Bei der Präsentation zur "Fischbach-Spange" saß Bürgermeister Albrecht Kündiger mit auf der Bühne.
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Bei der Präsentation zur "Fischbach-Spange" saß Bürgermeister Albrecht Kündiger mit auf der Bühne.

Fischbach-Spange

Kelkheims Bürgermeister hofft auf Umdenken

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Kündiger entschuldigt sich und spricht einen Appel aus

Kelkheim -Bereits während der Präsentation der Studie zur "Fischbach-Spange" kurz vor den Ferien hat den Bürgermeister das schlechte Gewissen geplagt. Am Ende der Sitzung des Bauausschusses, die wegen des zu erwartenden Besucherinteresses in die Stadthalle verlegt wurde, gab Albrecht Kündiger (UKW) eine Stellungnahme in eigener Sache ab. Dass seine Einschätzung zur Studie bereits in der Vorlage für den Ausschuss auftauchte, das sei ein Fehler gewesen. Dass dies auch vorher in der Presse zu lesen war, lag am Internet-Informationssystem der Stadt, wo diese Vorlage vorab schon geführt wurde.

Ein doppeltes Problem also, das die Fraktionen von CDU, FDP und SPD sehr ärgerte. Im Gespräch mit dieser Zeitung räumt Kündiger den Fehler abermals ein. "Ich hatte ja schon zugegeben, dass es ungeschickt war." Er hätte diese Vorlage mit dem Magistrat so vorher absprechen und den Passus in diesem Papier streichen müssen. Das sei ihm "durchgeflutscht", so der Bürgermeister: "Von der Form her war es nicht in Ordnung."

Entlastung fällt "relativ gering" aus

Allerdings stellt er in einem Atemzug klar: "Inhaltlich weiche ich keinen Schritt zurück." Zu dem in der Vorlage kritisierten Satz stehe er. "Im Ergebnis zeigt sich, dass die Verkehrsentlastung für Kelkheim aufgrund des hohen Ziel- und Quellverkehrs relativ gering ausfällt", heißt es dort wertend durch den Bürgermeister. Ihn habe das Ergebnis der Studie nicht überrascht. Vielmehr, dass die Entlastung durch eine Umgehungsstraße so niedrig ausfalle. Bei der favorisierten Nord-Version, die vom Ausbau-Ende der B 8 oberhalb des Geländes "Am Reis" und über dem Wochenendgebiet an die B 455 geführt werden könnte, würden nach einer Modell-Berechnung etwa 24 Prozent weniger Autos über die Kelkheimer Straße und 11 Prozent weniger über den Gagernring rollen. Dafür kommt neuer Verkehr aus Richtung Eppstein (plus 13 Prozent) und Ruppertshain (plus 22 Prozent) hinzu. Insgesamt könnten gut 15 000 Autos über die einspurig mögliche "Fischbach-Spange" rollen. Der Verkehr danach auf der B 8 würde um 25 Prozent zunehmen, heißt es.

Lob für Planer: Genau gearbeitet

Die Studie der beiden Büros hält Kündiger für in Ordnung. Er sei "von der Sorgfältigkeit absolut überzeugt". Um die Kriterien für eine mögliche Machbarkeitsstudie im Bundesverkehrswegeplan zu erfüllen, seien genaue Untersuchungen notwendig gewesen. Zum Teil habe der Planer bei der Verkehrsstudie auf Unterlagen für das Konzept einer kleineren "Gagern-Spange" zurückgreifen können. Was die Kosten etwas minimierte. Das Stadtparlament hatte mit Stimmen von CDU, FDP und SPD 100 000 Euro genehmigt.

Der Bürgermeister, der früher auf dem Damm selbst aktiv gegen eine große Umgehungsstraße gekämpft hat, erhofft sich spätestens jetzt ein Umdenken. Unterschiedliche Gedanken zur Verkehrsentlastung seien in Ordnung. Doch diesen "Weg in die Sackgasse" sollten die Kelkheimer "nicht wieder rausholen". Denn schon Kündigers Vorgänger Thomas Horn (CDU) und der damalige Regierungspräsident Johannes Baron (FDP), ebenfalls ein Kelkheimer, hatten die Pläne längst begraben.

"Neue Straßen sind kein Allheilmittel", sagt Kündiger und will lieber den Weg der Alternativen weiter gehen. Ein Baustein sei die Regionaltangente West, ein anderer der Umstieg auf und die Verbesserung des Öffentlichen Personennahverkehrs. Auch gebe es sicher künftig alternative Arbeitsplatzformen. Dass sich wegen der Corona-Krise langfristig sehr vieles ins Homeoffice verlagert, glaubt er nicht wirklich.

Was er sich nun erhofft, sind auch klare politische Aussagen, wie mit der "Fischbach-Spange" umzugehen ist. Kündigers UKW und die Freien Wähler (FW) sind dagegen. Die FDP hat schon betont, dass sie die Straße im Bundesverkehrswegeplan sehen will. "Sie hat sich klar positioniert, das ist legitim", so Kündiger. Bei der CDU sei das weniger der Fall, vor allem aber die bei dieser Sache doch durchaus gespaltene SPD müsse nun "auch mal Farbe bekennen". Große Sorgen, hier weiter das ungeliebte Thema durch Beschlüsse einer Mehrheit bearbeiten zu müssen, hat der Rathauschef weniger. "Nach den Argumenten müsste jeder zu der Entscheidung kommen, dass dieser Weg nicht der richtige sein kann. Der Entlastungseffekt ist nicht der, den sich einige erhofft haben." Er könne sich nicht vorstellen, dass sich die SPD entferne von Positionen der Genossen im Kreis und Land. "Ich setze darauf, dass sich letztendlich die Vernunft durchsetzen wird."

Nun sind die Politiker am Zug

Wie geht es mit dem Papier weiter? Die Verwaltung arbeitet die Studie auf und leitet sie in der letzten Fassung an die Politik weiter. Dann werden die Fraktionen intern, schließlich öffentlich im Bauausschuss beraten. Die Stadt werde bis dahin nicht mehr initiativ. Sollte es weitere Interessen geben, müssten die von den Fraktionen kommen. Kündiger: "Man sollte die Zeit lieber nutzen, um andere Wege in der Verkehrspolitik voranzutreiben."

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