Oliver (links) und Thomas Zimmer auf der neuen Reifenrutsche im "Halli Galli"-Park.
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Oliver (links) und Thomas Zimmer auf der neuen Reifenrutsche im "Halli Galli"-Park.

Hallen-Spielpark Halli-Galli:

Kelkheim: Mit Rutschreifen und Rollbrettern aus der Krise

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Corona beutelt Firma sehr - neue Sportart Mountainboarding soll populär gemacht werden mit Verleih.

Münster. Eigentlich war Thomas Zimmer Kite-Surfer, zog also mit dem Drachen und dem Brett im Wasser seine Bahnen. Da kam dem jungen Mann die Sportartikel-Messe Ispo in München Ende der 1990er Jahre gerade recht. Dort blieb er am Stand eines "verrückten Erfinders" hängen, der Bretter auf Rollen verkaufte. Kein Skateboard, welche mit größeren Luftreifen. Zimmer kaufte ein Board, nutzte es zum Kiten an Land. Dass er hier das Gerät einer noch jungen Sportart erworben hatte, wusste er damals noch nicht.

Heute, mehr als 20 Jahre später, kann Zimmer sagen: Das Brett mit dem großen Rollen ist für das Mountainboarding gedacht. Eine Disziplin, die ein Schattendasein fristet, in der aber der heute 45-Jährige Pionierarbeit geleistet hat. Das möchte er nun in Kelkheim fortsetzen: Mit seinem Bruder Oliver führt er den Hallen-Spielpark "Halli Galli" an der Lorsbacher Straße. Dort können sich Interessenten nun erstmals in der Region Bretter fürs Mountainboarding ausleihen, werden von einem Guide mit der Sache vertraut gemacht. Das ganze Gebiet im Taunus mit steilen und flachen Hängen sei "prädestiniert" für diese Sportart, weiß er. Viele hielten das für einen Extremsport. Natürlich sei "ein bisschen sportliche Fitness" nötig, aber Zimmer betont: "Im Grunde kann es jeder." Es geht darum, auf dem "Rollbrett" einen Hang herunter zu fahren. Dabei sind die Füße festgeschnallt. "Das ist wie Snowboarden im Sommer."

Warum das Mountainboarding zwar mehr als zwei Jahrzehnte alt ist, sich aber nie etablieren konnte - darüber rätselt der Mann der ersten Stunden. Zimmer nahm erstmals in Thüringen an einem Rennen teil. Den Berg runter, mit Schlepplift hoch - "das ist total verrückt", erinnert er sich. "Es hat mich gleich gepackt."

Mehr noch: Zimmer organisierte eigene Camps und Kurse in der neuen Disziplin. Mit einem Freund hatte er damals Surf- und Longboards gebaut, nun kamen die Berg-Bretter hinzu. Eine eigene Marke "Hero-Boarding" gab es, die später verkauft wurde. Vor allem in Willingen organisierte Zimmer mit Freunden erste Rennen, später sogar Deutsche Meisterschaften. Das führte zur Gründung eines eigenen Verbandes, wo der Kelkheimer Unternehmer als treibende Kraft mitwirkte: der All Terrain Boarding Association. "Das machen jetzt die Jüngeren", sagt der Familienvater, der auch seinen Bruder für diese Disziplin begeistern konnte. Nun aber sieht er durchaus Chancen für eine Renaissance beim Mountainboarding. Für den Anfang reichen Waldwege oder bestehende Trails der Mountainbiker. Am Feldberg gebe es zwei legalisierte Strecken. Aber warum nicht mehr machen? Zimmer denkt laut darüber nach, im Taunus könnten ja die alten Schlepplifte im Sommer dafür aktiviert werden. So etwas gebe es bereits im Schwarzwald mit einer eigenen Strecke für Mountainbiker und Boarder. "Die Winter werden kürzer, jetzt werden sie alle wach", sieht der "Halli Galli"-Chef hier schon Potenzial.

Verleih in Münster, gute Wege im Taunus

Denn der Einstieg ist so schwer nicht. Ein Board gibt es in Kelkheim zur Leihe. Handschuhe und ein Helm sollten ein Muss sein, dazu gerade für Neulinge noch Knie- und Ellbogenschützer. Und schon kann es losgehen. "Man muss es ja nicht gleich krachen lassen", findet Zimmer.

Die Szene in Deutschland schätzt er vielleicht auf 2000 Leute. Bei Rennen seien immer wenige hundert dabei. So etwas mal im Taunus zu etablieren - "das wäre eine coole Aktion" sagt Zimmer über einen Traum, an dessen Umsetzung er mit dem Schwung eines Mountainboarders nun arbeiten möchte.

Thomas und Oliver Zimmer vom Hallen-Spielpark "Halli Galli" bieten in ihrem Verleih neben den inzwischen zwölf E-Bikes nun auch Mountainboards an. Das sei ein schöne Nebensache. Denn das Herzstück ist das Spielparadies im ehemaligen Hallenbad. An den besten Tagen haben sich hier mehr als 400 Kinder gleichzeitig getummelt, in den besten Jahren kamen bis zu 100 000 Besucher.

Diese Zeiten sind vorbei. Die Corona-Krise hat das Freizeitunternehmen schwer getroffen. "Das ist ein hartes Stück Brot, das wir schlucken müssen", betont Oliver Zimmer. Mehr als drei Monate war der Spielpark geschlossen. Dann gab es eingeschränkte Öffnungszeiten von Donnerstag bis Sonntag mit 100 Gästen. Inzwischen sind 250 Besucher an sieben Tagen möglich. Die Brüder merken schon, dass sich die Öffnung herumspricht. Allerdings seien die Familien weiter verhalten, machten sich noch Sorgen.

Da geht es den Betreibern nicht anders. In den vergangenen zwei Monaten sei der Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent eingebrochen, von März bis Mai, Teil der Hauptsaison, lief nichts. Nun, wenn es draußen kälter wird, beginnt die wichtige Phase. Deshalb sagt Oliver Zimmer: "Jetzt muss etwas passieren." Das Unternehmen betreibt zudem den Kiosk im Kelkheimer Freibad. Doch auch hier war die Saison deutlich kürzer, der Andrang eher verhalten. Das Marktplatz-Open-Air, wo sie das Catering mitmachen, fiel 2020 ins Wasser.

Stadt stundet Pacht, mehr wohl nicht drin

Unterstützung haben die Unternehmer von der Stadt bekommen. Die Miete wurde vorerst bis Jahresende gestundet. Die Zimmers haben angefragt, die Zahlungen nicht mehr leisten zu müssen. "Das kann ich so nicht umsetzen", sagt aber Bürgermeister Albrecht Kündiger zur Gleichbehandlung vielen Pächter kommunaler Immobilien vom Rettershof übers Bürgerhaus Fischbach bis zum Alten Rathaus Münster. Er könne die Wünsche nachvollziehen. Das "Halli Galli" werde sehr gut geführt. Kündiger hebt das große Interesse an einer "weiteren Zusammenarbeit hervor".

Im "Halli Galli" erhoffen sich die Zimmers vielleicht einen Kompromiss. Sie haben Staatshilfen beantragt, die anfangs schnell kamen, kurz geholfen hätten. Natürlich gibt es Kurzarbeit, auch der Chefs. Andere Dinge, wie die Reinigungen, würden selbst gemacht. Als der Spielpark geschlossen war, "haben wir nicht still rumgesessen", betont Thomas Zimmer. So hat die Familie eine lustige Kletterwand neu gebaut. So wie sie viele ihrer Elemente selbst kreativ gestaltet. Ein paar neue Automaten gibt es, der Eingangsbereich wurde verbessert.

"Wir haben investiert", macht Zimmer (45) deutlich. "Da steckt auf jeden Fall viel Herzblut drin", ergänzt sein sieben Jahre jüngerer Bruder. Über ihren Vater Hans sind beide in die Freizeitbranche reingewachsen, sie hatten mal zwei weitere Spielparks im "My Zeil" in Frankfurt und in Alsfeld. Nun kämpfen sie dafür, dass es mit dem Kelkheimer Haus nach harten Zeiten aufwärts geht.

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