Er setzt auf den Apfel: Christoph Wagner aus Kelkheim ist Vorsitzender des Naturheilvereins Taunus.
+
Er setzt auf den Apfel: Christoph Wagner aus Kelkheim ist Vorsitzender des Naturheilvereins Taunus.

Naturheilverein Taunus

Kelkheim: Ohne Angst auf die natürliche Immunität setzen

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
    schließen

Der Vorsitzende des Naturheilvereins Taunus rät zu einfachen Methoden und lobt die Club-Entwicklung.

Kelkheim/Oberursel. Christoph Wagner ist gerade rundum zufrieden. Ein Glas gespritzten Apfelwein und eine vegetarische Quiche vor sich, da kann ihn auch das Schmuddelwetter am Gimbacher Hof zwischen all den Sonnenstrahlen nicht stören. Auf plötzliche Kälte und Regen ist der Vorsitzende des Naturheilvereins Taunus (NHV) bestens vorbereitet. Denn er setzt ohne großes Trara auf eine "natürliche Immunität", wie der Kelkheimer betont. Sich zu stärken, übermäßigen Stress, Nikotin- und Alkohol-Genuss zu vermeiden und eine Grundstabilität aufzubauen - das sei besser, als viele Mittelchen zu schlucken.

Stabil - so beschreibt Wagner trotz der Corona-Krise auch die Situation im NHV aus Oberursel, der im Hochtaunus- und Main-Taunus-Kreis vor allem sein Einzugsgebiet hat. Rund 70 Mitglieder sind es weiterhin, durch die Pandemie sei niemand ausgetreten. Es sei wegen Corona aber auch nicht zum Ansturm auf die Naturheilkunde gekommen, fügt Wagner an. Er ist seit der Gründung im Jahr 2014 Vorsitzender.

Beruflich schafft Wagner den Spagat zwischen seiner Aufgabe als Kreativtherapeut für Psychosomatik in einer Klinik bei Würzburg und zwei Tagen in seiner Heilpraktiker-Praxis in Hofheim. Da bleibe weniger Präsenzzeit für den NHV. Doch Wagner ist sehr zufrieden über ein eingespieltes, zuletzt beim Mitgliedertreffen wieder gewähltes Team um den Zweiten Vorsitzenden Wolfgang Herr, Sigrid Krautstein (Schatzmeisterin und Geschäftsstelle) sowie Programmleiterin Inga Tulach. "Ich kann mich super auf diese Vorstandskollegen verlassen", lobt Wagner, der im Hintergrund die Pressearbeit macht, die Homepage betreut und sich um organisatorische Dinge kümmert.

"Der Natur und dem Leben vertrauen"

Seit seiner Gründung habe sich der Verein "als Marke etabliert", freut sich Wagner. Nur eine Selbsthilfegruppe zu haben, das bedeute doch zu wenig Präsenz. Natürlich gebe es viele, die beim NHV vor allem die Angebote konsumieren. Die aktive Mitarbeit ist weniger angesagt. Und so würde sich Wagner für die Zukunft wünschen, einen Verjüngungsprozess in Gang zu bringen. Er vergleicht: Die Vegetarier seien als "Exotenhaufen" verschrieen worden, heute seien sie etabliert, gerade unter jungen Leuten. Und so dürfe sich auch der Slogan des NHV, "Der Natur und dem Leben vertrauen", gerne weiter verbreiten.

Dafür tut die Gruppe eine Menge. Gleich zu Beginn der Pandemie ging natürlich nichts. Videokonferenzen seien nicht das Richtige gewesen, "es passt zum Naturheilverein nicht, vor der Glotze zu hängen", findet Wagner. Deshalb hat der NHV, als es möglich wurde, Aktivitäten nach draußen verlegt. Drei Open-Air-Veranstaltungen sind im Sommer schon angeboten worden, zuletzt eine früh ausgebuchte Kräuterführung.

Der Programm-Schwenk hat für den Vorsitzenden eine sehr gute Seite. So würden neue Themen wie eben die Biene in den Mittelpunkt rücken. Das sehe er als "Gewinn und Chance" für die Gruppe zugleich. Und da spiele Corona dem NHV durchaus in die Karten. Denn die Krise habe ein höheres Bewusstsein für die Natur entfacht, um letztlich auch deren "Gesundheit" zu stärken. Wagner hofft, dass dieses Interesse nicht gleich wieder erlahmt.

Der Verein konnte in der Zeit des Lockdowns den Menschen immerhin über die stets mitgelieferte Zeitschrift "Naturarzt" noch einen Mehrwert bieten. Zudem schrieb Wagner den Mitgliedern einen Brief, in dem er Tipps zur Stärkung des Immunsystems in schweren Zeiten gab. Darin führte er auch mit Blick auf Corona aus: "Man braucht als normal gesunder Mensch nicht so viel Angst haben. Jeder hat eine gewisse natürliche Immunität. Der Körper ist so intelligent, der kann damit umgehen." Natürlich halte sich der NHV als Veranstalter an öffentliche Auflagen. Doch kritisch sieht der Vorsitzende "die Leute, die die Angst schüren".

Vitamine, maßvoll Sport, Entspannung

Im Brief an die Mitglieder heißt es: "Angst ist in der Regel ein schlechter Ratgeber." Jeder könne doch nicht mehr, "als das selbst für sinnvoll Erachtete tun - und ansonsten so weit loslassen wie möglich". Für ihn gehört dazu:

Stabilisierung und Stärkung des Immunsystems mit Vitamin C und Vitamin D (am Winterende besteht hier immer größter Mangel), eventuell ergänzt um die Mikronährstoffe Zink und Selen.

Das Immunsystem mobilisieren, wenn man das Gefühl hat, es ist etwas im Anmarsch, lässt sich etwa mit Echinacea (sofern man nicht allergisch darauf reagiert), Zistrose alias Cystus, Pelargonie und Propolis - aber all diese Mittel sollte man jetzt nicht anderthalb Jahre dauerhaft einnehmen, bis auch der letzte mit dem Coronavirus infiziert und die "Seuche" durchgezogen ist. "Locker bleiben, wenn's irgendwie geht."

Entspannung in Form von Schlaf und Erholung ist Basis für das Funktionieren der Abwehr. Den Stress zu reduzieren, dazu kann maßvoller Sport beitragen, natürlich auch die klassischen Entspannungspraktiken: Meditieren, Visualisieren, Hypnose und Singen. So gibt es beim NHV das "heilsame Singen", was derzeit wieder per Video passiert.

Auch in der Ernährung lassen sich abwehrstärkende Akzente setzen: Kohlgemüse zum Beispiel stärken die Schleimhautbarrieren und wirken durch Senföle direkt keimhemmend. Auch Zwiebeln und Knoblauch helfen der Abwehr. Wagner: "Alkohol meiden, er schwächt das Immunsystem." Die Menschen sollten aber "nicht schon in der Phase der Prophylaxe dauernd ,aus allen Rohren schießen'" und hier zig Mittelchen schlucken, rät er. Das passt zum Verein, denn der solle nicht in die esoterische Richtung driften. Wobei da für manche schon die Homöopathie darunter falle, weiß Wagner.

Die Reihe der Aktivitäten im Naturheilverein Taunus (NHV) geht weiter: Ein Kurzzeit-Coaching "Wing Wave" ist am Mittwoch, 16. September, 19 Uhr, in der Stadthalle Oberursel. Die Methode soll schnell helfen, Stress abzubauen. Traumata lösen mit schamanischer Heilkunst - das ist das Thema eines Vortrags am Donnerstag, 24. September, 19 Uhr, in der Stadthalle Oberursel. Referentin ist Heilpraktikerin Daniela Krämer. Anmeldungen für diese Kurse sind ebenfalls nötig auf der Homepage.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare