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Ein Blick zur Süwag-Trafostation in Kelkheim.

Kelkheim

Neue Kabel und Anschlüsse erhöhen Stromnetz-Kosten

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Stadt steigt ein, zahlt aber 1,5 Millionen mehr.

Kelkheim. Was haben die Stadtverordneten in den vergangenen Jahren über dieses Thema diskutiert. Im Vorjahr schließlich entschied sich eine knappe Mehrheit von UKW, SPD und Freien Wählern dafür, dass sich die Stadt am Kelkheimer Stromnetz beteiligen und dafür in eine Gesellschaft mit dem Energieversorger Süwag eintreten solle. Seitdem war Ruhe - bis jetzt Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) dem Haupt- und Finanzausschuss den Nachtragshaushalt vorlegte. Darin mussten die Stadtverordneten eine Kröte schlucken: Denn die Beteiligung an der Stromnetz-Gesellschaft mit 51 Prozent kostet nun nicht mehr 3, sondern bereits rund 4,5 Millionen Euro. Eine Steigerung von 50 Prozent, die bei der Politik natürlich nicht gut ankam. Doch letztlich bestätigte die Mehrheit ihre Entscheidung mit einem "Ja" zum Nachtragsetat.

2019 eine Million Euro für Infrastruktur

Andreas Haus, bei der Süwag auch für die Möbelstadt zuständig, erläuterte im Ausschuss, wie es zu den Mehrkosten kommen konnte. Zunächst sei der Übernahmefall für 2016 ausgelegt worden. Seitdem aber habe der Versorger in Kelkheim zahlreiche Investitionen getätigt. Das begann mit rund 600 000 Euro 2016, zwei Jahre später seien es schon knapp 800 000, dann 2019 mehr als eine Million Euro gewesen, berichtete Haus. In diesem Jahr habe die Süwag ihren Plan von 940 000 Euro auch schon ausgeschöpft.

"Das alles zahlt sich wertsteigernd für die Gesellschaft aus", betonte der Energiemanager. Und machte mit Blick auf die steigende Beteiligung Kelkheims deutlich: "Die Wirtschaftlichkeit ist gegeben", es gebe keine "Schieflage". Viele wüssten "überhaupt nicht", worin die Süwag über Jahre hinweg Millionen investiere, so Haus. Deshalb listete er den Politikern im Detail auf, wohin das Geld 2019 floss. Damals vor allem in ein Großprojekt im Krebsbachtal zwischen Ruppertshain und Fischbach, wo eine Freileitung unter die Erde gelegt wurde, als die Stadt ohnehin für eine Wasserleitung buddelte. Neue Kabel als Zuleitung kamen hinzu, dann der Umbau der Ortsnetzstation.

So könnte im Trafohaus nun eine Umschaltung per Knopfdruck erfolgen, wenn es mal einen Stromausfall gebe, so Haus. Der Mitarbeiter müsse nicht extra rausfahren. Im Bereich Parkstraße/Im Herrenwald wurden ebenfalls Kabel ausgetauscht, die seien fast 60 Jahre alt gewesen, hätten nur dünne Querschnitte für eine geringere Übertragung gehabt, erläuterte der Süwag-Experte.

In diesem Jahr fließen nun auch wieder rund 600 000 Euro in neue Kabel, 128 000 Euro in die Trafostationen, 78 000 Euro in Hausanschlüsse und 116 000 Euro in die Niederspannung. Für 2021 und die nächsten Folgejahre hat die Süwag mit rund 850 000 Euro an Investitionen ins Netz geplant. Somit steigere sich der Wert der gemeinsamen Gesellschaft immer weiter, wurde im Ausschuss immer wieder deutlich. Das wiederum führe bei gleichbleibender Verzinsung zu einer in absoluten Werten höheren Rendite, schreibt die Stadt in ihrer Vorlage.

"Kein Lottogewinn", aber gute Rendite

Oft wurde auch das Vorbild Hofheim zitiert. In der Kreisstadt wird die Netzgesellschaft als Erfolgsmodell gesehen, wirft jedes Jahr sechsstellige Gewinne ab. In Kelkheim ist auch ein "Netto-Zufluss" an die Stadt von rund 300 000 Euro zunächst bis 2023 möglich. Die Zinsen seien bis dahin durch die Bundesnetzagentur garantiert, so Kämmereileiter Thomas Alisch. Das sei zwar "kein Lottogewinn", aber in diesen Zeiten schon sehr gut. Die noch "konservativ" vom Beratungsbüro ermittelte Rendite liege bei 3,4 Prozent.

Die Mehrheit konnte der Begründung der Süwag gut folgen. "Das sind rentierliche Schulden, die wir hier machen", sagte Ivaloo Schölzel, Fraktionschefin der Freien Wähler. "Wir sehen die Stadt bei der Daseinsvorsorge als direkten Spieler", betonte Maximilian Alter (UKW). So habe sie nun direkt Einfluss auf die Investitionen ins Stromnetz. Die Süwag habe mit ihren Zahlen "Licht ins Dunkel gebracht".

Kritik: Wo ist das Mitspracherecht?

Genau das aber ärgerte die Kritiker auch. Michael Trawitzki (FDP) wies darauf hin, dass die Süwag ihre Projekte schlicht aufgelistet habe. "Das zeigt, wo das Mitspracherecht sein wird. Wir haben das zu akzeptieren, was die Süwag vorgibt." Für CDU-Fraktionschef Dirk Hofmann kamen die höheren Zahlen nicht so überraschend. Sie hätten schon im Vorjahr transparent sein müssen, "vielleicht wäre dann die eine oder andere Fraktion zu einem anderen Beschluss gekommen".

"Ich muss die Skeptiker fragen, ob sie alle Kommunen für Desperado-Kommunen halten, weil sie es probiert haben", sagte Eckart Hohmann (SPD). Viele Orte seien erfolgreich an ihrem Stromnetz beteiligt, da sei Kelkheim hintendran, meinte er. Und weiter in Richtung CDU und FDP: "Es ist interessant, dass die Marktwirtschaft so risikoscheu ist." Der SPD-Mann hakte bei der Süwag in Sachen Elektromobilität nach. Wenn drei Elektrofahrzeuge von Tesla an einer Straße stünden und geladen werden, gehe womöglich der Fernseher in einigen Häusern aus, mutmaßte Hohmann. Haus konterte mit einem Beispiel aus Hofheim: Dort gebe es 60 E-Ladestationen, doch nur in zwei Fällen habe das Kabelnetz ergänzt werden müssen.

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