Kurze Strecken erledigt Alexander Furtwängler am liebsten mit dem Fahrrad. Also fuhr er von Fischbach aus jeden Tag auch vor dem Rathaus-Eingang am Gagernring vor.
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Kurze Strecken erledigt Alexander Furtwängler am liebsten mit dem Fahrrad. Also fuhr er von Fischbach aus jeden Tag auch vor dem Rathaus-Eingang am Gagernring vor.

Verwaltung:

Kelkheim: Mit dem Rad ins Bürgermeister-Amt auf Zeit

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Stadtrat Alexander Furtwängler hat den Rathauschef vertreten - Engagement für Hochwasser-Opfer

Kelkheim. Zwei Wochen einfach nur Dienst nach Vorschrift zu tun, das kam für Alexander Furtwängler nicht in Frage. Kurz vor dem Gespräch mit dieser Zeitung hat er zwei Rathaus-Mitarbeiter eingeladen, die den Opfern der Hochwasser-Katastrophe im Westen Deutschlands geholfen haben. Der Fischbacher wollte genau wissen, was sie dort gemacht und erlebt haben. Denn für zwei Wochen war Furtwängler der Chef in der Stadt. Er hat Bürgermeister Albrecht Kündiger während dessen Urlaubs vertreten. Morgen ist sein letzter Tag als Rathauschef auf Zeit. Dann wird der Stadtrat am Wochenende noch die Übergabe an seinen Vorgänger und Nachfolger machen und hat sich den eigenen Urlaub verdient.

Denn Furtwängler weiß inzwischen: "Langweilig wird's mir hier nicht." Aber es sei "alles sehr gut organisiert", Beate Ries habe das Vorzimmer "im Griff" und ihm sicher viele Dinge vorher schon abgenommen. Dennoch türmte sich manchmal die Post auf dem Schreibtisch - trotz Ferienzeit. Ein Foto dort möchte Furtwängler nicht machen, auch aus Respekt vor dem Arbeitsplatz des Amtsinhabers. Und wenn der CDU-Parteivorsitzende, der entscheidend die neue Koalition mit SPD und FDP eingefädelt hat, mal politische Telefonate zu führen hatte, habe er das ebenfalls nicht im Büro getan, so Furtwängler.

Der CDU-Mann möchte mit einem guten Beispiel vorangehen. Das fängt schon mit seinem Weg zur Arbeit an, den er mit dem Fahrrad bestreitet. Dass es am ersten Tag wegen der Ferienspiele keinen Abstellplatz gab, kann er leicht verschmerzen. Dort war dann einer von zwei offiziellen Terminen in dieser Zeit, als er bei den Ferienkindern vorbeischaute. Zudem nahm Furtwängler an der Sitzung des Wehrführerausschusses der Brandschützer teil.

Wehr spendet Geräte, der "Chef" sein Salär

Die Feuerwehr spielte in seinen zwei Wochen noch eine andere wichtige Rolle. Er sei am ersten Tag schon mit besonderen "Bildern im Kopf" ins Rathaus gekommen. Denn kurz zuvor waren die Hochwasser-Katastrophen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Da habe er gedacht, "wie viel Glück Kelkheim im August 2020 hatte". Da ergossen sich ebenfalls Bäche im Ort über die Straßen, auf die Grundstücke, in die Häuser. Was, wenn die Regenmassen ähnlich heftig wie jetzt im Westen gewesen wären? Diese Frage wollte sich der Aushilfs-Bürgermeister eigentlich nicht stellen, machte die Sache aber zu "seinem" Projekt in der Zeit. Er ließ die Bürger informieren, wie die Katastrophen-Warnung im Ernstfall über Sirenen läuft. Und er ließ ausloten, welche Hilfe Kelkheim bieten kann.

Inzwischen weiß Furtwängler: Es gibt einige Aktionen, die aber gebündelt werden müssten. Die Hilfe müsse zielgerichtet, koordiniert passieren. Dass die Stadt hier die Führungsrolle übernimmt, kann sich der Stadtrat vorstellen. Ebenso, vielleicht das alte Feuerwehrhaus in Münster als zentrale Sammelstelle zur Verfügung zu stellen - wenn es denn noch notwendig ist.

Eine Hilfe der Kommune wird es in jedem Fall geben. Die Feuerwehr hat zusammengestellt, welche Gerätschaften sie entbehren kann. So kamen eine Tragkraftspritze, Drucklüfter, Armaturen, Verteiler, viele Schläuche und Werkzeuge zusammen, die ohnehin zum Verkauf angestanden hätten. Sie gehen nun als Spende zur Unterstützung in die Flutgebiete. Und Furtwängler hat schon beschlossen, seine Aufwandsentschädigung, die er für seinen Aushilfsjob erhält, noch etwas aufzustocken und an die Menschen im Westen zu überweisen.

Wachsam war der Ersatz-Bürgermeister auch ohne dieses Projekt. "Ich habe noch genauer auf meine Handy geschaut, ob etwas passiert ist. Wenn ich die Sirene höre, dann horche ich auf", räumt Furtwängler ein. Aber es blieb ruhig. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, als Kündiger dreimal im Urlaub war - da brannte es 2017 am Atzelbergturm, 2018 am Rettershof, und 2019 war Wassernotstand. Stefan Thalheim war da jeweils der erste Krisenmanager. Dieser Kelch ging bisher an Furtwängler vorbei.

So ganz genau habe er ja nicht gewusst, was ihn erwartet. Natürlich sei es durch die Ferien ruhiger als sonst, das politische Geschehen ruht. Doch Anfragen von Bürgern kommen schon rein. Da geht es um zusätzliche Spender für Tüten, um Hinterlassenschaften von Hunden einzusammeln, um Verkehrsthemen und die Hilfe beim Betreuungsplatz. An Entscheidungen, die einmal getroffen worden seien, werde er allerdings nicht rütteln. Kündiger habe ihm zwar eine "freie Hand" überlassen, doch bei wichtigen Dingen hätte er den Bürgermeister eingeschaltet. So aber blieb das Handy ruhig zwischen dem CDU- und dem UKW-Mann.

Aufgrund der politischen Konstellation dürfte es die erste und letzte Vertretung von Furtwängler gewesen sein. Denn zum 1. Oktober soll es mit einem Ersten Stadtrat einen zweiten Hauptamtlichen im Rathaus geben. Dass Dirk Hofmann von der CDU diesen Posten bekommen soll und Bürgermeister-Vertreter wird, hat die Koalition schon entschieden. Nächste Woche tagt dazu der Wahlvorbereitungsausschuss nicht öffentlich. Projektentwickler Furtwängler war 2015 übrigens kurz davor, es in der hauptamtlichen Politik zu versuchen. Sabine Bergold wurde ihm als CDU-Bürgermeisterkandidatin vorgezogen, unterlag dann aber gegen Kündiger. Für den Fischbacher ist das Thema abgehakt. Auch nach seinem "Ausflug" als Aushilfs-Bürgermeister ins Rathaus. Aber er sagt zufrieden: "Es hat schon Spaß gemacht."

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