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Rita-Born-Areal: Vor Wochen hat die GSW noch für die Untervermietung geworben.

Wohnen:

Kelkheim: Rita Born: Orient-Lebensmittel statt Autoteile?

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Es gibt einige Kritik an Mieter-Lösung.

Kelkheim. Nun also eine erste Kehrtwende: Ein Lager für Autoteile soll im Gebäudekomplex des ehemaligen Kaufhauses Rita Born nicht unterkommen. Das berichtet zumindest der neue Mieter Adnan Mohammad dieser Zeitung, die ihn nach mehreren erfolglosen Versuchen gestern erreichen konnte. Die Gemeinnützige Siedlungswerk GmbH (GSW) als Eigentümerin hatte zuvor informiert, einen Vertrag mit der Firma Automobile Skyline-Autoteile aus Mühlheim am Main geschlossen zu haben. In Kelkheim würden Teile gelagert und auch verkauft, hieß es. Mohammad hingegen weiß noch nicht, wie die alten Kaufhaus-Räume genutzt werden sollen. Auf keinen Fall für die Autoteile. Die drei Wohnungen will er beibehalten. Im ehemaligen Schlecker-Markt, bis Ende 2019 das "Kunstkaufhaus", möchte er einen Laden für orientalische Lebensmittel unterbringen.

Davon hat auch Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW) gehört. Eine solche Sache wäre für die Stadt wiederum okay. "Warum nicht?", sagt Kündiger, der aber weiterhin eine Gesamtlösung für den dringend in Kelkheim benötigten Wohnraum anstrebt und für Gespräche mit der GSW offen ist. Dass hier unterschiedliche Meldungen über die Untervermietung im Umlauf sind, findet der Rathauschef schon "unsauber".

Niemand bestätigt Baustopp fürs Areal

Erfahren hat die Stadt auch, dass es einen Baustopp für das Areal gibt. Laut Kündiger sollte hier ein Wohnheim für Monteure entstehen. Das sei eine Nutzungsänderung, weshalb die Stadt den Main-Taunus-Kreis darauf hingewiesen hat. Mohammad, der den Komplex bis August 2025 angemietet hat, spricht von einer Art Motel. Über eine Anzeige war er auf die Untervermietung der GSW aufmerksam geworden. Umbauarbeiten habe es aber noch nicht gegeben in dem Haus. Das Siedlungswerk wollte eigentlich das Ensemble abreißen und ein modernes Gebäude mit 21 Wohnungen zu Marktpreisen schaffen. Doch das scheiterte letztlich an der Stellplatzsatzung. Der Main-Taunus-Kreis hatte damals die Baugenehmigung verweigert. Den Baustopp jetzt bestätigt der MTK nicht. "Das ist ein privates Objekt, daher können wir aus Datenschutzgründen leider nichts weiter dazu mitteilen", informiert Sprecher Johannes Latsch. GSW-Geschäftsführer Filip John ist vom Baustopp nichts bekannt.

Unterdessen wird über die Entwicklung auf dem Gelände des renommierten Kaufhauses, das Ende 2019 schloss, intensiv diskutiert. Ein UKW-Stadtverordneter appelliert in einem ausführlichen Leserbrief an die auch gemeinnützige Aufgabe des Siedlungswerkes, das 1949 als Wohnungsunternehmen der Bistümer Limburg, Mainz und Fulda und deren Caritasverbände gegründet wurde.

Deutlich äußern sich CDU-Stadtverband und -Fraktion. Sie haben die Untervermietung bis 2025 "sowohl mit Verwunderung als auch Verärgerung zur Kenntnis genommen", heißt es. "Aus unserer Sicht stellt sich der Sachverhalt schon etwas anders dar, als von Bürgermeister Kündiger erläutert. Wir spüren in zunehmendem Maße, dass in Kelkheim ein investorenfeindliches Klima herrscht", wählt CDU-Vorsitzender Alexander Furtwängler deutliche Worte. Die GSW als Eigentümerin des Areals habe jetzt sämtliche Aktivitäten in Kelkheim bis auf Weiteres eingestellt. "Dies erscheint auch nachvollziehbar - leider, da die Rathausspitze keinen echten Versuch unternommen hat, den Investoren beim Bau von Wohnungen entgegenzukommen", so Furtwängler. "Zum einen wäre die Möglichkeit gewesen, Abweichungen von der Stellplatzsatzung zu genehmigen. Anstelle dessen hält Bürgermeister Kündiger stur an einer überholten Stellplatzsatzung fest, ohne auf das, was technisch machbar ist, auch nur annähernd einzugehen." Fraktionschef und Bürgermeisterkandidat Dirk Hofmann ergänzt: "Wir stehen auf dem Standpunkt, dass alles, was technisch möglich ist, auch realisiert werden sollte, wenn dies dem Wohnungsbau dient." Das CDU-Duo kündigt an, spätestens nach der Kommunalwahl eine Initiative zur Neufassung der Stellplatzsatzung anzustoßen. Kern solle eine nach Zonen abgestufte Aufteilung sein, nach der in Kelkheim-Mitte weniger Stellplätze nachzuweisen seien als etwa in Ruppertshain oder Eppenhain. "In der Kernstadt ist vieles fußläufig oder mit dem Fahrrad zu erledigen, außerdem kann auf Carsharing- oder die ÖPNV-Angebote zurückgegriffen werden. Die Erfordernisse sind hier also wesentlich geringer", sagt Hofmann. Das sei auch ein Anreiz zum Umstieg auf alternative Mobilitätskonzepte.

CDU ärgert sich und kündigt Initiative an

Furtwängler hat noch ein anderes Problem im Blick: "Wenn jetzt wieder fünf Jahre auf dem Rita-Born-Gelände nichts passiert, bedeutet dies bei einer weiterhin jährlichen Baukostensteigerung von 5 Prozent, dass eine Wohnung dort dann rund 100 000 Euro mehr kosten wird. "

So könnte der Wohnkomplex der GSW einmal aussehen.

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