Das Team der Beratungsstelle (von links): Gunda Lenk, Ines Giglio, Katharina Bardenheier und Amtsleiterin Petra Mann.
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Das Team der Beratungsstelle (von links): Gunda Lenk, Ines Giglio, Katharina Bardenheier und Amtsleiterin Petra Mann.

Senioren:

Kelkheim: Sie sind jetzt Telefon-Seelsorger

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Corona verändert Arbeit der Beratungsstelle "Älter werden"- es gibt viele Impf-Hilfen.

Kelkheim. Telefonieren - das gehört derzeit mehr denn je zum Alltag der städtischen Seniorenberatungstelle "Älter werden in Kelkheim". Im Mittel liege der Erstkontakt am Hörer bei etwa 20 Minuten, berichtet das Team. Und so haben sie kein Problem damit, dieser Zeitung in einer kleinen Telefonkonferenz über die besonderen Herausforderungen in der Corona-Zeit zu berichten. Mit nicht mal 30 Minuten lag das Gespräch am Ende auch nur knapp über ihrem Durchschnitt.

Seit 2012 gibt es die Beratungsstelle im Kelkheimer Rathaus. Sie habe sich "absolut bewährt", betont Petra Mann, die Leiterin des Amtes für Soziales. Die Gesellschaft werde älter, der Wunsch der Menschen, so lange wie möglich zu Hause zu bleiben, größer. Hier setze die städtische Hilfe an. Und sie wurde ausgebaut, von einer Stelle zu Beginn inzwischen mit noch einer halben Kraft mehr. Finanziell beteiligt sich der Main-Taunus-Kreis am Projekt. Ein weiterer Ausbau sei kein Thema, auch nicht wegen der aktuellen Herausforderungen in der Corona-Zeit, berichtet Mann: "Wir bekommen das so ganz gut hin."

Zumal die Beratungsstelle ja doch Verstärkung bekommen hat. Gunda Lenk und Ines Giglio haben bisher das Tandem gebildet. Weil bei ihnen Stunden frei wurden, hat die Stadt mit Katharina Bardenheier seit dem 1. Februar eine dritte Kraft hinzugenommen. Sie hatte schon bei der Nachbarschaftshilfe mitgemacht, kannte also das Gefüge in der Beratungsstelle bereits.

Aus Vorsicht zurückgezogen

"Seit Corona hat sich unsere Arbeit komplett geändert", fasst Petra Mann die allgemeine Lage zusammen. Denn die Klientel, das seien ja Menschen, "die sehr gefährdet sind". Für die älteren, gerade alleinstehenden Senioren sei das Virus mit vielen Fragen verbunden, weiß Ines Giglio. Einige hätten sich aus Vorsicht mehr zurückgezogen. Die Beratungsstelle versuche, mit pro-aktiven Telefonaten den Kontakt zu halten, Sorgen zu nehmen. Wichtig sei es, "ein besseres Verständnis für das Virus" zu schaffen, ergänzt Gunda Lenk. Den Menschen Ängste zu nehmen. Das sei früher bei anderen Themen durch persönliche, aufsuchende Seniorenarbeit besser möglich gewesen. Nun falle sie weg. "Das ist schwierig, weil die Menschen den persönlichen Kontakt brauchen", betont Giglio.

Auch inhaltlich habe sich durch Corona einiges getan. So fallen für Senioren Entlastungsangebote in der Pflege weg, was neue Probleme bringe. Fragen zur ambulanten Versorgung, zu Finanzierungen, zur Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung seien mit Sorge um die eigenen Gesundheit noch brennender geworden, weiß das Trio. Und so betreiben sie derzeit am Telefon auch mehr Aktivitäten in Richtung Seelsorge als bisher.

Deutlich mehr Erstkontakte

Zum Vergleich: Im Januar 2020 hat die Beratungsstelle 11 Erstkontakte mit Kelkheimer Senioren am Telefonhörer gezählt, genau ein Jahr später waren es 55. Allerdings spielt hier das derzeit wichtigste Thema die Hauptrolle: das Impfen. Die Beratungsstelle hat den großen Bedarf früh erkannt und einen Service für Senioren initiiert. Viele Helfer sind an Bord, um den Menschen Fahrten zu den Impfzentren oder auch Unterstützung bei der Terminvergabe anzubieten. Wichtig sei, das "engmaschig" zu begleiten, betont Sozialamts-Leiterin Mann. Also wird zum Beispiel genau geschaut, ob die Person bei der Fahrt zum Impfen alles dabei hat, und auch im Zentrum Hilfestellung bei Bedarf gegeben.

Schon beim ersten Lockdown war die Beratungstelle aktiv, hat dort die Nachbarschaftshilfe organisiert. Damals hätten sich fast 80 Ehrenamtler gemeldet, ist Gunda Lenk begeistert. "Es ist überhaupt ein tolles Engagement, damit haben wir nicht gerechnet." Zumal ältere Menschen dabei seien, die selbst zur Risikogruppe zählen. "Und trotzdem sagen sie: ,Ja, wir setzen uns ein'." Bei der Nachbarschaftshilfe ist die Nachfrage moderat, rund 20 Personen werden regelmäßig betreut - etwa bei Botengängen oder Einkaufshilfen. Einige Helfer seien dabei geblieben, hinzu kamen bereits bekannte Ehrenamtler aus Gruppen wie den Senioren-Sicherheitsberatern, den "Heinzelmenschen" und dem Büro für bürgerschaftliches Engagement. So gibt es nun eine Mannschaft von 40 Aktiven, die beim Impf-Thema den Senioren zur Seite stehen könnten.

Vertrauensbasis mit Menschen schaffen

Wichtig sei es ja, eine Vertrauensbasis zu haben, sagt Petra Mann. Der aktuelle Stamm, "da können wir uns hundertprozentig drauf verlassen". Und sie guten Gewissens zu den vielen Senioren mit Bedarf schicken. Die Leiterin des Amtes für Soziales weiß: Die Arbeit in der Beratungsstelle werde sicher noch lange von Corona bestimmt.

"Manchmal hilft auch schon ein Gespräch, um Sorgen und Nöte klarer werden zu lassen. Haben Sie Vertrauen - rufen Sie uns an", hat die Beratungstelle zuletzt auch offiziell für ihre Arbeit geworben. "Wir helfen Ihnen dabei, dass Sie trotz Einschränkungen durch Alter, Krankheit oder Behinderung solange wie möglich selbstbestimmt leben können." Neben Informationen, Beratung, Hilfen bei Behördenangelegenheiten, Vermittlung ambulanter und stationärer Hilfen sind kleinere Hilfestellungen der "Heinzelmenschen" möglich.

Sprechzeit und Kontakt

Die derzeit telefonischen Sprechstunden sind montags von 9 bis 12 Uhr, mittwochs von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 16 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung. Kontakt unter (0 61 95) 8 03-8 20 oder per Mail an gunda.lenk@kelkheim.de .

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