Friedrich E. Rosenberg 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz.
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Friedrich E. Rosenberg 2002 mit dem Bundesverdienstkreuz.

Geschichte:

Kelkheim: Hommage an einen kreativ-kritischen Baumeister

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Heute wäre Friedrich E. Rosenberg 96 Jahre alt geworden - Stadt erinnert an Architekt und Kulturmann.

Kelkheim. Er hat konkave Formen gewählt, die Trauer ausdrücken sollen. Das Wasser auf dem so "hängenden" Dach tropft vor der Trauerhalle in einen trockenen Brunnen. Es symbolisiert die Tränen über den Tod, während die immergrünen Pflanzen auf ewiges Leben verweisen. Beate Matuschek ist begeistert von dem, was sich der 2002 gestorbene Kelkheimer Architekt Friedrich E. Rosenberg zur Trauerhalle am Hauptfriedhof hat einfallen lassen. Und würde sich heute von anderen Baumeistern noch mehr dieser Symboliken wünschen.

Weil Rosenberg in der Stadt so ein bekannter, kreativer, aber auch kritischer Kopf war, will die Verwaltung nun sein Andenken am Leben halten. Eine Tafel an der Trauerhalle erinnert an das Werk Rosenbergs, das Matuschek als "ersten modernen Bau in Kelkheim" sieht. Rosenberg habe in seiner Karriere (Text rechts) und nach seiner Zeit in den USA "den Weltstandard" hier in das beschauliche Dorf gebracht.

Die besonderen Gedanken ihres Vaters, der heute 96 Jahre alt geworden wäre, können seine Kinder Aspe und Mark Rosenberg beim Ortstermin mit der Stadt nur bestätigen. Er sei hier am Hauptfriedhof immer mit auf der Baustelle gewesen, erinnert sich der Sohn. Die Wände seien nicht einfach nur aus Beton gestellt, sondern kunstvoll Reihe für Reihe waagrecht aufgesetzt worden. Jede Wand ist ein Unikat, weil darauf Abdrücke von Holz oder Bambus verewigt wurden. Und die Namen von Tochter und Sohn, weiß Rosenberg.

Da macht er Bürgermeister Albrecht Kündiger neugierig, der gleich auf die Suche geht. Er kennt Rosenberg noch "als unbequemen Geist, der auch die Politik sehr gefordert hat". Aber er habe sich sehr eingebracht, etwa als Gründer der Kulturgemeinde. In der Stadt hat er als Baumeister viele Spuren hinterlassen, zum Beispiel die Halle am Sportpark, die Paulusgemeinde, die Kita "Arche Noah", das Rothenberger-Firmengebäude, das Tennis-Clubhaus am Reis sowie viele Wohnhäuser. Auch hat Rosenberg den Abriss des Alten Rathauses Münster verhindert, die erreichte Sanierung begleitet. Und sich für die Freilegung von Fachwerk an der Hauptstraße stark gemacht.

Die Trauerhalle sieht Kündiger als einen "Platz der Würde und Vertrautheit". Er findet: "Wir haben eigentlich die schönste Trauerhalle. Schlicht, aber doch nicht einfach." Kulturamtsleiterin Matuschek erläutert, was noch alles dahinter steckt: Die Vorplätze sind u-förmig ummauert, gleich vorne finden sich drei Glocken, die auf den Klang der Kirchengemeinden abgestimmt sind. Durch die Glaswände habe er Natur und Licht ins Gebäude hineingelassen". Und wieder heraus. Denn so sei der Weg durch die Halle auch als Durchgang vom Diesseits ins Jenseits gesehen worden.

So hat das Landesamt für Denkmalpflege Hessen 2007 die Denkmalwürdigkeit der Trauerhalle festgestellt. Ein Anlass war ein Beitrag von Matuschek im MTK-Jahrbuch. Das Denkmalamt sieht in dem Gebäude "ein hervorragendes Beispiel der späten Nachkriegsmoderne und ein bauhistorisches Kulturdenkmal", wie die Bauhistorikerin betont. Schon bei der Einweihung habe die Halle 1972 für Aufsehen gesorgt. Stadtbaumeister Franz Ball führte Regie über das Projekt mit Außenanlagen, der Hornauer Bildhauer Johannes Klarmann war für die Holzelemente verantwortlich. In der Chronik der Stadt heißt es zur Eröffnung des neuen Hauptfriedhofs: "Die bisher fertig gestellten Anlagen kosteten ohne Grundstücke bereits weit über 1 Mio. DM, obwohl erst ein Teil ausgebaut wurde. Bei der Planung der Trauerhalle versuchte Architekt Rosenberg, die Besucher vom Verkehr der geplanten Ausfallstraßen und der wachsenden Besiedlung abzuschirmen."

Beeindruckende Vita

Friedrich E. Rosenburg, kurz "Fritz", wurde in Breslau geboren. Der Vater war Ingenieur. Der Sohn lernte Bau- und Holzfachmann bei der Firma Holzmann in der ehemals deutschen Stadt. Die Familie musste zum Ende des Zweiten Weltkriegs flüchten und kam nach Kelkheim. Mit Hilfe seines Schulabschlusses und der Ausbildung konnte Rosenberg Architektur studieren. Er arbeitete im Frankfurter Büro Meid-Romeik, bevor es ihn über den großen Teich zog.1953 wechselte er nach Denver/Colorado und verdiente sich seine Meriten in einem der führenden Architekturbüros der Stadt. Zehn Jahre blieb er dort, dann ging es wieder in die Kelkheimer Heimat.

Doch die beiden Wurzeln zuvor haben Rosenberg geprägt. Anknüpfend an seinen Geburtsort Breslau, inspirierte ihn das Bauen mit Beton und die moderne Architektur von Hans Poelzig, Hans Scharoun und Max Berg. In den USA verinnerlichte er die Formensprache der "Organischen Bauweise" von Frank Lloyd Wright, einem der bekanntesten Architekten im Land. Er arbeitete für ein Zusammenwirken von Natur, Licht, Kunst und Architektur. Breslau und Denver - beides hat er in Kelkheim ab 1965 mit einem eigenen Büro ins Rhein-Main-Gebiet getragen, die Trauerhalle am Friedhof ist ein gutes Beispiel dafür. Auch gründete er den Förderkreis Denkmalpflege im Kreis mit. Kurios: Rosenbergs Schwager Dietrich Struck war ebenfalls Architekt und setzte Zeichen in Kelkheim, darunter den Bau der Grundschule "In den Sindlinger Wiesen".

Bis zu fünf Mitarbeiter hatte Rosenbergs Büro. Seine Frau Inge, eine studierte Germanistin, war von Rügen nach Kelkheim geflüchtet. Sie wurde später Leiterin der Kelkheimer Bibliothek, für deren Gründung ihr Mann mit verantwortlich war. Zudem war er lange Vorsitzender der Kulturgemeinde, rief die Musikschule und die "Tage alter Musik" ins Leben. "Er war immer ein positiver Mensch, ein echt toller Typ", schwärmt seine Tochter Aspe. Sein Büro zu Hause habe allen offen gestanden: seien es berufliche oder die vielen ehrenamtlichen Treffen, mit denen er Kelkheim vorangebracht hat. Deshalb erhielt er 1984 auch die Gagern-Plakette in Gold und 2002, kurz vor seinem Tod, das Bundesverdienstkreuz.

Einblick in das Ensemble rund um die Trauerhalle. Die Mauern sind von den Abdrücken der Holz-Güsse geprägt, das konkav geformte Dach ist zu erkennen.
Beate Matuschek, Aspe und Mark Rosenberg sowie Albrecht Kündiger (v. r.) vor der Tafel und einer der Wände mit Holz-Abdrücken.

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