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Die B 519 bei Kelkheim war nach dem Unfall am Samstag mehrere Stunden gesperrt. Die Einmündung in richtig Möbelstadt ist durchaus knifflig, Unfälle gibt es immer mal wieder.

Verkehrssituation auf dem Prüfstand

Nach tragischem Tod eines 21-jährigen Motorradfahrers in Kelkheim: Tempo runter auf der B 519?

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Die Menschen in der Möbelstadt sind betroffen, weil ein bekannter Kelkheimer Opfer des schweren Unfalls am Samstag wurde. Nun rückt die Verkehrssituation an der Einmündung nach Kelkheim in den Blickpunkt.

Kelkheim - Bürgermeister Albrecht Kündiger war am Montag bei einem Pressetermin noch geschockt vom schweren Unfall am Samstag auf der B 519, bei dem ein 21 Jahre alter Motorradfahrer aus Kelkheim ums Leben kam. „Das war eine Staffelung schlimmster Situationen“, sagte er zur Verkettung mehrerer kleiner Karambolagen, an deren Ende der junge Mann von einem Auto überrollt wurde. „Das hat den ganzen Ort sehr betroffen gemacht.“  Umso schlimmer, weil sich der in Kelkheim bekannte Mann „völlig richtig verhalten“ habe. Er wartete auf der Linksabbiegespur in Richtung Kelkheim, als das Unheil seinen Lauf nahm.

„Alle überdenken“, ob Temporeduzierung auf der B519 sinnvoll ist

Der Bürgermeister kündigte am Montag bereits Gespräche über die Situation an dieser Stelle an. Die Stadt werde mit den zuständigen Behörden Kontakt aufnehmen und „alles überdenken“, sagte Kündiger. Die Kommune kontrolliere in diesem Bereich immer mal wieder mit ihrem Blitzgerät die Geschwindigkeiten, „was regelmäßig zu Protesten führt“, weiß der Rathauschef. Doch nach dem Unfall dürfte die Zahl dieser Einsätze sicher nicht geringer werden.

Beim Ein- und Abbiegen an der Kreuzung der B 519 nach Kelkheim kommt es schon hin und wieder zu brenzligen Situation.

Im Gegenteil: Auch der Regionale Verkehrsdienst der Polizei plant auf der B 519 in Höhe Kelkheim in diesem Jahr Tempokontrollen, wie der Stellvertretende Leiter Arne Krummel dem Kreisblatt sagt. Denn während aus Richtung Hornau kommend in diesem Bereich nur 60 Kilometer pro Stunde erlaubt sind, dürfen die Autofahrer in der Gegenrichtung mit 80 unterwegs sein. Der Regionale Verkehrdienst werde den Behörden – in diesem Fall vor allem dem Main-Taunus-Kreis – daher wohl empfehlen, in beiden Richtungen die 60 vorzuschreiben, kündigt Krummel an. Das Problem aus seiner Sicht ist: Durch den geradlinigen Straßenverlauf „ist die Örtlichkeit verlockend zum zügigen Fahren“. Autofahrer seien oft „volle Pulle ohne nachzudenken“ unterwegs. Deshalb seien die Tempomessungen schon vor dem Unfall angedacht gewesen. Krummel: „Das wird ein neuer Punkt werden für unser Messgerät.“ Vor Jahren habe es schon einmal Kontrollen gegeben, die dann sogar zu Fahrverboten geführt hätten, weiß er.

Kelkheim: Tod eines 21-jährigen Motorradfahrers „Absoluter Ausnahmefall“

Der Fachmann betont aber, dass der tragische Unfall ein „absoluter Ausnahmefall“ gewesen sei. Dennoch werde der Verkehrdienst die Diskussion dazu aufnehmen. Ein Unfallschwerpunkt sei die Ecke nach den Vorgaben aber schon lange nicht mehr. Demnach muss es mindestens fünf Vorfälle des gleichen Typs oder einen Unfall mit mindestens drei Schwerverletzten in einem Jahr gegeben haben, um in diese Kategorie für weitere Maßnahmen zu fallen.

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Die Einmündung B 519/Auf dem Busch (in Richtung Hauptfriedhof Kelkheim) passte 2012 in dieses Raster. Damals habe es beim Auffahren nach rechts auf die B 519 von Kelkheim kommend sieben ähnliche Unfälle gegeben, so Krummel. Das Problem sei, dass die Fahrer zu früh nach links schauen, ob aus Richtung Hornau jemand kommt, dann nicht auf den Vordermann achten und es zu Auffahr-Karambolagen kommt. Unfälle direkt auf der B 519 beim Abbiegen mit Gegenverkehr habe es hingegen nur wenige gegen, so Krummel. Ob bei dem tragischen Unglück am Samstag vielleicht auch überhöhte Geschwindigkeit eine Rolle spielte, möchte der Verkehrsexperte allerdings nicht kommentieren. Der Gutachter werde hier seine Sicht der Dinge ermitteln. Die Fahrzeuge wurden dafür sichergestellt. Dennoch sind weitere Hinweise willkommen, die Polizei in Kelkheim nimmt sie unter Telefon (0 61 95) 67 49-0 entgegen.

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