Fürs Foto zum Abschied für einen Spaß zu haben: Klaus Schubert beim letzten "Test" der Seilbahn am Mühlgrund-Spielplatz.
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Fürs Foto zum Abschied für einen Spaß zu haben: Klaus Schubert beim letzten "Test" der Seilbahn am Mühlgrund-Spielplatz.

Rathaus:

Kelkheim: "Mr. Spielplatz" spielt jetzt nur noch Indianer

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Klaus Schubert beendet spannenden Rathaus-Job nach 20 Jahren.

Kelkheim. Ein letzter Spielplatz-Besuch in offizieller Funktion, den macht Klaus Schubert für diese Zeitung gerne mit. Und setzt sich ohne Zögern auf die Seilbahn in der Mühlgrund-Anlage. So kann das lustige Foto entstehen - und der Herr der Kelkheimer Spielplätze das Gerät nebenbei noch einmal kontrollieren.

Doch damit ist nun Schluss: "Mr. Spielplatz" ist seit Samstag im Ruhestand. Genau zwei Jahrzehnte war er im Rathaus in eine besonders verantwortungsvolle Rolle geschlüpft: Der 65-Jährige hat für die Sicherheit auf den öffentlichen Spielflächen gesorgt. Und dabei hatte er alle Hände voll zu tun: 19 Anlagen gibt es in Kelkheim, zudem 8 Bolzplätze. Einmal in der Woche hat Schubert die Spielplätze kontrolliert, da kamen am Tag der Überprüfung schnell mal sechs bis acht Stunden zusammen. Denn er war sich seiner hohen Verantwortung stets bewusst. "Wenn ich etwas mache, dann mache ich es richtig", sagt der Münsterer. Sicherheit steht über allem, gab es auch nur einen Hauch von Zweifeln, sperrte er die Geräte. Passiert sei in den 20 Jahren daher zum Glück nichts, atmet er auf.

Doch kritisch sei es mitunter schon gewesen, räumt Schubert er. Er berichtet von zum Teil haarsträubenden Fällen: Mal seien Messer in den Sand beim Rutsch-Auslauf so eingebuddelt worden, dass sie gerade herausschauten. Mal waren unter einem Kletterturm zerbrochene Glasflaschen vergraben. Auch Drogen-Spritzen habe er schon entdeckt. Schubert schüttelt den Kopf: "Ich verstehe es nicht. Das ist schon sehr, sehr heftig." Und vor allem eine Straftat, wobei die Vandalen nie gefunden werden konnten. Schubert würde sich einen anderen Umgang mit öffentlichem Eigentum wünschen - im Sinne der Kinder.

Er selbst ist sehr sorgsam unterwegs. Mit seinem speziellen Eisen kann er auf die Holzelemente klopfen, dass da nichts hohl ist. Und mit der anderen Seite im Sand die Füße der Geräte prüfen, damit sie nicht morsch sind. Schubert hat gleich zu Beginn seiner Amtszeit eingeführt, Protokolle zu erstellen - damit alle Schritte nachvollziehbar sind.

Von Vandalismus und Spezialkontrolle

Insgesamt sei die Stadt mit ihren Spielplätzen gut aufgestellt, betont der Fachmann zum Abschied. Zwei neue Anlagen in den Padenwiesen und an der Jahnstraße seien hinzugekommen. Die beliebte Fläche an der Lorsbacher Straße hat er komplett umgeplant, die Geräte von Holz auf Metall umgestellt. Normalerweise war er jede Woche einmal auf Kontrollgang, im Sommer bei stark frequentierten Anlagen konnten es zwei Touren werden. Einmal im Jahr schaut der externe Spielplatz-TÜV vorbei. Für seinen Nachfolger Frank Behle würde er sich wünschen, dass wieder mehr Budget für die Spielplätze zur Verfügung steht. Denn einerseits sollen die Anlagen schöner werden, andererseits seien moderne Geräte aber nicht billig. Wie fundiert das Metier aufgebaut ist, zeigen spezielle Schulungen und Zertifikate für die Spielplatz-Prüfer. Nachfolger Behle ist da dran. Der Garten- und Landschaftsbauer habe ein "gutes Händchen, macht das richtig gut", lobt Schubert nach der Einarbeitungszeit.

Er selbst hatte beruflich zunächst einen anderen Weg eingeschlagen. In Frankfurt aufgewachsen, lernte er Technischer Zeichner, war lange aus Maschinenbau-Konstrukteur tätig. Als er arbeitslos wurde, machte er eine Weiterbildung für den Bereich Abfallwirtschaft, Gewässer- und Emissionsschutz. Die Stadt Kelkheim stellte ihn erst im Bauhof ein, dann wurde bald die Stelle des Beauftragten für die Spielplätze und Gewässer im Amt für Bauen und Planen frei.

Hier hat Schubert Akzente gesetzt, war viel draußen unterwegs, kann von einem guten Kontakt mit dem Bürgern berichten. Schön findet er, dass zum Ende seiner Amtszeit noch der Mühlgrundpark-Weiher entschlammt werden konnte. Dass dort kranke Bäume weichen mussten, sei trotz des Unmuts der Kelkheimer nicht zu verhindern gewesen.

Neben der Möblierung öffentlicher Flächen, also von Mülleimern und Bänken, hatte Schubert die Bäche unter seinen Fittichen. Durch das Hochwasser vor fast einem Jahr sind die Rinnsale sehr in der Diskussion. "Wir haben im Stadtgebiet zu viel Verdichtung. Wo soll das Wasser hin?", fällt ihm im Zentrum kaum eine Lösung ein. In den Außenbereichen sei schon einiges getan worden, dort könne das Nass ablaufen. Die Stadt müsse das Thema aber weiter im Auge behalten.

Vom Stamm der "Blackfeet"

Schubert wird sich im Ruhestand um andere Dinge kümmern. Vor allem um sein liebstes Hobby, das Darstellen von Indianern. Mit Freunden besucht er Treffen Gleichgesinnter in ganz Deutschland. Er repräsentiert den Stamm der "Blackfeet", gestaltet etwa seine Mokassins und Kopfschmuck selbst. Er wolle das Brauchtum erhalten, auch wenn das Interesse daran sinke. Zudem ist Schubert auf Skiern und mit dem Motorrad unterwegs. In Kelkheim fühlt er sich wohl. Sein Wunsch für die Stadtgestaltung: den Umbau des Münsterer Knotens in einen Kreisel. Und gerne mehr Geld für die Spielplätze, lange sein berufliches Zuhause.

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