Eine Station im Blaulichtzirkel: Diensthundeführer zeigen Lara Biskup (weißes T-Shirt) und den weiteren Interessenten, was ihre Vierbeiner leisten können.
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Eine Station im Blaulichtzirkel: Diensthundeführer zeigen Lara Biskup (weißes T-Shirt) und den weiteren Interessenten, was ihre Vierbeiner leisten können.

Polizei:

Kelkheim: "Kommunikation ist unsere erste Waffe"

  • vonStephanie Kreuzer
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Lara (17) erfährt im Blaulichtzirkel, was sie an einer Polizeihochschule erwartet.

Kelkheim/Wiesbaden. Über einen "Beruf mit immer neuen Herausforderungen" in einem "vielseitigen und spannenden Tätigkeitsfeld" gab es beim "Blaulichtzirkel" des Polizeipräsidiums Westhessen in Wiesbaden mehr zu erfahren. Eingeladen waren alle, die sich eventuell bei der Polizei Hessen bewerben wollten. Über die gute Resonanz freute sich nicht nur Polizeioberkommissar Peter Schulz, der gemeinsam mit seinen Kollegen von der Einstellungsberatung den Tag organisiert hatte: "Wir haben fünf Stationen vorbereitet, an denen sich die 64 angemeldeten Teilnehmer - überwiegend sogar weibliche - verteilen werden."

Lara Biskup aus Kelkheim war eine davon. Die 17-Jährige, die bereits ein Auslandsjahr in Neuseeland absolvierte, macht im kommenden Jahr an der Eichendorffschule Abitur und möchte dann erst mal reisen "und was von der Welt sehen", bevor sie sich für das duale Studium bewerben will.

Einige der wichtigsten Attribute, die bei der Polizei verlangt werden, "vielseitig interessiert, kommunikativ, sportlich, flexibel, belastbar, entscheidungsfreudig und Teamplayer-Qualitäten", bringt sie auf jeden Fall mit. Sie ist, seit sie vier Jahre alt ist, als Handballerin aktiv, derzeit bei der wJSG Bad Soden. Auch Fußball, Leichtathletik und Einrad hat sie ausprobiert. Zudem spielt sie Geige und malt. Ihre Begeisterung für den Polizeiberuf verdankt sie Familienangehörigen, die in diesem Bereich arbeiten.

Generell ist ihr Gerechtigkeit extrem wichtig, "und ich will nicht den ganzen Tag alleine am Schreibtisch sitzen, sondern was mit Leuten zu tun haben", weiß Biskup ganz genau. "Bei der Polizei werde ich all das finden, denke ich. Daher möchte ich heute schauen, ob das alles so positiv auf mich wirkt, wie ich es mir vorstelle." Leider konnte sie das bereits zugesagte Schülerpraktikum wegen Corona nicht antreten, was auch Oberkommissar Schulz sehr bedauert: "Das ist natürlich immer ein guter Einstieg, wenn man unsere Arbeit auf diese Weise schon mal kennenlernt."

Durchfallquote von bis zu 60 Prozent

Wer die Einstellungsvoraussetzungen - unter anderem Abitur, Fachhochschulreife oder Meisterprüfung, keine Vorstrafen, maximal 36 Jahre alt und mindestens 1,55 Meter groß - und gesundheitliche Kriterien für eine "Polizeidiensttauglichkeit" erfüllt, kann sich online für das Eignungsauswahlverfahren (EAV) bewerben, das sich über zwei Tage erstreckt.

Hat man am ersten Tag einen zweieinhalbstündigen Computertest - laut Schulz die schwerste Hürde mit einer Durchfallquote von bis zu 60 Prozent - erfolgreich durchlaufen, geht es zum Sporttest in vier Disziplinen. Wer auch diesen besteht, darf sich nachmittags dem kommunikativen Testteil stellen. Da soll bei einer Gruppendiskussion ein fiktives Problem gelöst werden und es gibt ein Einzelinterview über die eigene Motivation. Am zweiten Tag folgt die polizeiärztliche Untersuchung.

Das EAV mit seinem K.-o.-System habe es in sich: "Manchmal sitzen hier am Ende eines schlechten ersten Tages nicht mal mehr genug Leute für ein Gruppengespräch." Gerade die kommunikativen Fähigkeiten seien das A und O - "unsere erste Waffe" - und würden hoch gewichtet, daher solle man sich auch darauf gut vorbereiten. Allen Interessenten gibt Schulz daher mit auf den Weg, jede Gelegenheit zu nutzen, um sich zu informieren: "Wir sind für alle Fragen offen und helfen gerne, daher nutzt jede Gelegenheit, mit uns zu sprechen! Auch könnt Ihr mit uns ein Probe-EAV durchlaufen, um Euch gut vorzubereiten."

All diese Bemühungen um Bewerber und niedrige Durchfallquoten haben einen guten Grund: Nachwuchs wird dringend gesucht! "Wir schneiden uns ins eigene Fleisch, wenn wir den Test zu schwierig machen, aber zu einfach darf er auch nicht sein, denn wir müssen ja geeignete Leute finden", beschreibt Schulz die Gratwanderung - und einen Vorteil: "Da das EAV schon die Spreu vom Weizen trennt, ist die Quote derjenigen, die das dreijährige Bachelor-Studium bestehen, sehr hoch."

Nach einem Vortrag der Einstellungsberatung stellten zwei Beamtinnen der Bereitschaftspolizei (Bepo) ihre Schutzausrüstung vor, die sie beispielsweise bei Demonstrationen tragen. Wer die Ausbildung bei der Schutzpolizei mache, müsse gegebenenfalls für zwei Jahre zur Bepo gehen.

Lara Biskup interessiert besonders, dass innerhalb der Dienstzeit Sport getrieben werden darf, wobei man auch privat Zeit aufbringen solle, um körperlich und geistig fit zu bleiben. Letzteres wird mit einer Übung zur Merkfähigkeit - eine Teilnehmerin soll eine Personenbeschreibung abgeben - anschaulich demonstriert.

Strafanzeigen und eine Festnahme

Das Team der Wiesbadener Kriminalpolizei (K11) präsentiert unter anderem ein Facebook-Profil, auf dem Waffen und Drogen zu sehen sind, und erklärt, wie eine solche Strafanzeige bearbeitet und die entsprechende Person ermittelt wird.

Mehrere Diensthundeführer und ihre vierbeinigen Kollegen, die eine mehrmonatige Ausbildung zumeist zum "Kombihund" - Schutz- und Spürhund - durchlaufen, zeigen vollen Körpereinsatz bei der "Festnahme" eines Verdächtigen und beim Suchen nach einem Drogenpäckchen.

Abschließend dürfen die Interessenten noch verfolgen, wie eine Kameradrohne die Polizeiarbeit beispielsweise bei einer Unfallaufnahme unterstützt.

Lara Biskup ist nach diesem Tag nach wie vor begeistert: "Speziell, was die beiden Beamtinnen der Bereitschaftspolizei erzählt haben, hat mich noch mehr davon überzeugt, dass mich dieser Job interessiert. Gerade weil die auch die negativen Seiten aufgezeigt haben, denn das muss einem klar sein, damit man später nicht schockiert ist."

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