Blick aus der Vogelperspektive zwischen Bahnlinie und Gagernring: rechts der Schulbau, dahinter der Hof mit Atrium. Hinter dem Zaun befindet sich die Firmenfläche, die ab 2022 angemietet wird.
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Blick aus der Vogelperspektive zwischen Bahnlinie und Gagernring: rechts der Schulbau, dahinter der Hof mit Atrium. Hinter dem Zaun befindet sich die Firmenfläche, die ab 2022 angemietet wird.

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Kelkheim: Richter-Schule: Container-Bau als Übergangslösung

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Gymnasium mietet Lagergelände für Erweiterung und hält an größerer Variante auf Möller-Areal fest.

Kelkheim. "Wir konnten jetzt nicht länger warten", sagt Bernhard Heinz. Er ist geschäftsführender Direktor des Privatgymnasiums Dr. Richter (PDR) und spricht die Platz-Not der Einrichtung mit etwas mehr als 600 Schülern an. Weil sich die großen Pläne links vom Grundstück am Gagernring auch wegen der Klagen der Eigentümer weiter verzögern (siehe Text rechts), hat die Schule nun eine "Übergangslösung", wie Heinz betont, unter Dach und Fach gebracht. Zum 1. Januar 2022 wird das PDR die Lagerhallen rechts von ihrem Domizil anmieten und abreißen lassen. Dort soll ein modularer Container-Bau für vier Klassenräume entstehen. Der Startschuss zum Lernen mit mehr Platz soll dann zum Schuljahr 2022/23 fallen.

Platz für Schüler, Lehrer, Bücher nötig

Heinz stellt beim Ortstermin mit dieser Zeitung klar, dass die Schule weiterhin an der großen Lösung auf der anderen Privatfläche festhalte. Denn der Container-Bau kann die gesamten Probleme des PDR nicht lösen. Eigentlich ist ein großes Gebäude geplant, das modernsten Anforderungen genügt, so Heinz. Platz wird vor allem benötigt für das Lager an Schulbüchern, die nach der Lehrmittelfreiheit hier ausgegeben werden. Auch die Schüler und Lehrer könnten weitere Flächen gebrauchen, eine größere Aula ist das langfristige Ziel, und ein vernünftiger Anfahrtsbereich für Busse und Liefer-Lkw, zudem Lagerkapazitäten und Fläche für die IT. Ein Thema könnte auch die Rückkehr zu neun Jahren Gymnasialzeit sein, denn das PDR ist laut Heinz die letzte Schule im Kreis mit G 8. Ob das so kommen wird, dazu könne er aber derzeit nichts sagen.

Das PDR lässt sich die Übergangsvariante einiges kosten, Heinz beziffert die Investition auf einen mittleren sechsstelligen Betrag. Er betont, dass solche Container heute sehr modern ausgestattet seien, zum Beispiel mit einer Klimaanlage. Zudem würden sie verkleidet, damit sie nicht wie große Blechkisten aussehen. Das PDR kümmert sich auch um die Versorgung der Fläche mit Strom, Gas, Wasser, Abwasser.

Heinz freut sich, dass die ebenfalls schon länger geführten Gespräche mit den Eigentümern auf dieser Schul-Seite zum Erfolg geführt haben. Wie er weiß, waren dort früher eine Spedition, dann ein Kfz-Betrieb beheimatet. Zuletzt wurden die Hallen als Lager genutzt. Die Schule hat die Container erst einmal für fünf Jahre gemietet, mit der Option dann zum günstigen Kauf. Sollte sich bis dahin etwas zum Möller-Grundstück getan haben, würde das PDR an diesem Punkt umsatteln.

"Für jede friedliche Lösung offen"

"Ich hoffe, dass da irgendwann eine Entscheidung getroffen wird", sagt er zu den Klagen, die zum Teil bereits Jahre beim Hessischen Verwaltungsgerichtshof liegen. Selbst die Eilanträge sind dort noch nicht beraten worden. Die Stadt habe ebenfalls grünes Licht für das Projekt gegeben - für fünf Jahre, mit dem positiven Signal für eine Verlängerung.

Der Trägerverein der Dr. Carl und Johanna Richter-Stiftung habe dafür bereits Anfang 2021 eine Mitgliederversammlung einberufen und sein Okay für das Projekt gegeben, das Kollegium sei jetzt informiert worden, berichtet Heinz, der auch eine neue Personalie im Stiftungs-Vorstand vermelden kann: Robert Müller, ehemaliger Vorsitzender der SG Kelkheim, löst zum 1. August Hans Franssen, den Altbürgermeister von Hattersheim, im Dreierteam ab. Müller war es auch, der eine erste grobe Planung für den Gagernring 5 erstellt hat. In dieser Sache sei das PDR weiter "für jede friedliche Lösung offen", stellt Direktor Heinz klar.

Es gibt bereits vier Klagen

Seit Mitte Mai liegt eine neue Klage zum Streit um das Grundstück am Gagernring 5 vor. Wie der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel auf Anfrage mitgeteilt hat, gibt es den Antrag auf Normenkontrolle gegen den Bebauungsplan der Stadt Kelkheim: "Erweiterung Privatgymnasium Dr. Richter". Weitere Auskünfte gab es vom Gericht dazu vorerst nicht. Auch die Beteiligten, die Stadt Kelkheim auf der einen und die Eigentümer auf der einen Seite, tappen im Dunkeln, wann mit Entscheidungen zu rechnen ist.

So liegen nach Informationen dieser Zeitung mindestens vier Klagen gegen die Erweiterung der Privatschule auf das Grundstück der Familie Möller vor. Zunächst einmal sind die Möllers schon vor knapp vier Jahren gegen die Veränderungssperre für ihr Areal vorgegangen, dieses Verfahren ist nicht entscheiden. Ihr Anwalt Thomas Mehler von der Frankfurter Kanzlei Haldenwang erwartet hier zumindest noch ein Votum, wer die Kosten tragen muss. Dann hat Mehler im Auftrag den Bebauungsplan per Eilantrag beklagt, um schließlich Mitte Mai den Antrag gegen das vom Parlament beschlossene Papier auch in der Hauptsache anzugehen. Und zudem soll es eine weitere Normenkontrollklage eines Anwohners in der Nähe von Schule und Privatgrundstück geben.

Mehler weiß: Der Hessische Verwaltungsgerichtshof sei "völlig überlastet". In den vergangenen Monaten seien noch "Tausende Corona-Klagen" hinzugekommen. Das Kelkheimer Thema sei wohl auf dem Stapel der komplizierten Fälle gelandet, zumal eine Mediation der Kontrahenten in Kassel gescheitert war. "Die Richter müssen sich unheimlich sorgfältig damit befassen", so der Anwalt. Deshalb rechnet er mit einem Verfahren, das sich über viele Jahre ziehen kann.

Daher wünscht er sich ein Umdenken in der Sache. Dass die Schule hier bald erweitern könne, das sei "eine gewaltige Fehlvorstellung". Mehler: "Das ist ein brutales Brett, das sie zu bohren haben." Eine Enteignung als letzter, nicht gewollter Schritt, "geht durch alle Instanzen". Er kenne kaum Kommunen, die an solchen Plänen festhalten. Hier die Notbremse zu ziehen, sei sicher nicht verkehrt. Aber Mehler weiß auch: Es sei so viel Geld ausgegeben worden, das sei es für beide Seiten noch "schwerer, das Kriegsbeil zu begraben". Und Mehler hat für seine Mandaten schon Schadenersatzforderungen bei der Stadt angemeldet. wein

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