1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Taunus
  4. Kelkheim

Kelkheim: Rollen Stadtbus und „Kelkheim Colibri“ heran?

Erstellt:

Von: Frank Weiner

Kommentare

Das Beispiel für die rote Linie mit den Stationen in Hornau.
Das Beispiel für die rote Linie mit den Stationen in Hornau. © wein

Fachleute stellen erweitertes ÖPNV-Konzept vor - Stadt müsste 1,6 Millionen Euro im Jahr zuschießen.

Kelkheim. Wer am Samstag nach Mitternacht von einer Feier von Diedenbergen oder Langenhain nach Hause in die Kernstadt Hofheim möchte, der braucht dafür nur ein paar Klicks in der App auf dem Handy. Einfach den Kleinbus „Colibri“ bestellen, meist nur maximal zehn Minuten warten, dann hält der Wagen in der Nähe und bringt den Gast auch wohnortnah nach Hause. Kosten so um die 4 Euro.

Vielleicht gibt es ja bald auch einen „Kelkheim Colibri“. So jedenfalls hat Birgit Hartmann, Verkehrsplanerin bei der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft (MTV), das Projekt schon einmal betitelt. Zusammen mit Lutz Sebbesse vom beauftragten Büro IGDB Verkehrsplanung und Beratung ist sie am Montagabend ins Rathaus gekommen, um nur wenigen anwesenden Bürgern und einigen Politikern zwei neue mögliche Bus-Systeme für die Möbelstadt vorzustellen. Denn das Parlament hat beschlossen, eine solche Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs prüfen zu lassen.

Unter dem Strich sei natürlich vieles möglich, so Hartmann. Aber letztlich eine Kostenfrage. Würde sich die Kommune für einen Stadtbus und ein On-Demand-Bestellsystem für Kleinbusse wie beim „Colibri“ entscheiden, so müsste sie jedes Jahr tief in die Tasche greifen - zusammen rund 1,6 Millionen Euro. Ob es Zuschuss-Möglichkeiten dafür gibt, ist offen. Hofheim hat das für seine Fahrzeuge erhalten, ist mit anderen großen Rhein-Main-Kommunen aber Teil des Bundesprojektes „Saubere Luft“. Kelkheim hat sich ebenso beworben, es ist laut Bürgermeister Albrecht Kündiger „absolut bedauernswert“, das sie nicht zum Zuge kamen.

Hofheimer Modell läuft schon gut

So muss es nun vorerst die Eigenregie richten. Es liegt jetzt an den Fraktionen, ob und in welcher Form sie diese Angebote möchten und Mittel dafür im Haushalt bereitstellen. UKW-Fraktionschefin Doris Salmon überlegt schon einmal, vielleicht nur die „Bergdörfer“ über einen Stadtbus anzubinden und kleiner anzufangen. CDU-Parteichef Alexander Furtwängler, einer der Initiatoren dieses Projektes vor gut zwei Jahren, will Hartmann noch eine Beschluss-Empfehlung für Kelkheim entlocken. Doch die MTV-Fachfrau lehnt freundlich ab. Es gebe noch zu wenige Erfahrungswerte. Der „Colibri“ sei in Hofheim seit Juni gut angelaufen, es seien für den Nachfolger des Anruf-Sammel-Taxis (AST) neue Kunden gewonnen worden. Nach einem halben Jahr will die MTV dort erste Bilanz ziehen. Kündiger nennt es aus ersten Rückmeldungen schon „ein Erfolgsmodell“, das vor allem bei jungen Leuten sehr gut angenommen werde. Der Preis sei allerdings etwas höher als beim AST. Wer ohnehin schon Bahn- oder Bus-Dauerkarten hat, zahlt aber weniger. Das On-Demand-Verfahren ist quasi ein Bustransfer auf Bestellung und läuft normalerweise über eine Handy-App. Dort bestellt der Gast das Fahrzeug und muss laut Hartmann meist nicht mehr als zehn Minuten warten. Es gelten auf jeden Fall die offiziellen Haltestellen im ÖPNV-Netz, hinzu kommen freie Stationen, die Stadt und MTV zusammenstellen würden. Es sei allerdings kein Taxi, das die Leute zu Hause abholt, so Hartmann. Aber allzu weit muss dann keiner mehr zum Bus laufen.

Für Kelkheim hat die MTV eine Variante von Montag bis Sonntag geprüft, vom frühen Morgen bis nachts um 1 Uhr am Wochenende. Eingesetzt würden vier Elektroautos mit sieben Sitzplätzen, wovon eines barrierefrei umgebaut würde. Bei einem Vertrag über zehn Jahre müsste die Stadt per anno je rund 831 000 Euro zahlen - vor allem für den Betrieb und das Personal, Strom und Software würden aber auch je rund 28 000 Euro ausmachen, die Werbung 30 000. Denn Hartmann fände es schon gut, hier eine Marke im Kreis aufzubauen, mit mehreren „Colibris“ auf den Straßen. Eine Umsetzung wäre aber wohl nicht vor Dezember 2024 zum Fahrplanwechsel möglich. Denn es müsste ja erst eine Lade-Infrastruktur für die E-Autos geschaffen werden.

Der Stadtbus hingegen soll noch mit Dieselfahrzeugen laufen. Hier haben die Planer drei Linien vorgeschlagen - jeweils mit dem zentralen Umstiegspunkt am Kelkheimer Bahnhof, um die Verbindung zur Regionalbahn zu schaffen. Die blaue Strecke soll Fischbach, Ruppertshain und Eppenhain anbinden, Rot erschließt Hornau, Grün Kelkheim-Mitte und den nördlichen Teil von Münster. Angefahren werden auch Bereiche, die bisher von den Bussen nicht tangiert werden. So soll es ein Angebot der kurzen Wege sein. Geplant sind Fahrten in einem 30-Minuten-Takt mit kleinen Wagen für bis zu 13 Personen. Die Linien Grün und Rot wären um die 20 Minuten unterwegs, Blau in die „Berge“ insgesamt 50. Bei vier Fahrzeugen und Touren zunächst nur unter der Woche von 7 bis 20 Uhr kommen die Planer auf Kosten von rund 760 000 Euro im Jahr. Beträge für W-Lan oder zusätzliche Fahrgastzählungen kämen noch oben drauf. Zudem sollten die Fachleute prüfen, ob der Stadtbus auch die MTK-Kliniken in Bad Soden anbinden kann. Das geh nur auf Kosten des 30-Minuten-Taktes, wenn es bei vier Fahrzeugen bleiben soll. Es würden dann die Linien Rot und Grün kombiniert, bei Mehrkosten von 6000 Euro. Der Fahrpreis richtet sich nach den Tarifen als Teil des MTV-Netzes.

Umbau im Bahnhof Kelkheim notwendig

Letztlich müssten noch Synergieeffekte geprüft werden, so Hartmann. Ein kleiner Stadtbus könne aber keinen Schulbus ersetzen. Auch müsste die Haltestelle am Kelkheimer Bahnhof erweitert werden - was die Stadt als großes Gesamtprojekt ja schon einige Zeit im Blick hat. Auf Salmons Nachfrage, ob auch der Bad Sodener Bahnhof mit S-Bahn-Anschluss angebunden werden könnte, verwies Hartmann aber auf fehlende Platz-Kapazitäten.

Auch interessant

Kommentare