Im Plenarsaal präsentieren sich die Kandidaten für die Ausländerbeiratswahl um Mafalda Pinto-Schneider (3. v. r.) am 14. März.
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Im Plenarsaal präsentieren sich die Kandidaten für die Ausländerbeiratswahl um Mafalda Pinto-Schneider (3. v. r.) am 14. März.

Ausländerbeirat:

Kelkheim: Sie wollen allen Kulturen eine Stimme geben

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Liste präsentiert sechs Neulinge und insgesamt zwölf Kandidaten für sieben Plätze.

Kelkheim -Als Harpreet Kaur vor neun Jahren mit ihrer Familie von Indien nach Deutschland kam, habe es wegen der Sprache und der Herkunft schon viele Schwierigkeiten in der Schule gegeben. Auch ihre Eltern "wussten nicht so viel, wie die Welt hier funktioniert", berichtet die heute 18-Jährige. Ein ganz einfaches Beispiel: Elternabende in der Schule kannten sie aus Indien nicht. Die Tochter musste helfen. Auch jetzt unterstützt sie ihre drei jüngeren Geschwister. Rassismus in der Schule sei damals wie heute schon immer mal wieder Thema gewesen, bedauert die selbstbewusste Schülerin.

Nötig war viel Überzeugungsarbeit

Die junge Frau aus Hornau möchte sich nicht nur in der Familie engagieren. Sie ist eine von zwölf Kandidaten für die Ausländerbeiratswahl am 14. März. In Kelkheim gibt es eine Gruppe, die Internationale Solidarische Liste (ISL). Hier kann die Stadt froh sein, denn in anderen Orten in direkter Nachbarschaft gibt es gar keine Listen - und damit künftig auch keinen Ausländerbeirat mehr. Etwa in Liederbach, Schwalbach und Sulzbach. "Sehr schade" findet das Mafalda Pinto-Schneider. Sie ist die aktuelle Vorsitzende des Gremiums in der Möbelstadt, steht wieder auf Platz 1 der Liste und engagiert sich auch für die Fraktion der UKW im Stadtparlament. Sie ist ein Motor der Integrationsarbeit in der Stadt und erleichtert, dass es in Kelkheim weitergeht und die Menschen bei zwölf Kandidaten und sieben Mandaten sogar eine sehr gute Wahl haben. "Da waren viele Gespräche und viel Überzeugungsarbeit nötig", blickt Pinto-Schneider zurück. Nun seien sechs Neulinge und sechs bekannte Namen dabei. "Das ist echt gut, eine tolle ausgewogene Mischung", findet die Vorsitzende. Diese Mannschaft hat einen Film gedreht, in dem sie sich vorstellt und ist jetzt auch über Facebook zu erreichen.

Denn das Ziel von Pinto-Schneider und Co. ist es, die Wahlbeteiligung trotz Corona deutlich zu steigern. Im November 2015, bei der letzten Wahl für den Ausländerbeirat, lag sie nur bei 5,77 Prozent. Ein Vorteil sind jetzt allerdings die zeitgleiche Bürgermeister- und Kommunalwahl, das steigert die Aufmerksamkeit. Die Zusammenlegung mit der Kommunalwahl war von der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Hessen auf den Weg gebracht worden. Sollte es, wie in Liederbach, keine Ausländerbeiräte mehr in den Kommunen geben, müssen Integrationskommissionen gebildet werden.

18-Jährige will sich für Schüler einsetzen

In Kelkheim wird das Team an den Start gehen. Harpreet Kaur hofft, mit dabei zu sein. Sie ist mit 18 Jahren die Jüngste im Bunde, geht in die Oberstufe des Friedrich-Dessauer-Gymnasiums in Höchst, spielt Flagfootball, gibt Nachhilfe und will nun ehrenamtlich Integrationsarbeit leisten. Sie habe vom Ausländerbeirat nichts gewusst, bis Pinto-Schneider sie angesprochen habe. Das sei eine "interessante" Aufgabe. Sie wolle sich im Falle einer Wahl vor allem gegen Mobbing und für die Integration an Schulen sowie für Eltern-Deutschkurse stark machen. Und wirbt für eine gute Wahlbeteiligung, denn das sei eine Chance mitzubestimmen.

Der Ausländerbeirat setzt sich aus Mitgliedern zusammen, die alle fünf Jahre gewählt werden. Wichtige Themen seien die Verbesserung der Lebenssituation von Migranten und die Gleichstellung von Einheimischen und Zugewanderten in Kelkheim, betont Pinto-Schneider. "Der Ausländerbeirat setzt sich für Integration ohne Aufgabe der eigenen Identität ein, betreibt lokale Antidiskriminierungspolitik, setzt sich für Respekt und Zivilcourage ein und engagiert sich gegen Rechtsextremismus und Rassismus." Sie könnte sich etwa konkret vorstellen, nach der Wahl die Kontakte in die Schulen und Kindergärten zu intensivieren.

Die ISL, die Internationale Solidarische Liste, mit Platz 1 bis 12: Mafalda Pinto-Schneider (Chile), Salomé Korschinowski (Eritrea), Georgios Karantaglis (Griechenland), Yasemin Ünver (Türkei), Mulugheta Andeberhan (Eritrea), Jamal Eddine Mobarraa (Marokko), Afshin Aghaee (Iran), Azadeh Akbari (Afghanistan), Harpreet Kaur (Indien), Virginia Caneo Barrera (Chile), Lemlem Solomon Gebregjörgies (Eritrea), Willy Titze (Frankreich).

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