Annette Vankov (links) und Beate Matuschek vom Kulturamt mit alten Plakaten.
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Annette Vankov (links) und Beate Matuschek vom Kulturamt mit alten Plakaten.

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Kelkheim: Sie brennen seit 25 Jahren für diese Aufgabe

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Kultursommer darf Jubiläum feiern.

Kelkheim. Beate Matuschek und Annette Vankov bilden seit gut einem Vierteljahrhundert das Kultur-Tandem im Rathaus. Die Damen managen das vielfältige Programm. "Man muss schon brennen für seine Aufgabe", sagt Kulturamtsleiterin Matuschek. Es sei wichtig, begeistert von diesen Dingen zu sein und den Kelkheimern immer ein gutes Programm bieten zu wollen, ergänzt Vankov.

So hat sich das Duo in sein aktuelles Projekt reingefuchst. Weil Corona die Planungen erschwert (Text rechts), nimmt die historische Arbeit mehr Raum ein. Vankov und Matuschuk haben in den Annalen des Kultursommers gestöbert und festgestellt, dass ein Jubiläum ansteht: Seit einem Vierteljahrhundert gibt es die Reihe. Bei der Sichtung waren sie selbst "überrascht" über die Vielfalt der Veranstaltungen. So manche Jahreszahl hätten sie anders in Erinnerung gehabt, so manche Anekdote haben sie ausgegraben.

Fakt ist, dass es einen Vorläufer schon 1995 gegeben hat, ein "Fest der Gaukler und Spielleute" am Rettershof. So etwas hatte Matuschek bei ihrer ersten Arbeitsstelle im Rheinischen Museumsamt der Abtei Brauweiler bei Köln im Museum Bensberg organisiert. In dieser Funktion hatte sie ein Klassikfest in der Abtei entwickelt. Also hielt die Klassik vor 25 Jahren auch erstmals Einzug in den Fischbacher Gutshof. Es gab ein "Mozart-Open-Air" in Zusammenarbeit mit Friedrich E. Rosenberg von der Kulturgemeinde. Den ersten Flyer zur Kulturreihe am Rettershof gab es 1997. Da war auch der Kelkheimer Lokalmatador und Pianist Christoph Soldan zu Gast. Die alte Bühne aber drohte zusammenzubrechen, als sein Flügel auf die Bretter geschoben wurde, erinnert sich Matuschek. Handys gab es damals noch nicht, die Kulturchefin erreichte Werner Kalig vom Bauhof in Fischbach, der sofort anrückte und die wackelige Bühne verstärkte - das alles kurz vor Einlass. "Das war ein wackeliger, nervenaufreibender Start", sagt Matuschek heute.

"Wir haben immer dazu gelernt"

In den folgenden Jahren lief aber meist alles glatt. Da die Stadt zunächst wenig Geld hatte und vor allem heimische Künstler unterstützt werden sollten, wurden bekannte Stars noch nicht verpflichtet. Doch neben Soldan, Thomas Duis und Gerhard Singer hat sich vor allem Paulus Christmann später einen Namen überregional gemacht. Er habe auch beim Aufbau bei Bedarf mal spontan angepackt, weiß Matuschek.

Der Kultursommer entwickelte sich. Eine professionelle Bühne mit Überdachung wurde angeschafft, die Kelkheimer Firma W & S, 2020 bereits 25 Jahre alt, übernahm professionell die Licht- und Tontechnik. Der Fokus lag zeitweise auf Themenkonzerten. "Wir haben immer dazu gelernt", sagen Matuschek und Vankov. Auch beim Thema Wetter. Die Stadthalle war der Ausweichort bei Regen, für das Rheingau-Musik-Festival die Reithalle am Rettershof. Die Vorhersagen lässt sich die Stadt längst professionell geben, um nicht ins Wasser zu fallen. Bei einer der Kooperationen von 2001 bis 2004 mit dem Johann-Strauß-Orchester/Frankfurter Sinfonikern zog der Tross in die Stadthalle. Bürgermeister Thomas Horn wollte zurück zum Gutshof, doch Dirigent Günther Gräf bremste ihn aus. Es war die richtige Entscheidung, denn am Abend regnete und hagelte es.

Zur Klassik kam 1997 das Rheingau-Musikfestival hinzu. "Mit gleichbleibender Resonanz", so Matuschek, seien die Gastspiele längst Garanten im Programm und Kelkheim eine der wenigen Außenstellen jenseits vom Rheingau. In dem Jahr gab es auch den ersten "Tag des Liedes" mit den Kelkheimer Chören, der alle zwei Jahre bis zu 3000 Besucher lockt. 2022 ist dann der Jubiläums-Liedertag zu 25 Jahren geplant. Längst eine eigene Fangemeinde haben die Jazzmatinées am Rettershof, aber auch an anderen Orten wie dem Georg-Leber-Haus oder beim Dallesfest in Münster. Für Familien kam im Kultursommer 2006 und 2008 ein Mittelaltermarkt hinzu, ebenso später dann "Taschenkampenkonzerte" (2012/13). Die Kulturreihe endet jeweils mit dem Erntedank- und Handwerkerfest im Oktober. 1987 gab es bereits die Handwerkertage vom Förderkreis Handwerk, die dann mit dem Erntedankfest 2001 zusammengelegt wurden.

Wenn das Duo aus dem Kulturamt zurückblickt, denkt es auch an viele bekannte Namen, die zu Gast waren: Deborah Sasson, Gunter Emmerlich, Walter Renneisen, Helen Schneider, Julia Neigel, Max Mutzke, Stefan Gwildis, René Kollo, Willi Astor, Anna-Maria Kaufmann, Konstantin Wecker, Klaus Lage, Eva Lind, Ute Lemper oder Laith Al-Deen. Andere Größen der Musikszene ließen es sich nicht nehmen, bei den von Bürgermeister Thomas Horn initiierten Rock- und Pop-Events nach Kelkheim zu kommen. Mit Partys der Radiosender, dem Gastspiel von Uriah Heep, den Klostertalern, Dieter Thomas Kuhn und als Höhepunkt 2001 Die Ärzte mit 12 500 Besuchern auf dem Schwimmbad-Gelände. 2005 startete die Reihe "Rock am Reis" in Hornau, hier waren unter anderem Ken Hensley und die Rodgau Monotones mit dabei.

Mit der Einweihung der neuen Stadtmitte 2010 wurde diese Reihe mit dem Freiluft-Kino kombiniert und das "Marktplatz Open Air" vom Kulturamt auf die Beine gestellt. Wichtigster Aspekt: Es ist ein Geschenk der Stadt an die Kelkheimer ganz ohne Eintritt. Filme und bevorzugt heimische Bands sorgen für die Mischung, die pro Abend bis zu 1000 Besucher auf den Platz lockt. Längst einen Platz im Kultursommer hat auch die Fischbacher Kerb mit viel Musik und ihrer etablierten Comedy-Nacht am Kerbemontag. "Wir sind überrascht", sagen Matuschek und Vankov im Rückblick über die Qualität und Quantität in 25 Jahren Kultursommer, den sie auch 2021 trotz Corona in einer machbaren Form präsentieren wollen. Ohne Sponsoren sei es trotz des Etats der Stadt nicht möglich, diese Künstler in die Möbelstadt zu holen. Wichtig sei letztlich die Bandbreite, um für jeden Geschmack in der Reihe etwas zu bieten.

Christoph Soldan im Jahr 1997.
Das Fest der Gaukler 1995.
2001: "Die Ärzte" am Freibad.

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