Olaf Jahnke bereitet schon die Ausstellung vor.
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Olaf Jahnke bereitet schon die Ausstellung vor.

Dokumentation:

Kelkheimer auf den Spuren des RAF-Terrors

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Olaf Jahnke hat Schauplätze einer dunklen Zeit in Fotos festgehalten.

Kelkheim/Frankfurt. Es ist ein markantes Gebäude im Main-Taunus-Kreis: Der Hochhaus-Komplex am Hattersheimer Südring ist auch von der B 43 schon von weitem zu sehen. 1977 hat das Quartier traurige Berühmtheit erlangt: Am 30. Juli wollten die Terroristen der Rote Armee Fraktion (RAF) Jürgen Ponto, den Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank, in dessen Haus in Oberursel entführen. Die Wohnung am Hattersheimer Südring sollte als Geiselversteck dienen. Bekanntlich kam es anders: Nach einem Handgemenge erschoss Brigitte Mohnhaupt Ponto, aber die RAF-Terroristen flüchteten dennoch in den Main-Taunus-Kreis.

Dort lebt auch der Kelkheimer Olaf Jahnke. Er engagierte sich für die UKW im Parlament und sitzt für die Grünen im Kreistag. Politisch aktiv ist der Kameramann schon lange. Die Idee für sein RAF-Projekt kam ihm durch die Vielzahl der Dokumentarfilme über die Terroristen. Jahnke, der sich auch als Fotograf und Autor einen Namen gemacht hat, kam ins Nachdenken. Daraus entstanden ist ein außergewöhnliches Fotoprojekt: Unter dem Titel "Rote Armee Fraktion Topographie Frankfurt" hat er die Schauplätze des Terrors in der Region zwischen 1968 und 1993 abgelichtet. Daraus ist ein Buch entstanden, das es für 24 Euro über seine Homepage www.olafjahnke.de zu bestellen gibt. Oder über den Kontakt jahnke@olafjahnke.de . Am Sonntag, 13. Juni, ist zudem die Eröffnung der Ausstellung seiner Bilder von 15 bis 18.30 Uhr in der "Kuk 1292 Galerie" in Frankfurt-Sachsenhausen, Schellgasse 8. Sie läuft bis zum 11. Juli.

Er arbeite seit 1982 in Frankfurt, schreibt Jahnke im Vorwort. Gerade ältere Kollegen berichteten ihm von der RAF, ihren Verbrechen und dass sie hier an verschiedenen Ecken einen Unterschlupf gefunden hatten. "Die Taten der Gruppe im Hinterkopf, lief mir dann ein Schauer über den Rücken, beim Gedanken, dort unwissentlich möglicherweise einem Terroristen begegnet zu sein", erzählt Jahnke. Er weiß, dass eher Berlin mit der RAF in Verbindung gebracht wird. Im Standardwerk "Der Baader-Meinhof-Komplex" aber werde schnell deutlich, dass Terror-Kopf Andreas Baader Frankfurt als Hauptquartier ausgewählt habe.

In Jahnke war der Recherche-Geist geweckt. Und er kann heute nach langer Suche sagen: "Die Geschichte der RAF zieht sich wie ein roter Faden durch das Rhein-Main-Gebiet." In vielen Archiven fand er Adressen und Orte heraus. So setzte der Kelkheimer das RAF-Puzzle der Region zusammen und war selbst überrascht, dass er mehr Schauplätze als erwartet entdecken und fotografieren konnte. Zum Teil sei er an den Orten angesprochen und auf den Terror-Bezug hingewiesen worden, erzählt Jahnke. In den Begleittexten der Bilder hat er die Fakten zusammengefasst - vielleicht habe sich die eine oder andere Emotion eingeschlichen, räumt Jahnke ein und betont: "Die Taten können niemanden kaltlassen, spätestens, wenn man sich mit den Details der Anschläge beschäftigt, sieht man das Leid der Menschen, auch wenn seitdem viel Zeit vergangen ist. Ich glaube nicht, dass die Zeit alle Wunden heilt."

Und so rollt er sie kunstvoll-fotografisch noch einmal auf, die Schauplätze der RAF. Alles beginnt mit einem Bild von der Kaufhof-Filiale an der Hauptwache, wo die Terroristen 1968 den ersten Brandanschlag verübten. Weitere Station sind die Wilhelm-Leuschner-Straße Darmstadt, wo RAF-Mitglieder nach ihrer Haftaussetzung legal lebten und sogar Jugendliche in ihrer Wohngemeinschaft betreuten. Der Hofeckweg Frankfurt, wo Baader, Meins und Raspe nach einem Schusswechsel gefasst wurden. Ein Waldstück bei Heusenstamm, wo das Haupt-Waffendepot der RAF entdeckt, Brigitte Mohnhaupt, Christian Klar festgenommen wurden. Der Kreis schließt sich 1989 am Seedammweg in Bad Homburg, wo Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen einem Sprengstoff-Attentat zum Opfer fiel, und 1993, als der Bombenanschlag auf das Gefängnis in Weiterstadt verübt wurde.

Der Hochhaus-Komplex am Hattersheimer Südring. Hier wollte die RAF Jürgen Ponto nach der geplanten Entführung verstecken.
Frankfurt, Bockenheimer Landstraße, Ecke Unterlindau: Hier kam es 1971 zum ersten Schusswechsel zwischen Polizei und Terroristen.

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