Die Fahrt zum Impfzentrum kann auch die Stadt organisieren.
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Die Fahrt zum Impfzentrum kann auch die Stadt organisieren.

Pandemie:

Kelkheim: Städtische Beratungsstelle bietet Impf-Fahrdienste und Termin-Hilfen an

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Von besonderen Helfern und genervten Senioren.

Kelkheim. Kim Fischer ist Pilot. Doch maximal 30 Prozent Auslastung haben die Fluggesellschaften noch. Der Kelkheimer, der als Leichtathletik-Trainer bei der TuS Hornau und der SG Kelkheim aktiv ist, gehört zur Gruppe in der Kurzarbeit, deren Fluglizenzen ruhen. Also hat Fischer bei Bürgermeister Albrecht Kündiger angeklopft, ob er sich in dieser Zeit ehrenamtlich engagieren könne. Nach einer Idee im ökologischen Bereich, seien beide dann schnell auf das Thema Impfen gekommen. Und so ist Fischer nun einer der Initiatoren für die Unterstützung der Stadt in dieser Sache.

Über die Beratungsstelle "Älter werden in Kelkheim" ist ohnehin schon eine Nachbarschaftshilfe in Corona-Zeiten organisiert worden. Dafür gibt es bereits einige Unterstützer. Nun kommt die Impf-Hilfe hinzu. Laut Kündiger kann die vielfältig sein. Wichtig seien Fahrten zu den Impfzentren. Die Stadt wird für die Personen, die keine Möglichkeit haben, durch Familienangehörige, Freunde oder Nachbarn chauffiert zu werden, einen Fahrdienst einrichten. Die Beratungsstelle "Älter werden in Kelkheim" hilft auch bei der Organisation der Touren. Aktuell ist das Ziel die Frankfurter Festhalle, doch Mitte Februar sollte es der Kastengrund in Hattersheim sein.

Auch später Service zu Hause möglich

Zudem bietet sie Unterstützung bei der Anmeldung zu Terminen an. Denn vor allem Menschen über 80, die jetzt an der Reihe sind, haben nicht alle den Bezug zum Online-Prozedere. Sofern es aus gesundheitlichen Gründen nicht möglich sein sollte, das Impfzentrum zu besuchen, "wird zum späteren Zeitpunkt die Impfung zu Hause ermöglicht", mit separatem Anmeldeverfahren.

Kündiger betont: "Wir müssen auch sehen, dass das vernünftig, seriös und verantwortungsvoll organisiert wird." Hier hat die Stadt schon bekannte Helfer in ihren Reihen, denen die Senioren vertrauen können. Aber auch Neulinge seien willkommen. Fischer hat seine Hilfe angeboten und ist nun gespannt auf die Umsetzungsphase. Er weiß, dass die Nachfrage riesig ist und möchte "je nach Bedarf" mitmachen - entweder als Chauffeur oder bei Terminsuche.

Bei der Finanzierung der Fahrten sieht Kündiger "kein Problem". Nach Antrag der SPD stehen auch dafür 20 000 Euro im Haushalt bereit. Den Ehrenamtlichen davon ein Kilometergeld oder mögliche Parkhaus-Gebühren zu zahlen, "da werden wir eine Lösung finden". Nur könne das später, wenn die Impfung für alle offen ist, kein Thema mehr sein.

"Im Moment sind alle Termine vergeben, ich muss die über 80-Jährigen um Geduld bitten", bedauert Kündiger. "Der Run hat offenbar das System überfordert." Zu diesem Thema erreichen die Stadt einige Anfragen. Er könne das verstehen: "Jeder Ältere hat Angst, dass er etwas verpasst." Das Land habe mit einem Brief an die Senioren möglicherweise "falsche Erwartungen geweckt", die es derzeit nicht erfüllen könne. "Das hätte man wahrscheinlich etwas vorsichtiger angehen müssen", glaubt Kündiger. Immerhin: Die Pflegeheime im Kreis sind fast einmal komplett mit dem Impfen durch, nur im Kelkheimer Haus "Mainblick" gebe es wegen eines massiven Corona-Ausbruchs dazu noch keine Möglichkeit, berichtet der Bürgermeister. Altenwohnanlagen hingegen seien noch nicht an der Reihe, ergänzt er. Für die Impfungen im Kastengrund wiederum habe der Kreis "alles vorbereitet".

Erfolglose Bürgerin, pausierender Pilot hilft

Das könnte für Margret Leven wieder ein Thema werden. Die 81-Jährige hat die Versuche aufgegeben, sich einen Impftermin zu besorgen. Einmal habe sie es online bis zur Vergabe geschafft. Da hieß es, der Impfstoff sei aus. Im zweiten Anlauf habe sie stundenlang telefoniert. Um 19 Uhr habe ein Mitarbeiter ihre Daten aufgenommen, bis zum Termin sei auch er nicht gekommen. Es hieß nur: "Rufen sie noch mal durch."

Die Kelkheimerin hat für die Situation "ja zum Teil Verständnis, aber ich schone mich und erwarte Verständnis für meine Nerven", macht sie deutlich. Das sei für sie eine Frage der "Psychohygiene". Leven: "Ich habe gedacht: ,Lass' es, vergiss' es.' Irgendwann wird es in Kelkheim schon gehen." Sie setze darauf, dass Ärzte es hier anbieten oder gerne auf Unterstützung zum Beispiel durch die Helfer der Stadt. Sie habe sich eine FFP 2-Maske besorgt und gehe noch weniger raus, ist für Margret Leven die Konsequenz. Unter dem Strich ist sie aber mit dem Krisenmanagement der Politik zufrieden: "Dafür, dass es uns alle überrollt hat, ist es gut gelaufen." Gesundheitsminister Jens Spahn habe "einen guten Job gemacht", hebt Leven trotz ihrer Frusterlebnisse hervor.

Bei Beratungsstelle melden

Hilfe über die Beratungsstelle gibt es unter (0 61 95) 8 03-8 20 und per Mail an nachbarschaftshilfe@kelkheim.de .

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