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Das Rita-Born-Anwesen in der Stadtmitte wird vorerst Lager.

Wirtschaft:

Kelkheim: Rita-Born-Anwesen wird bis 2025 Autoteile-Lager

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Eigentümer GSW vermietet Fläche, hält aber für die Zukunft an Wohnungs-Neubau fest.

Kelkheim. In den vergangenen Tagen wurden Aktivitäten im ehemaligen Kaufhaus Rita Born beobachtet. Und dieser Eindruck trügt nicht: Die Gemeinnützige Siedlungswerk GmbH (GSW) in Frankfurt, seit Anfang 2020 Eigentümerin des markanten Areals an der Hornauer Straße, hat das Gebäude für die kommenden fünf Jahre bis August 2025 untervermietet. Wie Geschäftsführer Filip John dieser Zeitung auf Anfrage bestätigt, sei die Firma Automobile Skyline-Autoteile aus Mühlheim am Main untergekommen. Der Betrieb habe das komplette Ensemble gemietet. Geplant sei es, dort vor allem Autoteile zu lagern und daraus auch zu verkaufen. Die drei Wohnungen im Haus sollen für Facharbeiter genutzt werden, so John. Der neue Mieter war gestern nicht zu erreichen.

Bürgermeister Albrecht Kündiger indes berichtete gestern Nachmittag von einem Baustopp des Main-Taunus-Kreises, da es wohl um eine Nutzungsänderung gehe. Vom Kreis gab es keine Information mehr dazu, die GSW wisse von nichts, sagte John.

Ganz gleich: Durch die Vermietung wird es mittelfristig also nichts mit dem eigentlich geplanten Projekt der GSW. Die hatte vor, das alte Kaufhaus abzureißen und einen Mehrfamilien-Komplex mit 21 Wohnungen zu errichten. 7 bis 8 Millionen Euro sollten hier in der Stadtmitte Kelkheims investiert werden. An diesem Plan halte die GSW fest, betont John - nur eben nicht jetzt, sondern frühestens in fünf Jahren. Er findet diese Zwischenlösung für das Unternehmen in Ordnung. Kelkheimer, die eine Wohnung suchen, werden das wohl nicht so sehen.

Auch John findet es schade, dass die angedachte Neubau-Variante derzeit nicht zum Tragen kommt. Es sei unter den Voraussetzungen eben nicht möglich, die Anzahl der Wohnungen "wirtschaftlich darzustellen". Der Main-Taunus-Kreis als Bauaufsicht hatte den Antrag abgelehnt. Danach habe es keine weiteren Gespräche mit Kreis und Stadt mehr gegeben, so John. "Es war ja alles ausgesprochen. Eine Genehmigungsfähigkeit stand nicht mehr zur Debatte." Die GSW hatte gleich danach mitgeteilt, dass sie sich auf andere Projekte konzentrierte und eine Untervermietung in Kelkheim anstrebe.

Knackpunkt ist in diesem Fall die Stellplatzsatzung, die so nicht erfüllt ist. Denn die GSW will Wohnungen zu Marktpreisen anbieten, die mehr Parkraum erfordern. Bei bezahlbaren Wohnungen wiederum ist laut der geänderten städtischen Satzung nur ein Stellplatz pro Einheit nötig. Zweiter Knackpunkt war auch ein Aufzug zur Tiefgarage, dessen Zufahrt an der Hornauer Straße hätte liegen sollen. Hier fürchtet die Stadt Verkehrsprobleme.

Bürgermeister Albrecht Kündiger hatte nach dem Aus im März schon betont, die Stadt müsse alle Bauherren bei der Stellplatzsatzung gleich behandeln. Dabei bleibt er. Die neue Nutzung kommentiert er mit dem Satz: "Es ist mir lieber, ein Haus ist bewohnt." Er hofft weiter darauf, "dass wir wieder ins Gespräch kommen", dass sich "das Verhältnis zur GSW bessert" und bietet dem Siedlungswerk stets offene Türen an.

Auch die Stadt habe bei der GSW angefragt, ob sie nicht die Wohnungen im Rita-Born-Gebäude für ihre Zwecke nutzen könne. Eine Antwort habe es leider nicht gegeben, so Kündiger. "Ich bin ja nicht nachtragend", sagt er mit Blick darauf, dass sich das Unternehmen aus seiner Sicht zu wenig bewegt habe. "Wir waren gemeinsam auf einem guten Weg." Doch es sei kein bezahlbarer, sondern Wohnraum zu marktüblichen Preisen geplant - und dafür gelte die übliche Stellplatzsatzung. So wie auch für den Nachbarn Möbel Fischer, der ebenfalls umbaut und Wohnungen schaffen will. Ein weiterer Knackpunkt für Kündiger: die Aufzug-Regelung für die Tiefgarage. Bei einem Objekt an der Frankfurter Straße sei eine mechanische Lösung schiefgegangen, Stellplätze anfangs nicht nutzbar gewesen. Das will die Stadt vermeiden und erklärte kein Einvernehmen zum Bauantrag.

Kommentar von Frank Weiner (Redakteur):

In den nächsten fünf Jahren wird das ehemalige Kaufhaus Rita Born ein Lager für Autoteile sein. Das ist die schlechte Nachricht. Während in der Region überall händeringend Wohnraum gesucht wird, ist die wertvolle Fläche in der Stadtmitte dafür nicht verfügbar. Ein Lager kann auch auf der grünen Wiese sein, hier an der Hornauer Straße könnten recht kurzfristig mittelpreisige Wohnungen geschaffen werden. Den Schuh, dass dies nicht geklappt hat, müssen sich beide Seiten anziehen und sich die Kritik all derer gefallen lassen, die hier eine Bleibe suchen. Warum sind keine Kompromisse möglich? Diese Frage werden sich die Kelkheimer in diesem festgefahrenen Fall zu Recht stellen.

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