Stadtverordnetenvorsteherin Julia Ostrowicki mit dem nicht ganz so euphorischen Blick in die Zukunft der Kelkheimer Politik.
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Stadtverordnetenvorsteherin Julia Ostrowicki mit dem nicht ganz so euphorischen Blick in die Zukunft der Kelkheimer Politik.

Politik:

Kelkheim: "Wir müssen uns in die Augen schauen können"

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Appell der Parlamentschefin für ein besseres Klima.

Kelkheim. Anfang Juni war es, als Julia Ostrowicki ihre erste Bewährungsprobe in der Rolle der neuen Stadtverordnetenvorsteherin hatte. Das Parlament tagte nach der konstituierenden Sitzung zu verschiedenen Themen, als plötzlich Altbürgermeister Thomas Horn und sein Nachfolger Albrecht Kündiger zum verbalen Schlagabtausch ausholten. Die SPD-Frau an der Spitze des Gremiums reagierte sofort, nahm mit ihrem Beitrag etwas den Dampf aus der hitzigen Diskussion, die auch in die Fraktionen übergeschwappt war, und mahnte, sich "mit Respekt anzusprechen".

Zweite Sitzung verlief recht hitzig

Danach gab es noch weitere "Begegnungen", die der Stadtverordnetenvorsteherin nicht gefielen. Und deshalb ergreift Ostrowicki nun die Initiative. Schon im Parlament vor den Ferien, das wegen des Umzugs in den Plenarsaal aber dünner besetzt wurde, richtete sie einen Appell an die Kommunalpolitiker. Und das werde sie in der ersten Sitzung nach der Sommerpause am 20. September noch einmal wiederholen, kündigt sie im Gespräch mit dieser Zeitung bereits an.

Sie habe keine besonderen Fälle und Namen öffentlich erwähnt, betont Ostrowicki. Aber natürlich hat ihr der Umgang der Bürgermeister untereinander nicht gefallen, wird schon deutlich. Ebenso wurmt sie aber, dass die neuen Mitglieder des Stadtparlaments offenbar noch nicht wirklich akzeptiert und auf Augenhöhe behandelt werden. Da sei mit den Augen gerollt und gelächelt worden, als Neulinge am Rednerpult standen, hat Ostrowicki auch in der kritischen zweiten Sitzung der Wahlperiode beobachtet. Öffentliche Äußerungen wie "Das können Sie ja noch nicht wissen, Sie sind ja noch neu" gefallen der "Ordnungshüterin" im hohen Haus überhaupt nicht. "Es ist nicht gut, wie mit den Neuen umgegangen wurde. Da nehme ich niemanden aus, auch den Magistrat und seine Spitze nicht." Warum zum Beispiel könnten Dinge nicht beantragt oder angefragt werden, warum solle jeder erst einmal den Bürgermeister fragen? Das kann Ostrowicki nicht so ganz nachvollziehen. Ihr Fazit dieser Sitzung: "Ich fand es nicht wertschätzend, nicht respektvoll, wie mit anderen umgegangen wurde." Sie hätte das damals schon im Plenum noch deutlicher machen sollen, gesteht sie ein.

Das politische Klima möchte sie mit ihrem öffentlichen Mehrfach-Appell nun wieder verbessern. Beim Termin vor den Ferien sei das schon gut gelungen, findet die Stadtverordnetenvorsteherin. Und sie weiß aus vielen Jahren in den Fraktionsreihen der SPD: "Üblicherweise ist das Klima gut." Vielleicht sei der Ausrutscher eine erste Folge der beiden Wahlen und der Koalitionsbildung von CDU, SPD und FDP danach gewesen, überlegt sie. Ostrowickis Wunsch für den Wiederbeginn nach der Pause sind "gute, spannende, auch kontroverse Debatten", aber eben "immer mit dem Gefühl, wie müssen uns die nächsten Jahre auf Augenhöhe begegnen und in die Augen schauen können". Der "wertschätzende Umgang miteinander" sei ihr wichtig. Auch eine gut Verständigung zwischen der Koalition und der Opposition, was beim Parlament vor den Ferien zum Thema Schwimmkurse letztlich schon gut gelaufen sei. Wichtig ist der "Ersten Bürgerin" auch, hier gute Signale in die Kelkheimer Bevölkerung zu setzen. Denn die Politikverdrossenheit sei schon groß genug.

Sie selbst habe auf ihren neuen Posten und ihre Sitzungsleitung bisher gute Rückmeldungen erhalten. Ihre Rolle sei für sie immer noch "eine ungewohnte Situation". Denn Ostrowicki hat früher als Stadtverordnete selbst gerne "ein bisschen schärfer geredet", macht aber deutlich: "Das ist etwas anderes als Missachtung und Arroganz."

Redezeit bleibt, Uhrzeit auch?

Sie ist nun guter Dinge, dass die hitzige Sitzung ein einmaliger Ausrutscher war. Auch wenn die Gemengelage durch die derzeit fest zusammenstehende Koalition und eine sehr heterogene Opposition mit der großen UKW und den kleinen Freien Wählern das nicht einfacher macht. Große Veränderungen in der Organisation hat die Vorsteherin weiterhin nicht vor. Eine immer mal angesprochene Redezeitverkürzung ist für sie kein Thema. Gut möglich aber, dass noch einmal über den Beginn des Parlaments gesprochen wird. Ihr Vorgänger Wolf-Dieter Hasler hat es auf 19.30 Uhr vorlegen lassen, Ostrowicki befürwortet eher 20 Uhr.

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