Die Mitglieder des Vereins Deutscher Sprache um Günther Kopp treffen sich wieder.
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Die Mitglieder des Vereins Deutscher Sprache um Günther Kopp treffen sich wieder.

Kultur:

Kelkheim: Verlust der deutschen Sprache durch Corona

  • VonEsther Fuchs
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Verein lässt Treffen in Kelkheim wieder aufleben und sorgt sich um Anglizismen.

Kelkheim. Es lässt sich kaum leugnen: Die Covid-Pandemie hat sich nicht nur auf die körperliche und geistige Gesundheit ausgewirkt. Auch die deutsche Sprache leidet unter den Anglizismen im Zuge der Krise. "Corona spricht Englisch!" Zu dieser Erkenntnis kommt Günther Kopp. Die Ansicht des Regionalleiters des Vereins Deutsche Sprache (VDS) teilt auch sein Kelkheimer "Vize" Horst Blumenstein. In der Dortmunder Geschäftsführung ist Holger Klatte dieser Auffassung.

Auch wer nicht im VDS ist, kann sich dem Eindruck nach genauerem Hinhören nicht verwehren. "Homeoffice", "Homeschooling", "Social Distancing": Es gibt viele Beispiele wie Anglizismen den Corona-Alltag bestimmten und zum Teil noch bestimmen. "Nur noch der deutsche Begriff ,Mund-Nasen-Schutz' ist übriggeblieben", sagt Kopp.

Neben dem ohnehin immer stärker gewordenen Einflüssen der englischen Sprache auf das Deutsche, gesellt sich seit einiger Zeit ein neuer Trend. Die "Gendersprache". Die geschlechtergerechte Sprache in Bezug auf Personenbezeichnungen mit dem Ziel der Gleichstellung aller Geschlechter führe zu einer Kunstsprache, die eher Verwirrung denn Klarheit stiftet, so der Verein. "Keiner ist für die Fortentwicklung unserer Sprache zuständig. Selbst das Fernsehen ist sich seiner Bedeutung für die Sprachentwicklung nicht bewusst", findet Kopp. Der VDS setze sich für den Erhalt der deutschen Sprache als eigenständige Kultursprache ein. Regelmäßige Treffen gibt es, auch in Kelkheim. Zuletzt habe jedoch die Pandemie das verhindert, weiß Blumenstein. Doch am 12. Juli wollen die Kelkheimer auch wieder loslegen. Es gilt, keine Zeit zu verlieren. Die VDS-Regionalgruppe, zu denen Kelkheim als zweitstärkste Kraft mit knapp 30 Mitgliedern gehört, sieht sich in der Verantwortung.

Der VDS hat sich 1997 aufgrund des zunehmenden Einflusses der englischen Sprache gegründet. Die Gendersprache befördere die Auswirkungen auf den Sprachpluralismus. "Die Auswirkungen auf die Alltagssprache sind bereits jetzt gravierend und es kommt zu Missverständnissen und Unklarheiten", erklärt Klatte. Die Pandemie befördere die Digitalisierung. Präsenzunterricht wurde durch Heimarbeit ersetzt. Der Mangel persönlicher, analoger Ansprache zog sich durch alle Generationen. Ältere Menschen vereinsamten. Junge tauchten ins "World Wide Web", Deutsch "Datennetz" ab.

Untersuchungen und validierte Ergebnisse zum Einfluss der Covid-Pandemie auf die deutsche Sprache sind noch nicht möglich. Letztlich ließen sich die Auswirkungen wohl erst in der Rückschau bewerten, so der Regionalleiter und sein Stellvertreter. Nur so viel: Sicherlich habe der Heim- oder Wechselunterricht auch negative Auswirkungen auf die Schüler gehabt.

Die Medien in die Pflicht genommen

Eine Sprache solle sich weiterentwickeln. Doch eben nicht nur mit englischen Anglizismen oder Gendrifizierung, so die Auffassung. Ingrid Kopp, Gattin des Regionalleiters: "Wenn sich eine Sprache nicht weiterentwickelt, dann ist sie tot, wenn sie sich nur auf Englisch weiterentwickelt, auch." Den Menschen falle es schwer, neue, deutsche Begriffe zu entwickeln. Lieber griffen sie aufs Englische zurück. "Wir hielten uns an den ,Lockdown' oder es wurden ,Fake News' verbreitet", so Ingrid Kopp.

Selbst der Deutschunterricht als Fremd- oder Zweitsprache für Zuwanderer habe unter der Pandemie gelitten, weiß Klatte. Der Unterricht am Bildschirm habe Nachteile auf den Lernerfolg, da Aussprache in Präsenz besser erlernt würde. Der digitale Heimunterricht könne nicht den persönlichen Umgang ersetzen, findet auch Blumenstein. Die deutsche Sprache müsse schulisch und privat wertgeschätzt werden. Zunehmende Sprach-Armut in Funk und Fernsehen beäugt der Verein kritisch. Der VDS nimmt daher die Medien in die Pflicht. ARD und ZDF verlieh er den Negativ-Preis "Sprachpanscher des Jahres" für besonders bemerkenswerte Fehlleistungen im Umgang mit der deutschen Sprache.

Zu den geplanten Treffen, die immer am 10. jeden Monats um 19 Uhr im Restaurant "Europa", Gagernring 1, sind (in diesem Fall am 12. Juli, da der 10. am Wochenende ist), können auch Nichtmitglieder kommen. Im September plant der VDS nach einjähriger Pause wieder die Sprachtage in Dortmund. Infos: www.vds-ev.de .

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