Da kommt Jan geflogen: Diese Bike-Strecke in Münster ist illegal, die Nutzung nun untersagt.
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Da kommt Jan geflogen: Diese Bike-Strecke in Münster ist illegal, die Nutzung nun untersagt.

Mountainbiken

Kelkheimer Bürgermeister verbietet Strecke im Wald

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Die Stadt denkt aber über einen offiziellen Trail nach

Münster -Erst Johannes, dann Jan, David und Felix: Sie alle brausen mit ihren Mountainbikes den Hang im Wald oberhalb des Kletterparks herunter. Mit Vollgas geht es auf die kleine Schanze zu - ein gekonnter Sprung, Landung, Wende und gerne noch mal von vorn. Jan posiert dabei sogar fürs Foto und will lieber erneut springen, weil seine Haltung nicht optimal gewesen sei, sagt der 19 Jahre alte Kelkheimer.

Das finden die vielen Zuschauer sicher nicht. Für sie als Straßenradler ist das, was hier im Wald vor sich geht, erst einmal ziemlich beeindruckend. Im doppelten Wortsinn: Denn die Jugendlichen betreiben hochklassigen Sport, der aber gefährlich ist und noch dazu auf einer illegalen Strecke im Wald ausgeübt wird.

Deshalb hat Bürgermeister Albrecht Kündiger sie alle zu einem Gespräch versammelt - das Jugendamt der Stadt, die Mobile Jugendarbeit, Fachleute von Hessen Forst, einen Vertreter der Deutschen Initiative Mountain-Bike (DIMB) und die jungen Biker. "Gelegentlich muss der Bürgermeister auch mal eine schlechte Entscheidung treffen", sagt Kündiger und tut dies nach der Diskussion. Die Stadt untersage offiziell die Nutzung der nicht genehmigten Strecke im Wald. "Ich kann euch das nicht erlauben. Ihr macht es nun auf eigene Gefahr. Das müssen eure Eltern auch wissen." Allerdings schiebt der Rathauschef den Mountainbikern nicht nur den Riegel vor. Er hofft auf eine perspektivische Lösung. Er wolle prüfen, ob ein Stück Wald für einen erlaubten Trail genutzt werden kann und das den politischen Gremien vorstellen. Zudem werde die Stadt den Bike-Park im Mühlgrund aufwerten.

Bahn im Mühlgrund wird aufgewertet

Denn die jungen Leute wissen zu unterscheiden: Der Mühlgrundpark sei gut, vor allem für Sprünge, könnte aber ausgebaut werden, findet Johannes. Sie fänden diese Lösung schon mal sehr gut. Petra Bliedtner, Leiterin des Amtes für Jugend und Integration, erinnert: Der "Zick-Zack-Ananas-Park" sollte aufgewertet werden. Ein BMX-Forum habe sich dafür gegründet, dann aber nicht so engagiert. Es gibt einen bunt bemalten Bauwagen als Treffpunkt, in dem Schaufeln zur Modellierung der Bahn gelagert werden könnten, würde sich Bliedtner über die Mitarbeit der Jugendlichen freuen.

Doch das größere Problem wird die Bergab-Fahrstrecke, der sogenannte Trail, im Wald. Sebastian Gräf vom Königsteiner Forstamt sagt: "Es ist die Störung vom Naturraum insgesamt." Er betont, dass Querfeldein-Radeln nicht erlaubt sei. Der einzige gangbare Weg sei es, Strecken zu legalisieren. Solche Trails gibt es am Großen Feldberg. Zwei weitere seien hier in der Region, etwa bei Bremthal, geplant, ergänzt Urs Weidmann von der DIMB. Die Verantwortung und Haftung für solche Strecken könnten ein Verein oder die Stadt übernehmen.

In diese Richtung würde der Bürgermeister denken. Er hat aber die Sorge, dass eine legalisierte Strecke nicht mehr attraktiv genug für die jungen Leute sei. Denn die brauchen den "Adrenalin-Kick", wie sie beim Treffen betonen. Was eine anwesende Mutter nicht schlecht findet: "Es ist toll, wie sie sich draußen engagieren, sich langsam an Grenzen herantasten, sie überschreiten. Davon lernen sie. Das muss man fördern", sagt sie und trage das Risiko einer Verletzung ihres Sohnes.

Doch irgendwann hört für die Stadt der Spaß auf. Stadtrat Stefan Thalheimer hat vor einigen Wochen in Vertretung einen sehr gefährlichen Trail in der Nähe des Bauhofs sperren lassen. Auch wurde eine Holzkonstruktion hier beim Treffpunkt entfernt. Die Krankenkasse könnte bei schweren Unfällen Probleme machen und an die Stadt herantreten, weiß Kündiger. Das könne er "sehenden Auges" nicht zulassen, selbst wenn er die Bewegung der Jugend im Freien grundsätzlich sehr gut finde. Aber er kämpft in Kelkheim auch "um jeden Meter Wald, den ich erhalten kann". Die Jugendlichen betonen hingegen, sie passen aufeinander auf. Wer keinen Helm hat, werde ständig daran erinnert, sagt Jan. "Wir kümmern uns schon untereinander." Auch die Eltern wüssten jeweils Bescheid, betont die Gruppe, die im Verlauf des Gesprächs immer größer wird.

Jugend soll sich mit Ideen einbringen

Die Jugend habe nun eine Chance, wie Miriam Geib und Andreas Schulze von der Mobilen Beratung deutlich machen. "Ihr könnt euch einbringen", sagt Geib. Die Jugendlichen hätten, gerade in der Corona-Zeit, einen Drang in den Wald. Ihr Kollege Schulze rät ihnen, Vorschläge für Trails zu machen. "Es wäre schön, wenn man alle Seiten zusammenbringen könnte", bringt es Miriam Geib auf den Punkt. Und genau daran wird nun gearbeitet. Bis dahin sollten die jungen Furchtlosen, wenn überhaupt, einmal deutlich kleinere Sprünge machen. Frank Weiner

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