Ein riesiger Käfig aus Stahl, Holz und Kunststoff: das wird der neue "Ninja-Parcours".
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Ein riesiger Käfig aus Stahl, Holz und Kunststoff: das wird der neue "Ninja-Parcours".

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Kelkheim: Im Sportpark entsteht ein seltener "Ninja-Parcours"

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Firma investiert und tüftelt in schwerer Zeit.

Kelkheim. Es erinnert nicht mehr viel an die Zeiten, als hier vor allem junge Leute den Assen wie Steffi Graf oder Boris Becker nachgeeifert haben. Sicher noch der grünliche Teppichboden mit dem Charme der 80er Jahre. Und die typische Form der Tennishallen mit dem riesigen Zeltdach. Doch seit Monaten flogen hier kaum noch Filzkugeln. Und inzwischen ist Tennis im Sportpark Kelkheim endgültig Geschichte.

Tennis lohnt sich nicht mehr in der Halle

Wer die riesige, gut 1000 Quadratmeter große Halle betritt, der wird förmlich erschlagen. Ein mächtiger Irrgarten aus Stahl, Holz und Kunststoff türmt sich locker acht Meter hoch auf, ein guter Teil der Halle ist ausgefüllt. Was hier passieren soll? Ein Klettergarten? Eine Turnhalle? Von beidem ein bisschen was: Seit gut neuen Wochen entsteht hier der erste Ninja-Parcours im Main-Taunus-Kreis und einer von wenigen in der Region sowie in Deutschland. In dieser Größe sei eine Anlage bundesweit sehr selten, sagt Gunther Habermann, mit Bernd Berkmann, dem Geschäftsführer.

Wieder stellen sich viele die Frage: Was ist ein Ninja-Parcours? Ideengeber ist eine Fernsehshow des Senders RTL mit dem Titel "Ninja Warrior Germany", bei dem Sportler Strecken absolvieren müssen - mit verrückten Hindernissen zum Klettern, Springen, Hangeln und Laufen. Diesen Trend haben die Sportfreaks Habermann und Berkmann mitbekommen. Sie machen nun aus der Not eine Tugend. Die Tennishalle sei nicht mehr so gut gelaufen, die Boris-Becker-Zeiten seien vorbei, es gebe kaum noch private Hallen, die Vereine errichteten längst selbst überdachte Anlagen, zählt Berkmann Gründe auf, den "weißen Sport" nicht mehr anzubieten. "Für uns hat es sich nicht mehr gelohnt." Also reifte schon vor der Corona-Zeit die Idee, mal etwas ganz anderes dort zu präsentieren. Da der Sportpark bereits Klettern in vielen Variationen anbietet - von der Boulder-Halle über den Hochseil- bis zum Waldseilgarten - lag der "Ninja Parcours" nahe. "Wir haben Trainer und ausgebildete Leute in diesem Bereich", betont Berkmann. Kurz habe das Team überlegt, den Freizeittrend Paintball hier anzubieten. Doch das Schießen mit Farbpistolen sei "nicht so unser Ding", weiß der Geschäftsführer.

Also soll es nun das Paradies für "Ninja-Sportler" werden. Einfacher gesagt, als getan. Das Team hat von einer Firma ein Angebot für eine Installation erstellen lassen. Rund 300 000 Euro für ein Drittel der Halle - da hätten die Kelkheimer also gut eine Million in Corona-Zeiten investieren müssen. Das wäre nicht zu stemmen gewesen, so Habermann und Berkmann. Sie nahmen also Kontakt zur Firma LTT Traversen, die Stahlbrücken normalerweise für Messen und Konzertbühnen baut. Sie wurden sich schnell einig, eine statische Berechnung wurde gemacht und das riesige Geflecht aus Stahl installiert. Den Rest erledigt die Mannschaft vom Sportpark nun selbst - und kommt bei der Investition viel günstiger weg.

Matten sind Marke Eigenbau

So werden die rund 60 benötigten Matten aus Schaumstoffblöcken und Kunststoff-Planen hergestellt. So wie bereits in der riesigen Boulder-Halle. Mats Habermann und Marcus Falkenberg sind dabei, einen weichen Quader zu umhüllen und die Nieten dafür einzubringen. "Das ist auf jeden Fall eine Abwechslung", sagt Habermann, Sohn des Chefs, erfolgreicher Kletterer und Leiter der Kletterhalle. Fitnesstrainer Falkenberg ist froh, weiter seinen Job zu haben - dass er nun einige Wochen zum Handwerker wird, es stört ihn nicht. Sie hoffen, dass sich der Parcours gut entwickelt - denn so biete der Sportpark "für alle Interessen etwas".

Chef Gunther Habermann hört es gerne. Er freut sich, dass die 14 Mitarbeiter bei dem ungewöhnlichen Projekt so gut mitziehen. So seien sie vernünftig beschäftigt, denn geöffnet hatte die Sportanlage in Nachbarschaft des Kelkheimer Klosters zuletzt lange nicht. Jetzt dürfen zwar wieder Squash, Tischtennis und Badminton gespielt und in der Halle in bestimmten buchbaren Zeitfenstern geklettert werden. Doch das lohne sich kaum, hoffen die Chefs auf einen Neustart dann mit dem Ninja-Parcours. Sie sind vorbereitet. Vor der Halle wurde auch der Hochseilgarten bis auf die Schaukel und einen Kletter-Stamm abgebaut. Denn für die neue Attraktion mussten laut Vorgaben 20 neue Parkplätze her - 35 sind es sogar geworden. Gerne hätte das Team schon etwas früher mit dem Parcours angefangen, doch sie mussten einen Bauänderungsantrag dafür stellen.

Kein Wunder: Die Ninja-Halle ist nicht mal eben so ein Wirrwarr an Stangen. 1,5 Lastwagen-Ladungen der Traversen wurden verbaut, mehr als 2 Kilometer Stahlseil benötigt, zudem rund 60 Matten. Die Mannschaft hat sich viele Stationen mit unterschiedlichen Schwierigkeiten überlegt, von bestehenden Anlagen oder im Fernsehen abgeschaut. Da können die Gäste im unteren Bereich von einer schrägen Platte zur anderen hüpfen, müssen sich durch eine Engstelle bewegen, über Gummi-Bojen klettern oder an Stäben hangeln. Und dann gibt es noch die Kletterplattform "Sky Ninja" im ersten Stock sozusagen, die allerlei Elemente aus den Seilgärten enthält. Als Schmankerl wurde die legendäre Wand aus der TV-Show nachgebaut - es gibt vier Höhen, damit jeder seinen persönlichen Gipfel-Grad ersprinten kann.

Ab acht Jahren und mit Buzzer-Knopf

Vermutlich ab acht Jahren soll der "Ninja-Parcours" sein. Details wie Preise und Modalitäten stehen noch nicht endgültig fest. Wichtig ist dem Sportpark-Team, dass hier jedermann Herausforderungen findet und beim Kletterbereich auf eine leichtere Route abbiegen kann. Mit einem neuen Anseil-System wurde die Sicherheit verbessert. Um sich zu testen, kann auf Zeit gelaufen werden - wobei ein Buzzer-Knopf nicht fehlen darf.

Die finanzielle Lage im Sportpark ist schwierig. Zum zweiten Mal war die Anlage in direkter Nachbarschaft zum Kloster geschlossen. Durch den Umbau der Tennishalle zum "Ninja-Parcours" haben die meisten der 14 Mitarbeiter noch zu tun, Kurzarbeit gibt es aber. Chef Gunther Habermann weiß nicht, wie es bei einer längeren Schließung weitergeht. Die 75 Prozent-Förderung könne aber "auf jeden Fall" helfen, so Habermann. Die Monate mit guter Nachfrage sind normalerweise jetzt in der Freizeiteinrichtung. Das Jahr habe sehr gut begonnen, sagt der Chef. Dann aber ging es bergab, so dass die Geschäftsleitung derzeit einen Umsatzrückgang für 2020 von rund 25 Prozent befürchtet. Vor allem die Firmenveranstaltungen seien "gleich Null" gewesen. Deshalb wird derzeit gespart, so bleibt etwa die Heizung fast komplett aus. wein

Mats Habermann (links) und Marcus Falkenberg stellen eine der rund 60 Matten für den neuen Parcours her.

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