Imposant auf dem Eppenhainer Atzelberg in rund 500 Metern Höhe thronend: der alte Atzelbergturm (links) vor dem Brand und Abriss. Rechts daneben ist der mächtige Funkturm zu sehen.
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Imposant auf dem Eppenhainer Atzelberg in rund 500 Metern Höhe thronend: der alte Atzelbergturm (links) vor dem Brand und Abriss. Rechts daneben ist der mächtige Funkturm zu sehen.

Online-Petition gegen Entwurf gestartet

Kelkheim: Sicherheitsbedenken bei Neubau des Atzelbergturms

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Es regt sich Widerstand gegen den neuen Atzelbergturm. Eine Online-Petition soll den Bau noch stoppen. Die Ästhetik ist dabei nicht das Hauptargument. Es gibt gravierende Sicherheitsbedenken.

VON FRANK WEINER

Eppenhain -Es ist interessant, was Sonja Thomsen da öffentlich schreibt. Sie hat eine Online-Petition gegen den Bau des Eppenhainer Atzelbergturms in seiner geplanten Form gestartet und teilt auf der Webseite mit: "Nach kürzlicher Rücksprache mit der Stadt Kelkheim soll es, nach Einreichung ausreichend vieler Gegenstimmen, eine zweite und auch letzte Bürgeranhörung und eine neue Stadtverordnetenversammlung für den Turm geben." Aktuell haben etwa 240 Menschen unterzeichnet, 550 wären für ein Quorum nötig. Bis zum 14. April können noch Stimmen abgegeben werden.

Bei Bürgermeister Albrecht Kündiger hört sich das anders an. Es seien "Beschlüsse gefasst und Aufträge vergeben", sagt er. Es habe eine Bürgerversammlung mit fast keiner kritischen Stimme gegeben. Daher geht er nicht davon aus, dass sich an der Planung noch etwas ändern wird. Dafür seien schließlich ja bereits Planungsgelder ausgegeben worden. Kündiger würde höchstens die Notbremse ziehen, "wenn die ganze Eppenhainer Bevölkerung sagt, sie wolle das nicht". Aber davon geht er nicht aus.

Offiziell trägt die Petition den sperrigen Titel "Atzelberg-Rakete - oder neuer Aussichtsturm, der zu unserem Eppenhain passt?" Da wird deutlich: Die Ästhetik spielt eine Rolle, nicht allen Bürgern gefällt der Entwurf des Kelkheimer Architekten Detlef Schreiber, der eine 27 Meter hohe Stahlkonstruktion mit Röhre in der Mitte vorsieht. Auch werde das Ortsbild so gestört, heißt es.

Doch längst geht es Thomsen und anderen Gruppen um mehr. Die Petition (unter: https://www.openpetition.de/petition/online/letzte-chance-zur-mitsprache-fuer-unseren-neuen-atzelbergturm-2 ) fordert eine Überprüfung des aktuellen Entwurfs auf Sicherheit, Begehbarkeit des Turms (von Besuchern aller Altersgruppen), Bergungsmöglichkeiten von verletzten Besuchern, Flucht- und Rettungswege im Brandfall. Thomsen wünscht sich eine größere Entwurfsauswahl, etwa im großen Stil über einen Architektenwettbewerb.

Sicherheitsbedenken werden laut

Und sie fordert eine schriftliche Erklärung der Stadt, dass in Zukunft keine Sendeantennen oder Ähnliches dort oben montiert werden. Für sie bedeutet das als Konsequenz: "Eine Baubeginn-Verschiebung des Turms scheint also aus vielen Gründen unerlässlich: Corona, Sicherheit, Wettbewerb, Planung und Kostenanalyse, Genehmigung." Dabei ist das Projekt beschlossene Sache. Das Parlament hat grünes Licht gegeben für den Wiederaufbau nach Schreibers Entwurf und die Kosten von rund 600 000 Euro. Der Bürgermeister verweist dagegen auf den Turm als Sonderbauwerk und die Überprüfung der Bauaufsicht gerade zu den Rettungswegen. Aktuell liegt der Bauantrag beim Main-Taunus-Kreis. Der Architekt habe ja bereits bei der Planung nachgebessert, die Treppenstufen etwas breiter gemacht und den Handlauf ein bisschen anders gestaltet, so Kündiger. Bei Problemen mit der Bergung könnte auch die Drehleiter der Feuerwehr eingesetzt werden.

Doch der Widerstand wird schon etwas lauter. Das hat Thomsen bei ihrer Petition festgestellt. Sie hätte sich zwar mehr Namen auf der Liste gewünscht - weiß aber, dass dort ganze Familien dahinterstünden. Zudem hat sie nun namhafte Unterstützung aus dem Nachbar-"Bergdorf" erhalten. Der Verein "Stimme für Ruppertshain" sammelt Unterschriften im Stadtteil, hat sogar Listen öffentlich ausgelegt. Für deren Vorsitzenden Thomas Zellhofer spielt die Ästhetik keine Rolle. Es gehe vielmehr um die Sicherheit, die auch ein Ingenieur im Vorstand des Vereins infrage stelle. Türme mit Wendeltreppen seien nicht mehr zeitgemäß, vielmehr Treppen im Viereck mit Zwischenpodesten das Maß der Dinge. Zellhofer fragt: Wie soll bei einer nur einen Meter engen Wendeltreppe ein Verletzter über eine Trage geborgen werden?

Sonja Thomsen erinnert noch an Entwürfe vor dem ersten Wiederaufbau des Turms von der Technischen Hochschule Aachen. "Leider haben wir in 2012 dann ja doch aus Kostengründen wieder exakt denselben Turm in Holz bekommen wie zuvor." Ihr Vorschlag: Der Name "Atzel" leitet sich schließlich von Elster ab. Also warum nicht den Besuchern oben eine Art Nest schaffen?

So könnte der von Architekt Detlef Schreiber entworfene Neubau aus Stahl aussehen.

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