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Der umstrittene Besuchs-Container in der Seniorenresidenz.

Protest im Altenwohnheim

Kelkheim: Senioren sammeln Unterschriften gegen Container

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Box für Besuche im Pflegeheim sorgt für Unmut.

Kelkheim -Nach den bundesweiten Lockerungen müssen auch Pflegeheime wieder Besuche von einem Angehörigen ermöglichen. Der Konzern der K & S-Seniorenresidenzen hat dazu eine besondere Regelung getroffen, die auch am Standort in der Neuen Stadtmitte umgesetzt wird: Laut Heimleiterin Gabriele August sollen die Besucher eben nicht durch das ganze Haus spazieren, um zu einem Gästeraum zu kommen. In den anderen Residenzen werde die Lösung oft zum Beispiel durch eine Terrassen- oder Seiten-Tür geregelt. In Kelkheim aber sei das durch die Lage im ersten und zweiten Stock nicht möglich.

So gilt jetzt eine Regelung, die Unmut bei den Bewohnern im Bereich "Wohnen mit Service" ausgelöst hat. Dort gibt es einen Innenhof, den die noch recht agilen Mieter der insgesamt 40 Wohnungen gerne nutzen. Darin wurde am Freitag ein nicht wirklich großer Besuchs-Container aufgestellt, berichtet Gabriele August.

Die Mieter aber haben dagegen mobil gemacht - letztlich ohne Erfolg. Sie haben sogar Unterschriften gesammelt, immerhin 25 von 40 Personen haben ihren Namen darunter gesetzt. Die allermeisten Bewohner stünden hinter der Aktion, betont ein Bewohner, der die Initiative gestartet hat, aber nicht mit seinem Namen in der Zeitung auftauchen möchte. Auch seine und weitere Angehörige halten diese Besuchsregelung im Bereich "Wohnen mit Service" für bedenklich. Auf der Unterschriftenliste bitten sie "die Residenzleitung, unverzüglich eine andere Raumalternative zu schaffen, um den Bewohnern des Pflegeheims schnellstmöglich Besuche von Angehörigen zu ermöglichen". Der Initiator hat zudem an die Heimleitung geschrieben: "Ich begrüße es ausdrücklich, dass nun endlich eine solche Gelegenheit geschaffen werden soll, nachdem die Bewohnerinnen und Bewohner des Pflegeheims, bedingt durch das Auftreten des Coronavirus, bedauerlicherweise wochenlang auf Besuche verzichten mussten." Doch den Container hält er "für nicht praktikabel und für mich nicht hinnehmbar". Eine solche Möglichkeit müsse "zwingend innerhalb des Gebäudes, in dem die Pflegebedürftigen wohnen, untergebracht werden". Alternativen hätte es seiner Ansicht nach gegeben. Nun "müssten die Pflegebedürftigen bei schlechtem Wetter den Hin- und Rückweg zum Container ungeschützt durchqueren". Zudem werde "der bisher ruhige Innenhof durch das Kommen und Gehen von Besuchern nicht mehr als Ruhebereich für die Mieter verfügbar sein".

Innenhof ist nutzbar für alle

Nach der Versendung der Unterschriften hat der Senior eine Antwort aus der K & S-Zentrale erhalten. Es wird darin "erneut und herzlich um Verständnis" für die Maßnahme gebeten. Leiterin Gabriele August betont, der Innenhof werde nicht explizit für den Bereich "Wohnen mit Service" vorgehalten, sei auch nicht Bestandteil der Mietverträge - und somit nutzbar für alle. Sie gehe nicht von sehr vielen Besuchen aus, die auf Montag bis Freitag beschränkt seien, zudem gebe es eine Mittagspause. Das Haus habe schon vor diesem Thema "alle Vorkehrungen getroffen", damit sich hier kein Bewohner infiziere. Das werde auch mit der neuen Regelung passieren. Besucher, Bewohner und Mitarbeiter tragen Mundschutz. Es sei ja kein Kommen und Gehen. Zudem liege der Innenhof an der frischen Luft, kann August den Protest der Bewohner nicht verstehen. wein

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