Fluktuation im alten Kaufhaus: Der orientalische Markt soll wieder den Besitzer wechseln.
+
Fluktuation im alten Kaufhaus: Der orientalische Markt soll wieder den Besitzer wechseln.

Stadtentwicklung:

Kelkheim: Wieder Wechsel im alten Kaufhaus

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
    schließen

Betreiber des Orient-Markts steht vor dem Absprung und Stadt im Dialog mit Eigentümer.

Kelkheim Im Februar hat Mohammed Hussam mit seiner Frau Rima einen Orient-Markt im ehemaligen Laden der Drogerie Schlecker, später Kunstkaufhaus, eröffnet. Nun aber will er das Geschäft wieder abgeben. "Der Laden läuft super", schreibt Hussam in einer Anzeige. Allerdings müsse er ihn aus "sehr privaten Gründen" aufgeben. Im Facebook-Netzwerk "Alles rund um Kelkheim" gibt es dazu auch schon die ersten "Schade"-Kommentare.

Beim kurzen Besuch dieser Zeitung bedauert der Inhaber diese Entscheidung. Das Geschäft in Kelkheim sei schon gut gelaufen, doch habe es Unsicherheiten beim Vertrag gegeben. Das wolle er nicht länger so fortführen und daher sein Geschäft für orientalische Lebensmittel und andere Gebrauchsgegenstände in Idstein eröffnen, berichtet der Syrer, der in seiner Heimat vor der Flucht Karikaturist war. Kelkheim werde er mit "guten Kunden" in guter Erinnerung behalten. "Viele kennen mich inzwischen."

Große Verkaufsräume immer noch leer

Der mögliche Wechsel im Orient-Markt - er bedeutet das nächste Kapital in einer Geschichte, die kein Ruhmesblatt für Kelkheim ist. Hier befand sich fast 75 Jahre das bekannte Kaufhaus Rita Born, das von Spielwaren und Haushaltsartikeln bis zur Kleidung vieles führte. Ende 2019 schloss das Geschäft, die Gemeinnützige Siedlungswerk Frankfurt GmbH (GSW) erwarb das Ensemble und wollte es abreißen lassen. Es sollten mehr als 20 Wohnungen entstehen, doch das Vorhaben scheiterte vorerst an der Stellplatzsatzung. Und an unterschiedlichen Auffassungen darüber, ob und in welcher Form an der Stelle bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden kann. Deshalb vermietete die GSW die Gebäude für fünf Jahre unter.

Doch genutzt werden die meisten Flächen seit gut einem Jahr nicht. Die Wohnungen in den oberen Geschossen sind vergeben, der Orient-Markt hatte eröffnet. Doch der Kaufhaus-Bereich steht noch leer, ein Blick ins Innere wird von Platten weitgehend versperrt. An der Tür prangt noch der große Herz-Aufkleber, ein Markenzeichen des früheren Kaufhauses. Im Schaufenster ist weiterhin alte Werbung zu sehen.

Im Internet wird die Immobilie zur Vermietung angeboten - als "Lager-/Ausstellungs-/ Verkaufsfläche". In der Anzeige heißt es dazu: "In absoluter Top-Lage befindet sich die Gewerbefläche, die aus einer Gesamtfläche aus UG, EG, 1. OG und 2. UG ca. 1500 qm besteht. Die Fläche im Erdgeschoss verfügt über eine große Schaufensterfläche und eine bereits bestehende Kassenstelle." Doch getan hat sich seitdem nichts. Der Mieter der GSW, der nun selbst als Vermieter auftritt, kann auf Nachfrage keine Neuigkeiten vermelden. "Pläne gibt es viele", heißt es von dem Unternehmer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Es gebe nichts Spruchreifes, "solange keine Genehmigungen da sind". Aber er werde sich gerne melden, wenn eine Nutzung feststeht, bietet er immerhin an. Den Wechsel beim Orient-Markt bestätigt er, möchte das aber nicht weiter kommentieren. Vom Eigentümer GSW war auf Nachfrage bis gestern keine Stellungnahme eingetroffen.

"An konstruktiver Lösung interessiert"

Aussagen und Vorgänge, die der Stadt so sicher nicht gefallen werden. Bürgermeister Albrecht Kündiger weiß, dass der kleine Markt wohl ganz gut angenommen worden sei. Er erfährt den geplanten Wechsel aber auch erst durch diese Zeitung und bedauert es. Zu der markanten Immobilie an der Hornauer Straße gebe es "im Moment aber keine Klagen", berichtet der Rathauschef. Eine vernünftige Nutzung des alten Kaufhauses würde er sich allerdings schon wünschen. Anfragen habe es gegeben. Für was genau, sagt Kündiger nicht. Von einem Wohnheim für Monteure war einmal die Rede. "Aber wir haben als Stadt deutlich gemacht, was geht und was nicht", betont er.

Immerhin sieht der Bürgermeister einen Lichtblick in der ganzen Sache. Es habe ein Treffen mit der GSW gegeben. "Beide Seiten sind bemüht, in Gespräche zu kommen", berichtet Kündiger. Die Stadt jedenfalls sei "sehr daran interessiert, zu einer konstruktiven Lösung zu kommen". Denn eine Dauerlösung soll die Untervermietung durch die GSW nicht sein. Der Bürgermeister macht mit Blick auf die Stellplatzsatzung aber deutlich, dass er weiterhin alle Nutzer gleich behandeln werde - es also für die GSW keine Ausnahmen geben könne. Er warne auch davor, die Satzung politisch für bestimmte Eigentümer anzupassen. Das Papier einmal grundsätzlich zu überdenken, darüber lasse er mit sich reden. Denn der fehlende Parkraum sei eines der größten Probleme der Stadt, ein Umsteigen auf den ÖPNV und den Radverkehr ein wichtiges Ziel.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare