1. Startseite
  2. Region
  3. Main-Taunus
  4. Kelkheim

Kelkheim: Stadt muss um Erzieher in Spanien werben

Erstellt:

Von: Frank Weiner

Kommentare

Bei der Kinderbetreuung in Kelkheim gibt es massive Engpässe.
Bei der Kinderbetreuung in Kelkheim gibt es massive Engpässe. © picture alliance / dpa

Lösung für Personal-Notstand?

Kelkheim. "Es ist wirklich dramatisch", sagt Thomas Kirst. Er ist Vorsitzender des Kirchenvorstands der Evangelischen Stephanusgemeinde in Hornau und spricht ein Problem an, das viele Kindergärten nicht nur in der Möbelstadt haben. Es fehlt schlicht an Fachpersonal, weshalb auch die Einrichtung "Regenbogen" der Kirchengemeinde ihre Öffnungszeiten einschränken musste. Der Arbeitsmarkt sei "leergefegt", das habe die Hornauer "voll erwischt", so Kirst. Statt bis nachmittags um 16.30 Uhr werden die Kinder vier Stunden kürzer betreut. Zudem werden aktuell nicht alle Plätze in Kita und Krippe belegt, was eine Auflage der Jugendamtes sei.

Der Erziehermangel ist ein Thema landauf, landab. Doch in Kelkheim ist die Lage aktuell besonders knifflig. Denn auch Corona spielt in die personellen Engpässe hinein. Im vergangenen Winter hatte die Stadt ihre erste eigene Krippe für Kinder unter drei Jahren, das "Kükennest" in der Stadtmitte Süd, eröffnet. Nun ist seit vergangener Woche komplett geschlossen wegen zahlreicher Corona-Fälle, berichtet Bürgermeister Albrecht Kündiger. Er sei aber guter Hoffnung, dass von Montag an wieder geöffnet werden kann.

Krippe wegen Corona geschlossen

Die Pandemie sorgte hier zwar für die Schließung, doch das eigentliche Problem ist in allen Kindergärten eben der Erziehermangel. Die Stadt hat schon länger damit zu kämpfen, so mussten die Öffnungszeiten in der kommunalen Kita in Fischbach vom Nachmittag auf einen halben Tag eingeschränkt werden. Die Stadt sei als Träger kein Einzelfall, auch die konfessionellen oder privaten Einrichtungen haben oft Personalnot. Der eine Betreiber reduziere die Zeiten, der andere nehme weniger Kinder aktuell auf - es gebe einige Rezepte, dem zu begegnen, weiß Kündiger. Ihm sei es wichtig, dass möglichst alle Häuser zumindest den Vormittag abdecken, um den Familien wenigstens etwas Planungssicherheit im Beruf zu geben. Demnächst gibt es Gespräche mit den Trägern, wie die Lage zum kommenden Kindergartenjahr angegangen werden kann.

Doch die Stadt handele auch, wie er betont. Natürlich ist sie ebenso wie zum Beispiel die Stephanusgemeinde mit Anzeigen und anderer Werbung etwa im Internet präsent. Doch wenn es kaum einen Markt mehr gibt, ist das schwer. Nun will sich Kelkheim eine neue Quelle erschließen. Kündiger berichtet, dass die Stadt einen Kooperationsvertrag mit einer Firma plant, die ausländische Fachkräfte vermittelt.

Auch Hoffnung auf Flexibilität vom Land

Das Unternehmen habe sich der Verwaltung schon vorgestellt, sei seriös. Speziell hat Kelkheim Kräfte aus Spanien im Blick, die in "einigen Monaten" nach einer entsprechenden Vorbereitung - gerade sprachlich - hier anfangen könnten. Die Möbelstadt übernehme hier eine gewisse Vorreiterrolle, sagt Kündiger - Hofheim und Hattersheim seien bereits mit im Boot, andere MTK-Orte hätten Interesse. "Ich bin guter Dinge, dass es eine Chance bietet", sagt der Rathauschef.

Auf der anderen Seite müsse das Dauerthema der Bürgermeister-Dienstgespräche aber auch im Land noch einmal stärker angebracht werden, findet er. Ein hoher Personalschlüssel bei der Betreuung sei gut und wichtig - doch wenn deswegen Gruppen oder ganze Kitas geschlossen werden müssten, sei das nicht Sinn der Sache. Hier erhoffe er sich mehr Flexibilität und realistischere Vorgaben vom Gesetzgeber. Denn Kündiger betont: An den Räumen und Finanzen Kelkheims liege der Personalnotstand nicht.

Für die Stephanusgemeinde weiß Vorstand Kirst aber, dass die Kirche zum Beispiel beim Gehalt nicht die Spielräume habe. Es gibt nun wieder mal eine Bewerbung, auf der anderen Seite haben Kolleginnen Zeiten gekürzt, andere schieben Überstunden. "Es ist ein Teufelskreis", sagt Kirst. Und der Bürgermeister fügt noch an: "Wir brauchen Erzieher, müssen sie aber auch halten."

Auch interessant

Kommentare