Mohammed Hussam und seine Frau Rima im neuen "El Fruad"-Markt im alten Schlecker.
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Mohammed Hussam und seine Frau Rima im neuen "El Fruad"-Markt im alten Schlecker.

Wirtschaft:

Kelkheim: Orientalische Lebensmittel im Traditions-Kaufhaus

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Erste Teilnutzung für untervermieteten und umstrittenen Komplex - weitere Mieter sind offen.

Kelkheim. Dass im ehemaligen Schlecker, später "Kunstkaufhaus", jetzt ein Markt für orientalische Lebensmittel eröffnet hat - der Kunde kann es derzeit nur erahnen. Kein Schild, keine Werbung gibt es am Schaufenster. Wer den Laden im Teil des ehemaligen Traditions-Kaufhauses Rota Born betritt, landet erst einmal vor weißen Stellwänden. Ein paar Meter weiter eröffnet sich dem Kunden dann aber eine kleine Welt aus Tausendundeiner Nacht: Mohammed Hussam hat mit seiner Frau Rima hier einen Orient-Markt eröffnet. Und zwar seit Anfang vergangener Woche.

Die ersten Tage seien schon ganz in Ordnung gewesen, erzählt der 48 Jahre alte Syrer dieser Zeitung. Es seien einige Kelkheimer gekommen und hätten sich neugierig umgeschaut. Nun hoffen der Vater von drei Kindern und seine Frau, die an der Kasse sitzt, auf einen guten Start. Denn für beide ist es ein Sprung ins kalte Wasser. Sie war Ingenieurin in Syrien, er Karikaturist. Da es schwer sei, hier in Deutschland einen passenden Job zu finden, hätten sie sich etwas Neues überlegt und seien auf den Markt gekommen, erzählt Hussam.

Wohnungsprojekt vorerst gescheitert

"Wir versuchen, den Kunden das zu bieten, was sie brauchen", sagt der Mann, der mit der Familie wegen Krieg und Verfolgung vor sechs Jahren nach Deutschland flüchtete. Rund 100 Artikel gibt es derzeit, das Sortiment soll täglich erweitert werden. Der Kunde wird erst einmal von etwas Obst und Gemüse empfangen, dann gibt es ein Regal voller Wasserpfeifen, Teekannen und Campingkocher. Den Hauptanteil machen aber die Lebensmittel aus - von B wie Bohnen über D wie Datteln, M wie Milchpulver, G wie Gurken, K wie Kaugummi, N wie Nudeln, T wie Türkischen Reis bis W wie Weinblätter in Salzlake. Fleisch, Fisch und Huhn an einer Frischetheke sollen hinzukommen. Er beziehe vieles vom Frankfurter Großhandel, sagt Hussam, der auch einen Online-Shop aufbaut.

Ein neues Geschäft in der Möbelstadt - das ist erst einmal nichts Ungewöhnliches. Doch der Standort ist es schon, weil er zuletzt intensiv diskutiert worden war. Hier befand sich fast 75 Jahre das bekannte Kaufhaus, das von Spielwaren und Haushaltsartikeln bis zur Kleidung vieles führte. Ende 2019 schloss das Geschäft, die Gemeinnützige Siedlungswerk Frankfurt GmbH (GSW) erwarb das Ensemble und wollte es abreißen lassen. Es sollten mehr als 20 Wohnungen entstehen, doch das Vorhaben scheiterte vorerst an der Stellplatzsatzung. Deshalb vermietete die GSW die Gebäude für fünf Jahre unter. Zuerst wurden die drei Wohnungen im Haus mit Montagearbeitern und ihren Familien wieder belegt, nun folgt das Orient-Geschäft. Dieser Laden könnte "auf jeden Fall eine Aufwertung" sein, sagt Bürgermeister Albrecht Kündiger und hofft, dass dieses Konzept noch ausgefeilt wird und greift. Er sieht "einen Schritt in die richtige Richtung", wobei ihm natürlich neue Wohnungen, am besten auch bezahlbare, lieber wären. Und er hoffe nicht, dass das Kaufhaus nebenan "zum Sperrmülllager" verkommt. Aktuell sieht es aber genau so dort aus. Eine weitere Nutzung ist laut dem neuen Mieter noch offen. Auch Kündiger weiß, dass sich die Nachbarn durchaus Sorgen um die Zukunft des Areals machen. Und er bekommt mit, dass die Sache politisch diskutiert wird. Vor allem CDU, FDP und Freie Wähler können nicht verstehen, dass es hier zu keiner Einigung zwischen Stadt und GSW gekommen ist. Anträge zu einer neuen Stellplatzsatzung wurden schon angekündigt. Der Bürgermeister wiederum verweist auf die Gleichbehandlung aller Bauherren und hofft, mit der GSW wieder ins Gespräch zu kommen.

Kein schöner Anblick: Das alte Kaufhaus an der Hornauer Straße ist derzeit ein Sperrmüll-Lager. Im Hintergrund ist noch die VerkaufsTheke zu sehen.

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