Der "Hopper" ist ein Beispiel für einen On-Demand-Bus.
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Der "Hopper" ist ein Beispiel für einen On-Demand-Bus.

Verkehr:

Kelkheim: Stadt interessiert an Fahrten auf Bestellung

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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On-Demand-Projekt wurde im Ausschuss vorgestellt.

Kelkheim. "Der kleine Bus, der immer kann: Mit dem Hopper schnell und flexibel zum Wunschziel." So wirbt die Kreisverkehrsgesellschaft Offenbach für ein Fahrzeug, das in Hainburg, Mainhausen und Seligenstadt auf Abruf die Fahrgäste von A nach B bringt. In Berlin gibt es den "Berlkönig", für dessen Fahrten die Schauspielerfamilie Ochsenknecht Werbung macht. Beide Angebote haben gemeinsam: Der Fahrgast kann den Wagen über eine App buchen und sich zu einem Wunschort bringen lassen.

Inzwischen sind solche Aktivitäten als "On Demand Mobilität" bekannt. Noch ist der Kreis ein weißer Fleck. Es gibt zwar private Anbieter, öffentlich sonst nur die Anruf- oder Anschluss-Sammeltaxis. Die Kelkheimer CDU möchte das ändern, hat im Februar den Antrag zur Prüfung flexibler Mobilitätsmodelle gestellt. Nach dem Beschluss des Parlaments hat die Verwaltung nun Roland Schmidt, Geschäftsführer der Main-Taunus-Verkehrsgesellschaft (MTV), in den Verkehrausschuss eingeladen. Auch einen UKW-Antrag gibt es inzwischen dazu. Natürlich sei "On Demand Mobilität" auch in Kelkheim möglich, so Schmidt. Da aber erst Hofheim Teil eines Modellprojektes in der Region ist, gelte es, diese Erfahrungen abzuwarten. Möglicherweise 2022/23 könnte ein Versuch in der Möbelstadt Sinn ergeben.

Wartezeiten von rund 15 Minuten

Dass diese Form der Beförderung als Ergänzung zum Öffentlichen Personennahverkehr sinnvoll sein kann, daran lässt der MTV-Chef keinen Zweifel. Es gehe um die "letzte Meile" des Transports. Wenn etwa ein Gast abends von Frankfurt mit der S-Bahn nach Hofheim fährt, aber noch nach Diedenbergen oder Wildsachsen muss. Schmidt geht nach den bisherigen Erfahrungen von einer Wartezeit von rund 15 Minuten aus. Der große Unterschied zum Taxi: Hier hat der Besteller vermutlich Mitfahrer, die Route muss nicht der direkte Weg sein. Dafür aber könnten mehr Orte angesteuert werden als die Bushaltestellen. Die Kosten könnten durch eine Mehrbelegung des Wagens niedrig gehalten werden, so Schmidt. Beim "Hopper" sind es 2,60 Euro plus 20 Cent pro Kilometer nach zwei gefahrenen Kilometer. Wer Bahnkarten hat, fährt günstiger. Der "Hopper" ist von 5.30 bis 1.30 Uhr im Einsatz.

Zuschuss von rund 300 000 Euro denkbar

In der Region wurde das Potenzial für diese Fahrten auf Bestellung erkannt und das "Frankfurt-Rhein-Verbundprojekt" gestartet. Zehn Kommunen und der Rhein-Main-Verkehrverbund sind im Boot. Hofheim ist für den MTK dabei, hier könnte es laut Schmidt nach den Osterferien 2021 losgehen. Die Beschlüsse des Parlaments und MTV-Aufsichtsrats sind da, bald soll der Betreiber vorgestellt werden. 8 Fahrzeuge, vor allem E-Wagen, sind vorgesehen, im Gesamtverbund sind es 181. Das Projekt hat ein Volumen von 130 Millionen Euro, 85 Millionen sind Fördergelder. Die Hofheimer müssten nach der ersten Kalkulation rund 200 000 Euro pro Jahr zuschießen, für das Sammeltaxi mit rund 25 000 Fahrten für etwa 60 000 Personen sind es derzeit gut 370 000 Euro, rechnet Schmidt vor. "Wir wollen ja aus diesen Piloten lernen und schauen, dass wir dieses Modell ausbauen können, im Main-Taunus-Kreis und verbundweit", macht er deutlich. Für Kelkheim macht er eine Vergleichsrechnung zu Hofheim ohne die Zuschüsse aus dem Projekt auf. Demnach wäre hier ein Jahreszuschuss von 300 000 Euro realistisch.

Die Stadt habe sich bemüht, in das Modell zu kommen, berichtet Bürgermeister Albrecht Kündiger noch. Doch da habe die Kreisstadt nun Vorrang gehabt. Die Politik will das Thema im Blick behalten und ist interessiert. "Wir hoffen, dass es für Kelkheim einen Unterschlupf gibt vor 2024", sagt Ausschuss-Chef Jürgen Sieb.

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