In die Kirche St. Matthäus in Ruppertshain soll der Kindergarten einziehen.
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In die Kirche St. Matthäus in Ruppertshain soll der Kindergarten einziehen.

Projekt:

Kelkheim: Immobilien der Kirchen auf dem Prüfstand

  • vonBarbara Schmidt
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Pfarrei St. Franziskus ist der Vorreiter.

Kelkheim/Liederbach. Die Kirchen gehören nicht nur zu Deutschlands größten Arbeitgebern, sie haben auch einen nicht geringen Immobilienbesitz. Dass der in Zeiten, in denen die Mitgliederzahlen schrumpfen und daher die Kirchensteuer geringer fließt und immer weniger der Gebäude gebraucht werden, auf den Prüfstand muss, ist keine Frage.

Das Bistum Limburg, das auf seinem Territorium 500 Kirchen, 310 Gemeindehäuser, 400 Pfarr- und Wohnhäuser, 180 Kitas und 50 sonstige Gebäude zählt, hat daher eine "kirchliche Immobilien-Strategie", kurz "KIS", beschlossen, die nach und nach umgesetzt wird. Gedacht sei sie für die Pfarreien neuen Typs, erläutert Stephan Schnelle, Sprecher des Bistums. Wer noch auf dem Weg zu dieser größeren Struktur ist, hat andere Aufgaben zu erledigen.

Verhältnis von Kosten und Nutzen abklopfen

Folgerichtig heißt das für den katholischen Bezirk Main-Taunus, dass das KIS-Projekt zuerst in St. Franziskus auf den Weg gebracht wurde. Mit dem ersten Schritt, einer Erfassung aller Immobilien der Pfarrei, hat aber auch St. Martinus in Hattersheim laut Schnelle schon begonnen.

In St. Franziskus sieht Pfarrer Klaus Waldeck, der kraft Amtes auch Vorsitzender des für den Immobilienbesitz bevorzugt zuständigen Verwaltungsrates ist, das "KIS"-Projekt gelassen, weil die Pfarrei schon viel unternommen hat, ihren Bestand zukunftsfähig zu machen. Das Projekt "dient dazu, dass wir uns bewusstwerden, wie viele Gebäude wir haben". Erfasst worden sei deren Zustand und was kurz- und mittelfristig an Renovierungsmaßnahmen notwendig werde. In einem zweiten Schritt werde gefragt: "In welchem Verhältnis steht der Nutzen zu dem, was sie uns kosten", erläutert Waldeck.

Nach dem Erfassen und Bewerten folgt eine Phase der Strategieentwicklung. Eine Arbeitsgruppe aus Vertretern der Fachabteilungen im Bischöflichen Ordinariat (BO) und Vertretern des Verwaltungsrats erarbeitet einen Vorschlag, wie ein "pastoral zukunftsfähiges und wirtschaftlich sinnvolles Nutzungskonzept" aussehen könnte. Begleitet wird das Projekt von der Agentur KIPS, die sich als "Zukunftsmanager kirchlicher Immobilien" versteht.

Im Verwaltungsrat von St. Franziskus, in dem auch Vertreter des Pfarrgemeinderats zu Gast waren, wurde jetzt der Vorschlag für ein solches Nutzungskonzept präsentiert. 30 Gebäude gehören in Kelkheim und Liederbach dazu, darunter 9 Kirchen, 4 Pfarrhäuser, 5 Gemeindehäuser und 6 Kindertagesstätten. Durch den Verkauf des Gemeindehauses Feldbergstraße, den Neubau des Gemeindehauses Hornau, die Nutzung des Wohn- und Bürogebäudes in St. Dionysius Münster durch die kroatische Gemeinde, der auch die Kirche mit zur Verfügung steht, und die Umbau-Pläne für die als zu groß erkannte Kirche St. Matthäus in Ruppertshain habe die Pfarrei im Grunde das umgesetzt, was vom Bistum angestoßen sei, sagt Waldeck. Das Gemeindehaus in Eppenhain verursache keine großen Kosten, denn hier gebe es auch Wohnungen, die Mieterträge bringen. "Wenn Objekte für Kirchengemeinden kostenneutral sind, ist das BO sehr, sehr verhalten." Das gelte auch da, wo es, wie in Münster, eine Zweit-Nutzung gebe.

Das Projekt in Ruppertshain sei ganz im Sinne des Bistums, weil hier eine zu große Kirche verkleinert wird, hier soll der Kindergarten mit unterkommen. So wird das Ganze wirtschaftlicher. Dass ein Raum für 80 bis 90 Personen dem Ort erhalten bleibe, obwohl die Zahl der Gottesdienstteilnehmer meistens deutlich darunter liege, werde nicht kritisiert. Denn die Nutzung für größere Trauerfeiern und auch durch die evangelische Gemeinde führt zu einer positiven Bewertung. Nun diskutiert der Pfarrgemeinderat das Konzept, das nach seiner Verabschiedung alle vier Jahre auf den Prüfstand kommt.

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