Sie haben die Verträge besiegelt (vorne, von links): SG-Jugendwartin Tanja Sacherer, Tim Kuhl (NLZ Darmstadt), Michael Moll (Trainer TuS Hornau und Mitinitiator), hinten von links: Peter Eberwein (Abteilungsleiter Fußball SG), Alexander Hilz (stellvertretender Abteilungsleiter Fußball SG), Björn Kopper (Leiter NLZ Darmstadt), Julian Saller (Sportlicher Leiter Jugend TuS Hornau).
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Sie haben die Verträge besiegelt (vorne, von links): SG-Jugendwartin Tanja Sacherer, Tim Kuhl (NLZ Darmstadt), Michael Moll (Trainer TuS Hornau und Mitinitiator), hinten von links: Peter Eberwein (Abteilungsleiter Fußball SG), Alexander Hilz (stellvertretender Abteilungsleiter Fußball SG), Björn Kopper (Leiter NLZ Darmstadt), Julian Saller (Sportlicher Leiter Jugend TuS Hornau).

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Kelkheim/Hornau: Ein kleiner Schritt zum großen Fußballprofi-Traum

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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SG Kelkheim und TuS Hornau arbeiten im Jugendbereich mit Zweitligist Darmstadt 98 zusammen.

Kelkheim. Peter Eberwein ist Fan des Fußball-Zweitligisten SV Darmstadt 98. "Ein echter Heiner", wie der Fußball-Abteilungsleiter der SG Kelkheim stolz sagt. Schon als Bub sei er oft bei den "Lilien" am Böllenfalltor gewesen. Nun kommen die Darmstädter aber zu seinem Verein an den Taunusblick. Genauer gesagt Björn Kopper, Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ) beim SV 98, und sein Kollege Tim Kuhl. Der Besuch aus Südhessen hat seinen guten Grund: Im Jugendbereich gehen die Vereine SG Kelkheim und TuS Hornau mit den Darmstädtern eine Kooperation ein. Gut gelaunt unterschreiben die Verantwortlichen im SG-Vereinsheim die Verträge.

Doch beim Blick auf die Wände fällt auf: Die "Lilien" sind hier mitten im "Eintracht-Land". Unzählige Mannschaftsfotos der Frankfurter hängen neben den Bildern der Kelkheimer Teams. Darmstadt-Fan Eberwein wird sicher schauen, dass auch der Zweitligist hier einen Platz bekommt. Er ist optimistisch, was die Zusammenarbeit angeht: "Das wird schon gutgehen. Beide Seiten gehen von ,Win-Win' aus." Werner Jakobartl, Vorsitzender der TuS Hornau, sieht es ähnlich. Von der Sportanlage "Am Reis" können die Kicker ja sogar bis nach Darmstadt schauen. Die Kooperation sei "eine super tolle Idee, eine gute Geschichte und Motivation für die Kids".

Spieler mit Vereinen im Ort verbandelt

Natürlich sei die TuS in erster Linie ein Breitensportverein, doch gehe es bei der Jugend gerade zudem "in Richtung Leistungsfußball", der Zulauf werde immer größer, freut sich Jakobartl. Die Partnerschaft mit der SG Kelkheim sei das beste Beispiel: Aus der Not heraus habe sie sich zu einem "Erfolgsmodell" entwickelt, sagt der Vorsitzende. "Das hat den Vorteil, dass die Spieler mit dem Kelkheimer Fußball verbandelt bleiben."

Diesen Aspekt hält auch Michael Moll für ganz wichtig. Er trainiert aktuell den Jahrgang 2010 bei der TuS Hornau und ist zudem Coach bei den Camps von Darmstadt 98. So wurde der Kontakt zu den "Lilien" enger, die Kooperation konkreter. Mit der Perspektive eines Partners im Leistungsfußball in der Zweiten Liga müssten ambitionierte Kinder "nicht den Verein wechseln", sagt Moll. Für sie könne die SG/TuS zum Sprungbrett zur Erfüllung des oft geträumten Traums eines Fußballprofis sein. Wenn jemand richtig gut sei - "Anruf genügt", sagt Moll, die Trainer aus Darmstadt schauen vorbei. Das Interesse der Eltern an einem solchen Modell sei groß, weiß der Hornauer. Kurzfristig will der Verein neben der A-Jugend auch die B- und C-Junioren in die Hessenliga bringen und wäre dann jeweils eine Klasse unter den "Lilien". Eine gute Konstellation - zumal dann auch Darmstädter Kicker aus dem NLZ in den Taunus gehen könnten, wenn es für sie in Südhessen noch nicht reicht.

NLZ-Leiter Kopper räumt ein, dass sich der SV hier im "Eintracht-Land" befindet. Doch nach drei Partnerschaften in Südhessen (St. Stephan Griesheim, Alsbach-Auerbach und Fürth im Odenwald) möchte der Club gerne seine Fühler in die Main- und Hochtaunus-Region ausstrecken. Die wenigsten Spieler seien gebürtige Darmstädter, kämen aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet. Die Partner seien "ein guter Unterbau" für die "Lilien", sagt Kopper. Oft auch ein Zwischenschritt vom kleineren Heimatverein. Der NLZ-Chef sieht durchaus die Probleme im Geschäft: "Die Spieler werden ja verstärkt von überall angesprochen." Da sei es sinnvoll, wenn es "geordneter abläuft", macht Kopper deutlich - Darmstadt 98 sowie das Duo TuS Hornau und SG Kelkheim also kooperieren und sich absprechen.

Das passiert noch auf ganz anderen Ebenen. Geplant ist eine "Kick-off-Veranstaltung" mit den Darmstädtern in Kelkheim, zudem können die Trainer aus der Möbelstadt gerne zum Hospitieren in die Heiner-Stadt kommen und Freundschaftsspiele vereinbaren. Auch Camps sind weiter in Kelkheim geplant, vielleicht je eins in beiden Vereinen, überlegt Fußballschul-Chef Kuhl. Das sei ein "anderer Ansatz", sagt er. In den Camps läuft der Breiten- mit dem Leistungssport. Allein vergangene Saison gingen 2000 Kinder in die SV-Fußballschulen. Es ist eine professionelle Arbeit, die in Darmstadt abläuft. Allein das NLZ hat ein Dutzend hauptamtliche Mitarbeiter - von Trainern über eine pädagogische Leitung, Physiotherapeut und Athletiktrainer bis zum Hausmeister.

Spitzenförderung statt Sammelbecken

In der U 10 geht es los, jeweils ein Team pro Jahrgang. Denn laut Kopper will der Verein ja nicht "Jugendliche ansammeln", sondern die "Spitzenförderung" betreiben. Viele Vorgaben macht die Deutsche Fußball-Liga, so muss jeder Erst- und Zweitligist ein eigenes NLZ haben. Immerhin: Die Durchlässigkeit ist hoch, fast drei Viertel der Kinder packen es ins nächste Team. Ganz oben wird die Luft etwas dünner, doch in den vergangenen sieben, acht Jahren hätten schon etwa 15 junge Leute den Sprung zu den Profis geschafft, ist der Nachwuchschef durchaus zufrieden. Bekannte Namen wie Nationalspieler Niklas Süle oder Eintracht-Kicker Sebastian Rode lernten dort das Fußball-Einmaleins, bevor sie zu Stars wurden. Davon träumen die Kelkheimer Kinder nach der besiegelten Kooperation vielleicht mehr denn je. Frank Weiner

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