hkk_gesundheitfueralle_201020
+
Der Verein "Gesundheit für alle" legt nach einer langen Pause wieder los, hier der Kurs für Frauen, den die Vorsitzende Isabella Straub (vorne) gibt.

Reha-Sport:

Kelkheim: Kurse sind für Körper und Geist wichtig

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
    schließen

Verein "Gesundheit für alle" ist mit Auflagen wieder gestartet

Kelkheim. Der "Abba"-Hit schallt aus der Lautsprecher-Box. Isabella Straub macht grazil die Übungen im kleinen Saal der Stadthalle vor, die Damen eifern ihr im eigenen Tempo und Rhythmus nach. "Wenn's zu viel ist, macht langsam", ruft sie in den Raum. Und als das Lied endet, sagt sie lobend: "Jawoll, meine Damen." Auch der Beobachter äußert sich positiv über das Tempo, worauf Isabella Straub betont: "Wir sind ja hier nicht in der Seniorengruppe."

Dennoch sind die meisten Damen im Rentenalter - und zählen in den Corona-Tagen mehr denn je zur Risikogruppe. Der Kurs ist vor allem für die Nachsorge nach Krebs bestimmt. Isabella Straub ist nicht nur Vorturnerin, sondern auch Vorsitzende des Vereins "Gesundheit für alle". Alle zusammen sind sie froh, nach dem "Lockdown" endlich wieder Gymnastik machen zu können. "Es hat sehr gefehlt. Wir haben darauf hingefiebert", sagt Doris Klement aus Kelkheim.

Das geht den anderen Damen ähnlich. Sie räumen ein, während der Zwangspause selbst nicht allzu viel gemacht zu haben. Hier mal ein Spaziergang, dort die Hausarbeit. Angebote per Videokonferenz zu machen - da seien die doch meist älteren Mitglieder nicht die Zielgruppe und kaum mit der Technik vertraut, sagt Isabella Straub. Immerhin ein Treffen mit Abstand in einem Lokal habe es gegeben. Denn gerade die "soziale Komponente" sei sehr wichtig. "Wir haben uns ja alle so vermisst."

Der Verein legt sehr großen Wert darauf, seine rund 500 Mitglieder während der Angebote zu schützen. Ein Mund- und Nasen-Schutz ist beim Betreten der Halle Pflicht. Erst wenn jeder seine Gymnastikmatte ausgerollt und den Platz eingenommen hat, wird sie abgenommen. Der kleine Saal wird gut gelüftet, der Abstand gewahrt. Als Verein im Reha-Sport seien nun mal fast alle Mitglieder der Risikogruppe zuzuordnen, sagt die Leiterin. Dort gelten somit auch höhere Auflagen, weshalb "Gesundheit für alle" erst nach den Sommerferien wieder losgelegt hat. Sein Angebot in Liederbach hat er vorerst komplett aufgegeben, weil in den Raum nach den Bestimmungen nur fünf Personen passen - da rentiere sich das nicht, bedauert die Vorsitzende. Andere Gruppen seien verkleinert worden, neue Leute derzeit kaum aufzunehmen.

Dennoch sind es immerhin 29 Kurse, die nun weiter unter dem Dach des Kelkheimer Vereins laufen. Trotzdem sei die Corona-Krise für die vor 31 Jahren gegründete Initiative eine finanzielle Herausforderung, berichtet Isabella Straub. Es würden wegen der allgemeinen Einschränkungen weniger Menschen von den Ärzten in die Gesundheitskurse geschickt, "uns fehlen die Verordnungen", macht sie deutlich. Und damit einige Einnahmen als wichtiges Standbein. Einige wenige Kündigungen habe es wegen Corona schon gegeben, zum Teil kommen manche Gruppenmitglieder aktuell auch nicht. Etwa beim Herzsport, wo die Teilnehmer mitunter über 80 sind.

Jetzt stand die Mitgliederversammlung an. Dort wurde eine kommissarische Lösung für den verstorbenen Zweiten Vorsitzenden Dieter Haferkamp gefunden. Isabella Straub denkt mit ihrem Team und den Mitgliedern positiv. Sie freut sich, dass die meisten Teilnehmer das Konzept mitgetragen haben. Sie hofft nun, dass es nicht wieder neue Einschränkungen gibt.

"Der Zusammenhalt in der Gruppe ist sehr gut. Für den Körper und den Geist macht sie viel", lobt Doris Klement, was die anderen Damen nickend bestätigen. Und schon geht es weiter im Kurs - das nächste Lied läuft, jetzt kommen die Handtücher als Utensil hinzu. Verwendet werden Hilfsmittel, die später leicht desinfiziert werden können. Denn Vorsicht ist stets geboten bei "Gesundheit für alle".

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare