hkk_kinocorona5_1_191120
+
Das Kelkheimer Kino ist derzeit wieder geschlossen.

Kultur:

Kelkheim: "Das geht auf Dauer ans Eingemachte"

Stadt stundet dem Kinoverein die Miete - vorläufige Schließung war schon vor dem Lockdown ein Thema.

Hornau. Auf die Medien ist Martin Müller-Raidt gar nicht gut zu sprechen. Immer gebe es nur Hiobsbotschaften zu Corona. Dass auch viele Menschen immer wieder genesen, werde gerne verschwiegen. Und auch das führe dazu, dass die Leute sehr verunsichert seien. Müller-Raidt hat das in den vergangenen Monaten miterlebt. Denn er ist Vorsitzender des Kelkheimer Kinovereins, der das Filmtheater im Vereinshaus Hornau betreibt. Doch selbst in den Zeiten, in denen Kino-Genuss unter Auflagen möglich war, seien die Gäste meist weggeblieben, bedauert er. Vorsicht sei ja in Ordnung - doch hier im Vereinshaus gebe es alle Vorsichtsmaßnahmen, wünscht er sich nach dem zweiten Lockdown etwas mehr Optimismus unter den Kinofans.

Dass auch die Lichtspielhäuser seit dem 1. November wieder schließen mussten, hat den Kelkheimern eine eigene Entscheidung abgenommen. Wie Müller-Raidt berichtet, stand der Verein kurz vor einer selbstverordneten Zwangspause. "Wir haben überlegt, wir schließen ab." Denn der Club habe schon 10 000 Euro aus seinen Rücklagen für den Betrieb verwenden müssen. "Das geht auf Dauer ans Eingemachte", redet Müller-Raidt Klartext. Deshalb ist der Verein auf die Stadt zugegangenen.

Deren Städtebaulicher Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft gehört das Vereinshaus. Jetzt kam eine erste positive Nachricht: 50 Prozent der Miete für die vergangenen zehn Monate seit Corona-Beginn werden gestundet. Bisher habe die Kino-Gruppe alles regulär gezahlt - doch sehr lange wäre das so nicht gegangen, weiß der Clubchef.

Erlass fürs aktive Ehrenamt

Die Entscheidung der Stadt hilft dem Kino-Team erst einmal weiter. Müller-Raidt würde sich aber wünschen, den gestundeten Betrag vielleicht irgendwann auch komplett erstattet zu bekommen. Denn dabei handele es sich ja um einen Verein mit Ehrenamtlichen und keinen rein auf Gewinn orientierten Privatbetrieb. Diese Differenzierung möchte der Vorsitzende schon gerne treffen. "Wir hoffen nicht, dass das alles bezahlt werden muss - im Sinne des kulturellen Lebens in Kelkheim."

Ob das bei der Stadt auf fruchtbaren Boden fällt, ist fraglich. Bürgermeister Albrecht Kündiger hat bisher immer klargestellt, bei den städtischen Pächtern eine Gleichbehandlung anzustreben. Auch den Gastronomen wird die Pacht gestundet. Ein kompletter Verzicht kam für die Stadt bisher nicht in Frage. Das Kino sei schon ein "Highlight" in Kelkheim, ein Markenzeichen, sagt Kündiger. Deshalb wolle die Kommune "schauen, wie wir unterstützen".

Im Sommer hat sich der Kinoverein selbst geholfen. Insgesamt 16 Filmabende bot die Mannschaft als Open Air an. "Wir haben uns abgerackert, damit wir da verdienen", blickt Müller-Raidt auf eine zufriedenstellende Phase zurück.

Doch kaum war das gute Wetter vorbei, trauten sich die Leute kaum noch in den Filmsaal. Zumal auch die Filmauswahl gerade rund um den Sommer zu wünschen übrig ließ. Und der neue James Bond als Zugpferd wurde immer wieder verschoben.

Nun wieder die Schließung. Hier sieht Müller-Raidt einen Hoffnungsschimmer: Wenn nämlich der Verein wie Gewerbebetriebe auch im November 75 Prozent seines Umsatzes aus dem Vorjahr als Hilfe erhalten könne. Beim ersten Lockdown habe es für den Kinoclub nichts gegeben, bedauert Müller-Raidt. Nun könnte es für Vereine mit Geschäftsbetrieb eine Ausnahme geben.

Ganz gleich: Die Lage ist sehr angespannt im Kino Kelkheim, in das in den vergangenen Jahren viel Geld investiert wurde - Ende 2019 in eine neue Klimaanlage, die im Sommer kaum gebraucht wurde, dann in eine Popcornmaschine. Theaterleiter Christian Hofmann, der einzige Angestellte des Vereins, ist in Kurzarbeit. Eine weitere Aufstockung auf 100 Prozent wohl schwierig, wenn die Lage so bleibe, bedauert Müller-Raidt. Werbung werde im Kino kaum noch geschaltet, hingegen müsse der Verein sein Marketing zu üblichen Konditionen beibehalten. "Es ist ein Teufelskreis", sagt der Vorsitzende, der in 35 Jahren seit Bestehen schon viel erlebt hat. Ein solches Krisenjahr allerdings noch nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare