sein", sagt Parteichef Furtwängler dazu. Denn Bürgermeister Kündiger wird dann wohl aufhören, die Chancen der CDU gegen einen möglichen Nachfolger aus den Reihen der UKW würden steigen.

Sprungbrett für Bürgermeisterwahl?

Das seien "naheliegende Gedankenspiele, sind aber nicht meine Gedankenspiele", äußert sich Hofmann dazu. "Ich mache mir wirklich überhaupt keine Gedanken, was 2027 ist. Aber es ehrt mich, dass mein Name im Gespräch ist." Zunächst wolle er sich an die neue, andere Aufgabe gewöhnen, sie gut meistern. Vielleicht kommen neue "Spieler" hinzu? Vor allem muss Hofmann noch gewählt werden. Was aber Formsache sein sollte, so wie die neue Koalition derzeit auftritt.

Hans-Dieter Schirrmacher, Johannes Baron und schließlich Dirk Westedt: Die Möbelstadt war bis zum Jahr 2014 lange geprägt von einer Ära der Ersten Stadträte aus den Reihen der FDP. Alle Drei haben politisch Karriere gemacht. Schirrmacher war zuvor Erster Stadtrat in Eppstein, Baron wurde danach erst Regierungspräsident in Darmstadt und ist aktuell Kreisbeigeordneter im MTK. Und Westedt wurde jetzt im März als Bürgermeister in Hochheim zum ersten Mal wiedergewählt.

Als er im Oktober 2014 von der Möbelstadt in seine Heimatkommune, die Wein- und Sektstadt, wechselte, gab es die Koalition aus CDU und FDP noch. Entsprechend sollte der Posten des Ersten Stadtrats gleich im Anschluss wieder den Liberalen zufallen. Die Kelkheimer hatten die Oberurseler FDP-Stadtverordnete Katja Adler dafür auserkoren. Doch die CDU spielte nicht mit, nachdem auch "ihr" Bürgermeister Thomas Horn seinen Abschied in Richtung Regionalverband überraschend angekündigt hatte. Als die Union dann auch noch fürs Parlament beantragte, den Posten des Ersten Stadtrats erst nach der Kommunalwahl 2016 wieder besetzen zu lassen, beendete die FDP die Koalition vorzeitig. SPD und UKW spielten natürlich gerne mit, der zweite Hauptamts-Posten wurde mit einer breiten Mehrheit Ende 2014 offiziell auf Eis gelegt. wein

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