Dirk Hofmann erhält die Ernennungsurkunde von Bürgermeister Albrecht Kündiger.
+
Dirk Hofmann erhält die Ernennungsurkunde von Bürgermeister Albrecht Kündiger.

Politik:

Kelkheim: "Überzeugendes Ergebnis": Jubel beim Ersten Stadtrat

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
    schließen

Dirk Hofmann erhält ein Kreuz mehr, als die Koalition Stimmen hat - Favoritin von UKW und FW zieht zurück

Kelkheim. Fast hätte Dirk Hofmann den wohl größten Moment seiner Karriere verpasst. Als Stadtverordnetenvorsteherin Julia Ostrowicki am Montagabend nach der Auszählung der Stimmen das Ergebnis zur Wahl des Ersten Stadtrats verkünden will, ist der CDU-Mann und Bewerber nicht an seinem Platz. Als Drittletzter kommt der Steuerberater, der in einem Kelkheimer Büro arbeitet, nach einer Frischluftpause in den Saal. Kaum sitzt er, hält es ihn fast nicht mehr auf dem Stuhl: Die Mehrheit im Parlament hat den 49-Jährigen zum neuen Ersten Stadtrat gewählt.

Seine Tür stehe allen offen

Am Ende sind es 26 Ja-Stimmen. Die Koalition aus CDU, SPD und FDP, die seine Kandidatur unterstützt hat, kommt genau auf diese Anzahl Mandate. Da ein CDU-Vertreter fehlt, dürfte Hofmann eine Stimme aus einem anderen Lager erhalten haben - eher von den Freien Wählern. Ein Zettel ist ungültig, es gibt 2 Enthaltungen und 14 Gegenstimmen, die wohl der UKW zuzurechnen sind.

Hofmann nennt dieses Ergebnis dennoch "sehr überzeugend". Dass er nicht alle Mandatsträger hinter sich bringen konnte, "das war zu erwarten" und betont: "Es ist nicht schlimm, dass nicht alle einstimmig dahinter stehen. Denn es ist wichtig, dass man auch politische Unterschiede erkennt." Seine Tür werde aber allen offen stehen. Vielleicht werde in ein paar Jahren der eine oder andere Nein-Sager dann überlegen: "Es war doch gut, den Dirk Hofmann zu wählen." In jedem Fall wünsche er sich "eine gute Zusammenarbeit für uns alle".

Mit Bürgermeister Albrecht Kündiger und Parlamentschefin Julia Ostrowicki "kooperiert" Hofmann rund um seine Wahl, die Ernennung mit Urkunde und Vereidigung läuft ganz reibungslos. Und der anhaltende Applaus der Koalition zeigt, dass da eine zusammenhaltende Mannschaft hinter ihm steht. Dennoch schafft es UKW-Fraktionschef Maximilian Alter, ihm zuerst zu gratulieren.

Zuvor hat sich das nicht ganz so friedlich angehört, als die UKW ihr "Nein" begründete. Unter den drei Bewerbern hätte die Fraktion ausgerechnet eine andere CDU-Frau vorgeschlagen, "die in unseren Augen sehr gut gepasst hätte", so Fraktionschefin Doris Salmon. Allerdings hatte sie ihre Kandidatur kurz vor der Wahl zurückgezogen. Sie hätte die "Expertise und Leidenschaft" gehabt bei "den richtigen Themenfeldern". Das sind für die UKW Klimaschutz, bezahlbarer Wohnraum und die Verkehrswende. Hier hätte Kündiger Unterstützung gebraucht. Zudem halte die UKW die Kosten eines Ersten Stadtrats - mit Vorzimmer rund 200 000 Euro im Jahr - weiter "für nicht erforderlich", so Salmon. Eine eigene Kraft aufzustellen, habe sich daher nicht angeboten.

Drei Bewerber gab es dennoch. Die CDU-Frau, nach der Banklehre im Ausland in führenden Positionen tätig, ist dieser Zeitung namentlich bekannt. Sie möchte ihn aber nicht öffentlich lesen. Offen erzählt sie von ihrem Interesse, nach zwölf Jahren Ehrenamt in der Kommunalpolitik im Rhein-Main-Gebiet die "Herausforderung" im Hauptamt suchen zu wollen. Bei der Einladung von UKW und FW bestätigt sie "die extrem gute Chemie". Als die UKW Unterstützung anbot, habe sie erfahren, dass die Personalie Hofmann im Koalitionsvertrag steht, daher keine Chance gesehen und zurückgezogen. Dritter im Bunde war Stefan Kohl, Jahrgang 1964, aus Naurod - vierfacher Familienvater, CDU-Ortsbeirat, Diplom-Verwaltungswirt und als Regierungsoberrat beim Landeskriminalamt tätig. Das verkündet Thomas Kirst, Vorsitzender des Wahlvorbereitungsausschusses. Direkt vor dem Parlament hat das Gremium beschlossen, Hofmann vorzuschlagen.

CDU-Fraktionschef Stephan Laubereau begründet auch, warum. Er "wage zu bezweifeln", dass die vergangenen fünf Jahre ohne Ersten Stadtrat "so befriedigend" waren. Das Haushaltsvolumen ist von 40 auf gut 60 Millionen Euro gestiegen, "das Schiff Kelkheim ist größer geworden" - und die Pandemie sorge für "stürmisches Fahrwasser", so Laubereau. Hofmann sei der Richtige dafür, kenne die Stadt als "Ur-Kelkheimer so gut wie kein Anderer" und sei politisch sehr erfahren. Der CDU-Chef: "Wir bauchen einen Ersten Stadtrat, wir brauchen Dirk Hofmann."

Auch für die Freien Wähler ist der Posten wichtig, allerdings hätten sie ebenso die CDU-Frau vorgezogen, wie Tina Bender durchblicken ließ. Es seien "drei fantastische Profile" gewesen, wobei die Kandidatin "besonders hervorgestochen" sei, durch Erfahrung im In- und Ausland, in vielen Gremien, so Bender, die aber dann gleich um einen Ausgleich bemüht ist: "Wir haben weiterhin zwei sehr starke Kandidaten."

Auch Fraktionschef Michael Hellenschmidt spricht von "sehr beachtlichen" Bewerbungen, die SPD gebe aber dem Kelkheimer Bewerber den Vorrang. "Denn wir müssen sofort mit der Arbeit beginnen." Es gebe viele Projekte, "da steckt viel Richtiges dahinter", so Hellenschmidt. Doch sie "kommen nicht richtig voran". Mit Blick auf viele neue Ideen sei ein Erster Stadtrat wichtig. Dass die UKW jemanden für Klimaschutz im Rathaus wolle, lässt ihn schmunzeln: "Wir haben doch schon den Grünen im Rathaus."

Die Sache mit der Leidenschaft

Alle großen Projekte liefen "zäh in der Umsetzung", springt ihm FDP-Fraktionschef Michael Trawitzki bei und fragt: "Kann die Führung der Stadt noch in einer Hand liegen?" Hofmann sei der richtige Mann dafür, die FDP habe im Gegensatz zur UKW "schon viel Leidenschaft bei ihm gesehen". Zudem sei Kelkheim mit den Pärchen aus Erster Stadtrat - früher lange von der FDP - und Bürgermeister stets gut gefahren.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare