Corona-Fälle in Kitas wie in Kelkheim stellen vor allem die Eltern vor Herausforderungen. (Symbolbild)
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Corona-Fälle in Kitas wie in Kelkheim stellen vor allem die Eltern vor Herausforderungen. (Symbolbild)

Covid-19 im Main-Taunus-Kreis

Corona-Fall in Kita: 81 Menschen in Quarantäne – Eltern verzweifelt

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Nach einem Corona-Fall in einer Kita in Kelkheim (Main-Taunus-Kreis) sind 81 Kontaktpersonen in Quarantäne. Die Eltern stellt das vor große Herausforderungen.

  • Ein Corona-Fall tritt in einer städtischen Kita in Kelkheim auf.
  • Im Main-Taunus-Kreis sind deshalb 81 Kontaktpersonen in Quarantäne.
  • Für die Eltern der betroffenen Kinder ist das „eine wahnsinnige Belastung“.

Kelkheim – Das Gesundheitsamt des Main-Taunus-Kreises hatte am Samstag (26.09.2020) viele Stunden lang alle Hände voll zu tun. Grund ist der Corona-Fall eines Kindes im städtischen Kindergarten in Kelkheim-Fischbach. Nach vielen Gesprächen hat der Kreis angeordnet, dass sich 81 Personen bis zum 7. Oktober in häusliche Quarantäne begeben müssen. Das sind 14 Tage ab dem Zeitpunkt, als das positiv getestete Kind am Mittwoch (23.09.2020) letztmals in der Kita war. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass es zu Kontakten mit anderen Kindern gekommen sei.

Corona-Fall in Kita in Kelkheim: Quarantäne angeordnet

Auf Anfrage bestätigt Kreisbeigeordneter Johannes Baron dieser Zeitung den Vorfall. Er und das Kreisgesundheitsamt hätten am Samstagmorgen von der Sache erfahren, der positive Test liegt seit Freitagabend vor. Die Quarantäne sei angeordnet worden in dem "Verantwortungsbewusstsein, dass sich die Pandemie nicht weiter ausbreitet", betont Baron. Das Gesundheitsamt habe den Kreis der Kontaktpersonen in der Kita erkennen können. Allerdings seien am Samstag auch noch nicht alle Eltern erreicht worden.

Wenige Kita-Kinder können nach Corona-Fall in Kelkheim weiter betreut werden

Komplett geschlossen sei der Kindergarten allerdings nicht, berichten Baron und Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger. Alle Mädchen und Jungen, die in der vergangenen Woche von Montag bis Mittwoch nicht in der Einrichtung waren, dürfen von heute an weiterhin kommen. Es handelt sich dabei um sieben Kinder, die zum Teil im Urlaub oder aus anderen Gründen nicht in der Betreuung waren. Personell sei das möglich, betont Kündiger. Denn von den zehn Erziehern der Kita habe der Kreis "nur" fünf in Quarantäne geschickt, wie Baron erläutert. Die anderen Betreuungskräfte seien mehr in ihren Gruppen gewesen und daher mit dem betroffenen Kind nicht in Kontakt gekommen, macht der Bürgermeister deutlich. Das gelte auch für das Reinigungspersonal.

Kündiger sieht in dem Schritt eine "zwingende Vorsichtsmaßnahme", denn in dem zum Teil offenen Konzept seien Kontakte der Kinder "nicht auszuschließen". Er hebt die "professionelle Vorgehensweise" des Kreis-Gesundheitsamtes hervor, das sich am Samstag sehr viel Zeit für den Fall genommen habe.

Folgen von Corona in Kita in Kelkheim sind eine „wahnsinnige Belastung für Eltern“

Wie der Kreisbeigeordnete und der Bürgermeister übereinstimmend bestätigen, gehen zwei Geschwister des betroffenen Kindes in den kommunalen Kindergarten in Fischbach. Bei ihnen sei sofort ein Test nachgeholt worden. Ob und inwieweit sich das noch auf die Quarantäne und deren Zeitraum auswirkt, ist aktuell allerdings nicht klar.

"Ich kann nachvollziehen, in welch schwieriger Situation die Eltern sind", sagt Kündiger. Nun "von heute auf morgen" wieder die Kinder zu Hause betreuen zu müssen sei "eine wahnsinnige Belastung und unglaubliche Herausforderung". Denn es könnten ja nicht einmal die Großeltern zur Hilfe geholt werden. Die Eltern sind zwar nicht in Quarantäne, müssen aber eine Betreuung sicherstellen. Hinzu kommt, dass der Kreis auch für deren Geschwisterkinder bis zwölf Jahre das Verbot zum Besuch des Kindergartens oder der Schule angeordnet hat.

„Ich kann nachvollziehen, in welch schwieriger Situation die Eltern sind“, sagt Bürgermeister Kündiger.

Corona-Infektion im Main-Taunus-Kreis: „Oh Gott, wie sollen wir das schaffen“

In dem kommunalen Kindergarten herrschte nach schwierigen Monaten wieder normaler Betrieb. Das bedeutet, dass die Mädchen und Jungen zwar in ihren Gruppen betreut werden, sie aber auch zum Beispiel beim Spielen draußen mit anderen Kindern in Kontakt kommen konnten. Die Gruppen komplett geschlossen zu halten, das hätte die Stadt laut Kündiger nur mit einer weniger umfangreichen Betreuung ermöglichen können - so wie beim "eingeschränkten Regelbetrieb", der noch vor einigen Wochen galt. Denn dafür seien schlicht mehr Raumkapazitäten nötig.

"Oh Gott, wie sollen wir das schaffen?" Viele solcher Stimmen hat Nicole Scharf in den vergangenen 48 Stunden gehört. Sie ist die Elternbeiratsvorsitzende der kommunalen Kita in Fischbach. Viele hätten zwei oder gar drei Kinder in der Einrichtung und müssten arbeiten gehen. Sie alle fühlten sich nun zurückversetzt in die Zeit des "Lockdowns" im März, als die Kitas geschlossen waren. Doch Nicole Scharf sagt auch: "Natürlich haben wir Verständnis dafür." Eigentlich sei ein Corona-Fall in einer Kita im Main-Taunus-Kreis "nur eine Frage der Zeit gewesen". Die Vorsitzende bringt die Lage auf den Punkt: "Hauptsache, es bleiben viele Kinder und Erzieher gesund."

Selbst der Wald ist für die Kinder in Corona-Quarantäne in Kelkheim tabu

Dennoch blieben bei den Eltern auch einige Fragezeichen zurück, weiß Nicole Scharf aus den Gesprächen. Warum nicht zum Beispiel ein oder zwei Corona-Schnelltests gemacht werden könnten, um die Quarantäne zu verringern? Der Kreis habe das mit den 14 Tagen Inkubationszeit des Virus begründet, weiß die Beiratsvorsitzende. Schade findet nicht nur sie, dass die betroffenen Kinder auch nicht einmal in den Wald dürften. Die Eltern wiederum seien nicht in Quarantäne, bekämen also auch keinen Verdienstausfall bezahlt. All das lässt viele Familien grübeln, dass hier doch einiges "wieder auf dem Rücken der Eltern" laste, bedauert Nicole Scharf. (Von Frank Weiner)

Wegen der Corona-Pandemie reicht in mancher Kita schon ein kleiner Schnupfen, um die Knirpse nach Hause zu schicken. Kinderarzt Dr. Burkhard Voigt über „Attestitis“, Infekte und das Leben mit der Angst.

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