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Kelkheim: Türkische Möbel im alten Heimat-Kaufhaus

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Von: Frank Weiner

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Couchgarnituren, Tische und Taschen: Dieses Bild bietet derzeit das ehemalige Kaufhaus an der Hornauer Straße.
Couchgarnituren, Tische und Taschen: Dieses Bild bietet derzeit das ehemalige Kaufhaus an der Hornauer Straße. © wein

Bringen Gespräche das Ende der Untermieter-Lösungen?

Kelkheim. Es war einst ein florierendes Kaufhaus, in dem die Kelkheimer ein und aus gingen. Der blaue Umriss für ein Herz, das die Eigentümerinnen auch aus Liebe zur Stadt an die Eingangs-Automatiktür haben kleben lassen, wurde zu einem bekannten Symbol. Doch seit dem Verkauf des Kaufhauses Rita Born Ende 2018 an die Gemeinnützige Siedlungswerk GmbH (GSW) in Frankfurt stehen die eigentlichen Räume des Einkaufscenters leer.

Bis vor einigen Tagen. Denn aufmerksame Beobachter werden es längst bemerkt haben, dass erstmals seit der Schließung an der Hornauer Straße hinter der "Herz"-Schiebetür wohl wieder etwas verkauft wird. Wer genau hinschaut, entdeckt auf den ersten Blick etwas Glitzerndes im Schaufenster. Es handelt sich um spezielle Möbel wie eine Kommode oder einen anderen Schrank mit v-förmigem Sockel mit Spiegel-Elementen und allerlei Verzierungen. An der geschlossenen Tür hängt ein Schild, eher ein Stück Pappe - mit Filzstift schnell mal beschrieben: "Öffnungszeiten nur Freitag & Samstag" steht da. Zudem eine Handynummer.

Der Blick durch das Fenster offenbart: Das Kaufhaus ist zu einer Art Möbelhaus geworden. Sofas und Couchtische stehen herum, zudem ein Ständer mit Handtaschen. Einige Teppiche sind zu sehen und reichlich verschlossene Pappkartons. Auf Nachfrage unter der angegebenen Nummer ist zu erfahren, dass die Möbel in der Türkei gefertigt werden. Er habe auch Anfragen und Kunden aus der Rhein-Main-Region, weshalb er hier nun vorerst unbefristet seinen Laden eröffnet habe, berichtet der Betreiber. Zwei weitere Geschäfte dieser Art gebe es in Hamburg und Trier. Es dürfte ein Möbelhaus auf Zeit werden. Denn das GSW als Eigentümerin hat mit der Immobilie eigentlich ganz andere Pläne. Das ehemalige Kaufhaus sollte abgerissen werden, dafür ein Komplex mit mehr als 20 Wohnungen entstehen. Der Main-Taunus-Kreis verweigerte aber die Zustimmung. Knackpunkt sind nicht ausreichend nachgewiesene Parkplätze und ein Park-Aufzug in die Tiefe, dessen Betrieb möglicherweise Verkehrsprobleme auf der Hornauer Straße verursachen könnte. Deshalb hatte auch die Stadt ihr Einvernehmen zum Bauantrag damals nicht gegeben.

Fläche soll weiterhin entwickelt werden

Das GSW hat daraufhin vorerst die Reißleine gezogen und das Vorhaben auf Eis gelegt. Statt dessen wurde das ehemalige Kaufhaus samt der Wohnungen darüber und dem alten Schlecker-Markt rechts davon für fünf Jahre an einen Unternehmer aus Mühlheim untervermietet. Bei diesem Vertrag ist nun in etwa Halbzeit. Die Bilanz fällt aus Sicht der Stadt und vieler Bürger wenig positiv aus. Im alten Schlecker, später "Kunstkaufhaus", zog ein erster Laden für Orient-Lebensmittel ein, der wieder schloss. Nun gibt es einen Nachfolger dieser Branche. Ein Pizza-Wagen vor dem Geschäft war beliebt, rollte aber wieder fort. Die Wohnungen sind vermietet, vor allem an Arbeiter und ihre Familien aus Osteuropa. Die alten Kaufhaus-Räume waren zwischendurch nur als Sperrmüll-Lager gebraucht - nun gibt es die erste offizielle Nutzung.

Auf Nachfrage dieser Zeitung heißt es von der Geschäftsleitung des GSW, dass es eigentlich keine Neuigkeiten zur Sache gebe. Die Immobilie befinde sich weiterhin im Eigentum der GmbH. Und es sei schon geplant, sie zu entwickeln. Auf den Untermieter könne kein Einfluss genommen werden - und werde es auch nicht. Nicht offiziell bestätigt wird, dass es Gespräche zur Sache in verschiedene Richtungen gibt. Durchaus möglich also, dass die aktuelle Situation nicht die kompletten fünf Jahre besteht.

Bürgermeister Albrecht Kündiger würde das jedenfalls begrüßen. Er habe dem Eigentümer schon mehrfache Signale gegeben, "dass die Stadt gesprächsbereit ist, um diese unbefriedigende Situation zu beenden". Denn die Immobilie sei aktuell kein Vorzeigeobjekt in Kelkheim, macht er keinen Hehl aus seiner Unzufriedenheit. "Mit dem Haus muss ja was passieren." Aktuell sei es mit der Untervermietung und verschiedenen Nutzungen nur "Flickwerk". Aber irgendwann ende ja der Mietvertrag auch - spätestens dann sieht die Kommune wohl eine neue Chance, gerne aber schon früher.

Eine Verquickung mit einem anderen Thema sieht der Bürgermeister aber nicht. Die Koalition aus CDU, SPD und FDP hatte eine Änderung der Stellplatzsatzung beantragt. Sie setzten im Bauausschuss auch durch, dass in einem Radius von 500 Metern um die Bahnhöfe in Kelkheim, Münster und Hornau künftig nur ein Stellplatz pro Wohnung nachgewiesen werden muss. Zudem sollen elektromechanische Parksysteme wie Doppelparker oder Parklifte zulässig sein. Beide Punkte könnten auch für das GSW-Projekt von großer Bedeutung sein. Er könne aber einen Zusammenhang nicht sehen, so Kündiger. Eine Satzung sei ja nicht projektbezogen.

Grundsätzlich sei es gut, Regelungen auch einmal zu überdenken. In diesem Fall müsse aber bedacht werden, dass der Parkdruck um die Bahnhöfe ohnehin schon hoch sei und durch die Satzungsänderung womöglich noch verstärkt werde. Die Koalition hat ebenfalls in der Sache noch Beratungsbedarf, im Parlament wurde der Antrag erst einmal geschoben. Der interne und nur beratende Arbeitskreis Verkehr hatte die Sache auch diskutiert, sich aber noch keine abschließende Meinung dazu gebildet.

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