Stadtbrandinspektor

Kelkheimer Feuerwehr braucht weitere Profis

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Alexander Kolata, Kelkheimer Feuerwehrchef, ist ein Mann der klaren Worte. Das stellt er in seinem Jahresbericht unter Beweis.

Drei hauptamtliche Feuerwehrleute hat die Stadt: Lars Benndorf besetzt die Stabsstelle Brandschutz im Rathaus, Jan Herbert und Stefan Werner sind die Gerätewarte. Geht es nach der ehrenamtlichen Führung der Kelkheimer Feuerwehr, sollte dieses Personal in den nächsten zwei bis drei Jahren auf sechs Kräfte verdoppelt werden. Auf diese „Notwendigkeit“ hat Stadtbrandinspektor Alexander Kolata jetzt in seinem Bericht für die Jahreshauptversammlung hingewiesen. Dieser Schritt sei „unumgänglich“, er halte die immer wiederkehrende Diskussion über die Notwendigkeit „für überflüssig“. Denn andere Kommunen wie Rodgau oder Bad Soden machen es mit mehr Personal vor.

Gegenüber dem Kreisblatt präzisiert Kolata, dass er sich noch eine Kraft für die Verwaltung und zwei Mitarbeiter für den Bereich Technik vorstellen kann. „Arbeit ist immer noch genug da.“ Er werde bei diesem Thema „keine Ruhe geben“, das Ziel sei kein Kompromiss, sondern die drei Stellen. Das Vorhaben hängt auch mit den am Tag verfügbaren Leuten zusammen, was in Kelkheim weiterhin eine Herausforderung ist. „Perspektivisch ist es unumgänglich, die Tagesalarmsicherheit mit weiteren hauptamtlichen Kräften zu stärken.“ Auch die Brandschutzerziehung binde immer mehr Personalressourcen. Das werde zwar derzeit „hervorragend“ von Ehrenamtlichen gemeistert, doch seien immer weniger Leute dafür tagsüber verfügbar, während die Anfragen zunähmen.

Im Personal sieht Alexander Kolata, der seit sechs Jahren im Amt ist, einen großen Knackpunkt. In der Wasserversorgung einen zweiten. Deshalb schickte er in seinem Bericht „mahnende Worte“ an die Verantwortlichen in der Stadt, hier nachzubessern. Mit Eppenhain sei ein ganzer Stadtteil „im Falle eines größeres Brandes nur bedingt mit ausreichend Löschwasser versorgt“. Das habe sich beim Feuer auf dem Atzelbergturm Anfang Juli 2017 bemerkbar gemacht. Der Turm sei erneut „ein Opfer von vorsätzlicher Zerstörungswut“ geworden. Wasserengpässe gibt es laut Kolata zudem im Wochenendgebiet Fischbach sowie in den großen Waldgebieten. Hingegen wurde die Leitungskapazität zur Kompostierungsanlage an der B 519 jetzt verbessert, und auch in Richtung Haus Mainblick soll laut Kolata etwas gemacht werden. Wichtig in diesem Zusammenhang ist für ihn die Anschaffung eines Abrollbehälters Wasser/Schaum als Speicher. Die erste Ausschreibung lief, das einzige Angebot war mit rund 160 000 Euro aber zu teuer.

Nichts tut sich vor den Kulissen zum möglichen neuen Feuerwehrstützpunkt. Natürlich ließ der Chef das Thema nicht aus, denn gerade unter den jüngeren Brandschützern gebe es die Sorge, „dass es in Vergessenheit gerät“. 2016 hatten Kolata und Co. den Plan einer gemeinsamen Station für die Wehren Mitte, Hornau und Fischbach verkündet, die Politik dann eine Machbarkeitsstudie auf den Weg gebracht – vor allem mit Blick auf die Verkehrsanbindung einer favorisierten Fläche unterhalb des „Hühnerbergs“. Kolata weiß: „Bis greifbare Ergebnisse vorhanden sind, wird noch einige Zeit vergehen.“ Er und seine Stellvertreter Frank Darmstadt sowie Benjamin Liebenthal sehen im Projekt den „wesentlichsten Schritt zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit der Kelkheimer Feuerwehren“. Der SBI weiß, dass es einige Kritiker gibt, betont aber: „Der größere Teil ist dafür.“

Gute Nachrichten gibt es beim ehrenamtlichen Personal. Die Einsatzabteilung ist leicht gewachsen von 278 auf 287 (Ende 2017), bei der Jugendfeuerwehr sind es 123 (plus 2), bei den Minilöschern sogar 16 mehr – nun 88. Die Alters- und Ehrenabteilungen zählen fast konstant 106 Routiniers. Beim Nachwuchs gab es 2017 zwar viele Aktivitäten wie Sammelwoche, Stadtzeltlager, Alarmübung und Leistungsspange. Doch fehlt es hier an Betreuern, so dass geplante Veranstaltungen abgesagt werden mussten, bedauert Stadtjugendwart Philippe Prokasky.

Die großen Kameraden hatten 2017 wieder alle Hände voll zu tun. Die 530 Einsätze (2016 waren es noch 478) bedeuteten einen neuen Höchststand. Das ging gleich heftig los mit dem Parkhausbrand an der Breslauer Straße in der Silvesternacht. Im Wochenendgebiet konnten die Kameraden Ende Juni trotz der schwierigen Wasserversorgung den Brand einer Hütte rechtzeitig eindämmen. In der Nacht zum 1. August wurden eine Person aus dem Gleisbett der Bahnstrecke gerettet und viele Sturmeinsätze gemeistert.

Sehr zufrieden ist Kolata mit seinem Team. Das Trio beim Hauptamt entlaste die Ehrenamtler spürbar, sein neuer zweiter „Vize“ Liebenthal habe sich nach der Wahl 2017 schnell eingearbeitet. Kolata selbst hat noch vier Jahre bis zu nächsten Wahl auf dem Schirm. Dann will der 37-Jährige, der jetzt auch sein politisches Mandat bei der CDU aus beruflichen Gründen niedergelegt hat, aufhören. Nach zehn Jahren nutze sich eine solche Aufgabe ab, sagt er. Bis dahin möchte er aber den neuen Stützpunkt „auf die Gleise bringen“.

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