Über das Impfen wird in Kelkheimer Einrichtungen für Tagespflege diskutiert.
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Über das Impfen wird in Kelkheimer Einrichtungen für Tagespflege diskutiert.

Pandemie:

Kelkheim: Tagespflegegäste erst später geimpft

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Angehöre und Betreiber sehen "vergessene" Einrichtungen.

Kelkheim. Die Frau aus Niederhöchstadt wundert sich schon. Da gebe der Main-Taunus-Kreis bekannt, die Bewohner aller Pflegeheime seien geimpft, zum Teil zum zweiten Mal. Doch habe er wohl einen Bereich vergessen, findet die besorgte Tochter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Ihr Vater, 88 Jahre alt und in Schwalbach wohnend, geht regelmäßig in die Tagespflege im neuen Haus "Amun Re" in Kelkheim. Es sei dort mitgeteilt worden, die Gäste würden in der Einrichtung geimpft, sagt die Niederhöchstädterin. Deshalb habe sie selbst dann nichts mehr unternommen, um für ihren Vater einen Termin in einem Impfzentrum zu bekommen, sagt sie.

Lage dort "viel problematischer"

Doch passiert sei in dem erst im Oktober 2020 eröffneten und privat betriebenen Haus seitdem nichts, bedauert sie. Dabei sei diese Konstellation doch "viel problematischer". Denn ihr Vater komme dort mit einigen anderen Gästen und dem Personal in Kontakt und dann später zu Hause wieder mit seiner Frau. Diese sei erst 79 und daher mit dem Impfen noch nicht dran. Doch die Tochter sorgt sich auch um viele andere Familien, denen es vermutlich ähnlich gehe. Für ihren Vater habe sie jetzt einen Termin gemacht, aber erst in einigen Wochen. Das sei eigentlich zu spät. "Ich habe das Gefühl, dass diese Pflegeeinrichtungen vergessen worden sind", betont sie.

Marita Stork ist die Inhaberin vom Haus "Amun Re", das es bereits seit 2001 in Eschborn mit 15 Plätzen in der Tagespflege gibt. Nun kamen weitere 23 Plätze in Kelkheim in ehemaligen Räumen der Lebenshilfe hinzu. Die ausgebildete Krankenschwester hatte vor 20 Jahren den Bedarf nach solchen Angeboten gesehen und ist gut damit gefahren. Aktuell gebe es in beiden Häusern nur eine Notversorgung, berichtet sie. Eine Impfung für die Gäste sei geplant. Sie stehe seit Wochen mit dem Kreis in Kontakt. Bisher vergeblich. In den nächsten zwei Wochen sei wegen des knappen Impfstoffes nicht mit einem Termin zu rechnen, sagt Stork. Sie ist auf die Impfung vorbereitet, hätte in Kelkheim zwei Räume frei gemacht, den normalen Betrieb an diesem Tag ruhen lassen und die Gäste aus Eschborn einbezogen. Schön findet sie die Situation auch nicht, die Tagespflege sei "dauernd in der Warteschleife", sie müsse Gäste und Angehörigen vertrösten, so Stork.

Der Main-Taunus-Kreis gibt auf Anfrage eine naheliegende Antwort: "Wegen nach wie vor nicht ausreichender Impfstofflieferungen, auch wenn es hier Besserungen gibt, müssen wir priorisieren", teilt Sprecher Johannes Latsch mit. Die Tagespflegeeinrichtungen würden schrittweise aufgesucht. "Kriterien dafür sind Zeitpunkt der Meldung der Einrichtung an uns und fachliche Kriterien wie die dortige Altersstruktur. Jeder, der impfberechtigt ist und das will, wird geimpft", so Latsch. Der Kreis könne für konkrete Heime keine verbindlichen Zusagen machen, "weil die Praxis zeigt, dass sich Termine auch immer einmal aus organisatorischen Gründen verschieben können - vor allem hängt das ab von den aktuellen Impfstofflieferungen durch Land und Bund". Latsch: "Parallel impfen wir auch das Personal der ambulanten Pflegedienste."

Immerhin: Die andere Tagespflege-Einrichtung in Kelkheim hat jetzt einen Impftermin. Im "Haus der Senioren" vom Deutschen Roten Kreuz soll es laut dem Vorsitzenden Martin Menke am 20. Februar so weit sein. Wichtig ist es ihm und Marita Stork, dass auch die Mitarbeiter geimpft werden - beim DRK ist das bereits der Fall.

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