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Emotional und fesselnd: Suzanne von Borsody bei der Lesung im Bürgerhaus von Fischbach.

Schauspielerin Suzanne von Borsody

Kelkheim: Prominenter Gast im Bürgerhaus

  • vonEsther Fuchs
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Schauspielerin Suzanne von Borsody entführt im Fischbacher Bürgerhaus in die Welt der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo. Zwischen den Lesungen erzählt sie im Interview von ihrer Kindheit und Jugend, ihrer Mutter Rosemarie Fendel und ihrer besonderen Beziehung zu Frankfurt.

Fischbach -"Ihr Werk ist bitter und zärtlich. Hart wie Stahl und zerbrechlich wie die Flügel eines Schmetterlings. Liebenswert wie ein schönes Lächeln und grausam wie die Bitterkeit des Lebens." Die Worte Suzanne von Borsodys hallen durch das abgedunkelte Bürgerhaus. Sie machen nachdenklich. Die Sätze begleiten Anibal Civilotti aus Argentinien, Omar Plasencia aus Venezuela und Kurt Holzkämper. Sie bilden das Trio Azul. Auf Einladung des Kulturkreises Eppstein, der 40. Geburtstag feiert und in Zusammenarbeit mit der Kulturgemeinde Kelkheim, entführt Suzanne von Borsody in die Welt der mexikanischen Künstlerin Frida Kahlo. Sie liest, der Pandemie geschuldet, zweimal hintereinander.

Eine Achterbahn

der Gefühle

"Ich lächelte. Weiter nichts. Und in mir wurde es hell", hört man die Stimme Suzanne von Borsodys im abgedunkelten Raum. In den nächsten 75 Minuten wird sie nicht nur das Leben der Malerin Revue passieren lassen, sondern sich zugleich der Kultur und Leidenschaft des Landes Mexiko widmen. Die Zuhörer werden nicht nur akustisch, sondern auch visuell in das Leben Frida Kahlos eintauchen. Die Schauspielerin, Synchronsprecherin, Rezitatorin und Unicef-Botschafterin von Borsody macht neugierig: "Jetzt, wo Du mich verlässt, liebe ich Dich mehr denn je".

Frida Kahlo, als drittes Kind von Matilde und Guillermo Kahlo 1907 geboren, wollte nie Malerin werden. Erst die Begegnung mit dem Tod brachte das verborgene Talent an den Tag. Zeit ihres Lebens schrieb sie Briefe. Sie dienen von Borsody als Grundgerüst der Lesung. Die emotionalen Nachrichten an ihre erste Liebe Alex oder die Klagen über ihren späteren Ehemann Diego werden von der Schauspielerin intoniert zu emotional bewegenden Momenten. In Anlehnung an Frida Kahlo trägt Suzanne von Borsody Tracht und Hochsteckfrisur mit Blumenkranz. Sie sitzt an einem mit rotem Tuch, Lichtern und Kerzen dekorierten Tisch, der aus einem Kahlo-Gemälde stammen könnte. Die Beiträge spinnt sie geschickt zu Handlungsfäden zusammen, die melodisch begleitet und durch an eine Leinwand projizierte Fotoaufnahmen ein multimediales Kopfkino anstoßen. Die Lebensphasen von Kahlo waren leidenschaftlich, wild und zugleich bitterzart. Die Melancholie des Schicksals und die unterschwellige Tristesse gibt von Borsody eindrucksstark weiter.

Als Sechsjährige erkrankte Kahlo an Kinderlähmung. Durch das lange Krankenlager behielt sie ein dünneres, etwas kürzeres rechtes Bein zurück. Ab 1922 besuchte Kahlo die Escuela Nacional Preparatoria in Mexiko-Stadt. Sie gehörte zu den ersten Mädchen, die unter mehreren hundert Jungen zugelassen wurden. Frida schloss sich einer Gruppe Studenten an, "den aufgrund ihrer Barett-artigen Kopfbedeckung genannten Los Cachuchas". Sie begann ihre erste Liebesbeziehung mit dem Anführer der Gruppe, Alejandro Gómez Arias. "Lass uns etwas aus Leben machen. Um Mitternacht habe ich an Dich gedacht . . . deine süßeste Zuckermandel", so die Worte in einem Brief an Alejandro.

Am 17. September 1925 wurden alle Pläne und Träume zunichte. Suzanne von Borsody zitiert aus einem Brief: "Alex, Du weißt wie kein anderer, wie ich mich fühle. Doch der Sensenmann hat mich nicht geholt." Ein Busunglück am 17. September änderte das Leben Kahlos. Eine Eisenstange durchbohrte ihr Becken. Fortan musste sie ihr Leben immer wieder liegend und in einem Ganzkörpergips oder Stahlkorsett verbringen. Sie begann zu malen. Die Liebe ging in die Brüche. Am 21. August 1929 heiratete sie den 20 Jahre älteren Wandmaler Diego Rivera. Mit ihm verband sie die große Liebe. Mit ihm lernte sie die Welt kennen. 1939 ließen sich Frida und Diego scheiden. Die Bindung riss nicht ab. Der Künstler unterstützte Frida Kahlo in ihrem Schaffen. Am 8. Dezember 1940 heirateten die beiden ein zweites Mal. Am 13. Juli 1954 starb Frida Kahlo 47-jährig. Ihren letzten Tagebucheintrag vor dem Tod gibt von Borsody den Zuhörern mit auf den Weg in den Abend: "Fröhlich warte ich darauf, das Haus zu verlassen und hoffe, nie mehr zurückzukehren." Esther fuchs

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