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Kelkheim: In ruhigen Spuren nach der "Achterbahnfahrt"

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Von: Frank Weiner

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Sie engagieren sich für das Wappen der SG Kelkheim: Der Vorsitzende Armin Hermann ist in seinem Amt bestätigt, Susanne Bürger zur neuen Geschäftsführerin des größten Vereins in der Stadt gewählt worden. Im Hintergrund ist die Wiese zu sehen, die zum Bolzen genutzt wird. Bis 2025 soll hier ein für mehrere Sportarten nutzbares Kleinspielfeld entstehen.
Sie engagieren sich für das Wappen der SG Kelkheim: Der Vorsitzende Armin Hermann ist in seinem Amt bestätigt, Susanne Bürger zur neuen Geschäftsführerin des größten Vereins in der Stadt gewählt worden. Im Hintergrund ist die Wiese zu sehen, die zum Bolzen genutzt wird. Bis 2025 soll hier ein für mehrere Sportarten nutzbares Kleinspielfeld entstehen. © wein

SG stellt personelle Weichen, holt verlorene Mitglieder wieder auf und plant Multi-Sportplatz.

Kelkheim. Armin Hermann sitzt gemütlich bei einem Glas Radler auf der Terrasse der Sportanlage am "Taunusblick". Er schaut zufrieden den Kindern und Jugendlichen auf dem Kunstrasenplatz beim Fußball-Training zu. Auch angesichts dieser guten Rahmenbedingungen überrascht seine Antwort auf die Reporter-Frage, wie denn die Stimmung in der SG Kelkheim nach zwei schwierigen Corona-Jahren sei, nicht: "Sehr gut", sagt der Vorsitzende, überlegt noch einmal kurz und betont: Es gebe keinen Anlass zur Sorge oder zur Kritik.

Chef bleibt, Kassierer schon 35 Jahre dabei

Vor allem personell blickt er so positiv nach vorne. Bei der Mitgliederversammlung sind Hermann, sein Stellvertreter Alexander Emmel sowie Kassierer Willi Westenberger, der schon bemerkenswerte 33 Jahre im Amt und 35 im Vorstand ist, wiedergewählt worden. Susanne Bürger hat Michael Wolf in der Geschäftsführung abgelöst, Frank Sacherer, ehemaliger Abteilungsleiter Fußball, ist nun Schriftführer für Peter Faber. Auch bei den Chefs der einzelnen Sparten gab es in den vergangenen Jahren neue Gesichter: Peter Eberwein (Fußball), Sven Seintsch für Inge Lutz beim Tennis, Astrid Schauer für Uwe Struck, der 28 Jahre am Amt war, beim Tischtennis und Steffen Spriestersbach beim Badminton.

Mit diesem auch etwas verjüngten Team sieht Hermann die SG nach der Pandemie und zwei Jahren mit teils eingestellten, teils eingeschränktem Sportbetrieb sehr gut aufgestellt. Wechsel in der Mannschaft seien "aktiv vorangetrieben", offene Posten auch über Stellenbeschreibungen bekannter gemacht und besetzt worden, berichtet der Vorsitzende, der vier Jahre im Amt ist und zuvor ein Jahrzehnt Stellvertretender SG-Chef war.

Corona hat dennoch Spuren hinterlassen. Allein 13 Mal sei das Hygienekonzept in dieser "unsportlichen Achterbahnfahrt", wie es Hermann bezeichnet, überarbeitet worden - Alexander Emmel, Peter Eberwein und Detlef Meyer hätten sich hier besonders engagiert. Rund 100 Mitglieder habe die Krise den Verein gekostet, so Hermann. Dennoch liege die SG mit 1756 Sportlern Anfang 2022 noch auf Platz fünf im Main-Taunus-Kreis (Spitzenreiter ist TuRa Niederhöchstadt vor dem TV Hofheim) sowie auf Rang eins in Kelkheim vor den fast ebenso großen TSG Münster und TuS Hornau, wie er zufrieden bilanziert. Nach dem Rückgang, der vor allem durch die Kinder beim Turnen zu verzeichnen war, sei die SG nun wieder in einer stabilen Lage. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zu den alten Zahlen ist allemal da.

Flutlicht, Kraftraum, neue Umkleiden

Im Vergleich zu den Hornauern, die für gut eine Million Euro ihr Sportgelände in Schuss gebracht haben, sehen die Investitionen der Kelkheimer bescheiden aus. Die größten "Brocken" 2021 waren ein neues LED-Flutlicht für den Fußballplatz für rund 30 000 Euro und die Erneuerung des Kraftraums in der Josef-Becker-Halle für 36 000 Euro. Einer der Lichtmasten soll auch für die drei Tennisplätze längeren Sport in den Abend hinein ermöglichen - bei Kosten von rund 24 000 Euro. Für 2022 ist im Plan bereits die Renovierung von vier Kabinen aufgelistet.

Jugendsportschule erst einmal auf Eis

Und doch hat Hermann schon zwei Großprojekte im Blick. Bis 2025 möchte die SG ein Kleinspielfeld auf der Wiese hinter dem Fußballplatz für mehrere Sportarten bauen lassen. Bürgermeister Albrecht Kündiger habe zumindest eine "wohlwollende" Prüfung zugesagt, so Hermann, der die gute Zusammenarbeit mit der Stadt hervorhebt. Rund 150 000 Euro könnte ein solches Multifunktionsfeld kosten.

Noch keine Zahlen gibt es für ein eher langfristiges Projekt: Das Vereinsheim mit Gaststätte, Umkleiden und sanitären Anlagen ist in die Jahre gekommen. Ein Neubau wäre eine Überlegung, sagt der Vorsitzende. Allerdings sei die Heizung noch relativ neu, weshalb die SG die Anlage erst noch einmal nutzen werde. In den nächsten fünf Jahren sei das sicher kein Thema. Zumal die Fußballer während der Pandemie auch einige Renovierungsarbeiten gemacht haben. Zudem hat der SG-Chef die Geschäftsstelle angestrichen.

Wenig Bewegung gibt es derzeit hingegen bei zwei weiteren Vereinsprojekten. Die Jugendsportschule, die in den Ferien stets Angebote in Camps machte, wurde erst einmal auf Eis gelegt. Einige Kinder hätten sich anders orientiert, der Aufwand zur Wiederbelebung wäre hoch, die Planbarkeit schwierig, begründet Hermann diesen Schritt. Und auch die Kelkheimer Sportstiftung, die Athleten finanziell helfen könnte, hat aktuell kaum Aktivitäten. Dafür sei die Verzinsung der Vermögens einfach zu gering.

Auf der positiven Seite sieht Hermann weiterhin erstmals zwei Mannschaften beim Tennis, die Zusammenarbeit beim Fußball mit der TuS Hornau, eine stabile Situation der Club-Gaststätte und die Stimmung allgemein, die er als "super kameradschaftlich" bezeichnet. "Hier neidet keiner dem anderen etwas." Die neue Geschäftführerin Susanne Bürger ergänzt: "Hier wird immer etwas geboten. Wie sind alle zu Hause bei der SG."

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