Der alte und neue Chef sowie Bürgermeisterkandidat Michael Hellenschmidt führt die Riege des Vorstands mit Elsbeth Stegemann, Marie-Kristin Baus, Daniel Samoylov, Wiltrud Valentin, Lisa Henties, Rolf Bäker, Julia Ostrowicki und Katharina Hauff (von links) an.
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Der alte und neue Chef sowie Bürgermeisterkandidat Michael Hellenschmidt führt die Riege des Vorstands mit Elsbeth Stegemann, Marie-Kristin Baus, Daniel Samoylov, Wiltrud Valentin, Lisa Henties, Rolf Bäker, Julia Ostrowicki und Katharina Hauff (von links) an.

Politik:

Kelkheim: 100 Prozent für den SPD-Herausforderer

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Mitglieder der Sozialdemokraten nominieren Michael Hellenschmidt für Bürgermeisterwahl 2021.

Kelkheim. Ob sein zehn Jahre alter Sohn auch noch Spaß daran hätte? Michael Hellenschmidt bekam am Freitagabend bei der Jahreshauptversammlung der SPD von Fraktionschefin Julia Ostrowicki ein Spielzeug-Bohrfahrzeug. Damit er in Zukunft in Kelkheim "dicke Bretter" bohren kann. Denn das möchte der 47-Jährige gerne tun: Die 21, mit ausreichend Abstand im Plenarsaal anwesenden Mitglieder, nominierten Hellenschmidt einstimmig zum Kandidaten der SPD für die Bürgermeisterwahl 2021. Damit ist der promovierte Physiker, der als Produktexperte bei SAP in Eschborn arbeitet, der zweite offizielle Bewerber nach CDU-Fraktionschef Dirk Hofmann. Auch Amtsinhaber Albrecht Kündiger (UKW) würde erneut antreten, ist aber noch nicht nominiert.

"Denke, dass man ein Angebot machen muss"

Das Votum freut Hellenschmidt. In vielen Telefonaten, in denen er zum Beispiel Beisitzer zum Weitermachen im Vorstand motivierte, habe er weitere positive Rückmeldungen erhalten. Mit Abstand und zum Teil Maskenpflicht sei das schon "eine merkwürdige Jahreshauptversammlung" gewesen, räumt er ein. Aber der Startschuss dafür, dass die Kelkheimer SPD mit Herausforderer Hellenschmidt in bessere Zeiten aufbrechen möchte. 2015 hatte sie keinen Bürgermeisterkandidaten, bei der Kommunalwahl 2016 sackte sie auf vier Sitze im Parlament ab. "Ich denke schon, dass man ein Angebot machen muss", sagt Hellenschmidt. Mit Geburtstagsbesuchen und Newslettern habe er die Interaktion in der Partei deutlich verstärkt. Das zeige für ihn, "dass wir als Ortsverein funktionieren". Zudem wurde das Vorstandsteam weiter verjüngt.

Diese Aufbruchstimmung will der Kandidat mit seiner Partei verstärkt nach draußen tragen. Das Motto dafür lautet "Kelkheim bewegen", vor allem als "lebenswerte, soziale und nachhaltige Stadt". In der Sitzung hat Hellenschmidt deutliche Worte gefunden. Er hatte das Grundgesetz dabei und betont: "Das gehört jedem Anständigen." So etwas müsse jeder Demokrat bewahren, ebenso wie die deutsche Fahne der Demokratie. "Wir dürfen uns die Symbole von denen nicht klauen lassen", macht er deutlich und meint damit etwa die AfD. Auch in Kelkheim müssten die politischen Gruppierungen dagegen angehen: "Wir treten ja an, weil wir Kelkheim lieben."

Hellenschmidt, aufgewachsen in Bad Rappenau, ist hier mit seiner Frau und dem Sohn gerne zu Hause. Und möchte einiges ändern. Es ärgere ihn, dass viele Dinge liegen bleiben oder "merkwürdig umgesetzt werden". Ein Beispiel von ihm: Die UKW wollte die Aktion "nette Toilette" initiieren, habe den Magistrat um Prüfung gebeten. Warum habe die 18-köpfige Fraktion das nicht selbst gut vorbereitet? Laut seiner Auflistung habe jedes UKW-Mitglied seit 2016 im Schnitt zwei Anträge gestellt, bei den vier Sozialdemokraten seien es zehn pro Kopf. Er habe mehrere Stunden ein Papier zur Wettaufwandssteuer vorbereitet - doch die Umsetzung sei am Veto der Verwaltung gescheitert. Hier wünscht sich Hellenschmidt einen Bürgermeister, der auch einmal Dinge durchsetze. "Es wird ein Aufschlag gemacht, und dann passiert nichts. Das ist Simulation von Politik."

Hellenschmidt nennt im Gespräch als dickes Brett vor allem den Komplex neue Feuerwehr, Baugebiet "Hornau West", die "Gagern-Spange" und die Bahnhöfe Kelkheim und Hornau. Er würde die beschlossene Straße auf jeden Fall öffnen, hier viel bezahlbaren Wohnraum unterbringen, der Feuerwehr ein klares Zeichen für ihr Projekt geben und vor allem den Kelkheimer Bahnhof in diesem Zuge umgestalten. "Irgendwann muss ich mich positionieren", fordert er. So seien ihm in der Corona-Krise vor allem die Sorgen der Mieter und nicht der Vermieter wichtig. Und er möchte gegen die sicher kommenden Sparbemühungen bewährte, wichtige Dinge in Kelkheim erhalten. Der Leerstand ist Hellenschmidt, der vor Jahren dazu eine Erhebung gemacht hat, ein Dorn im Auge. Das Projekt Rita Born sieht er "in den Sand gesetzt".

Auch für das Parlament kandidieren

Hellenschmidt will im Herbst richtig loslegen mit seinem Wahlkampf und setzt 2021 schon auf Sieg. Mit einem Kaffeetisch will er etwa durch die Stadtteile ziehen und mit den Bürgern reden. Und wenn es nicht klappt: Dann möchte der SPD-Chef auf jeden Fall erstmals ins Stadtparlament einziehen. Frank Weiner

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