Revierförster Martin Kunze, hier vor einer der selten Süntelbuchen, verlässt Kelkheim.
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Revierförster Martin Kunze, hier vor einer der selten Süntelbuchen, verlässt Kelkheim.

Kelkheimer Förster verabschiedet sich

Kommando zurück im Stadtwald

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Revierförster Martin Kunze wechselt zum Regierungspräsidium Darmstadt und sein Nachfolger ist sein Vorgänger

Kelkheim -"Generationswechsel im Stadtwald": Das schrieb diese Zeitung vor ziemlich genau vier Jahren, als Martin Kunze den langjährigen Kelkheimer Förster Christian Witt ablöste. Nun könnte die Schlagzeile wieder genauso lauten - nur mit umgekehrten Vorzeichen: Denn Routinier Witt hat nach genau vier Jahren den jungen Nachfolger Kunze schon wieder beerbt. Der Förster ist zum 1. April an die Obere Forstbehörde beim Regierungspräsidium Darmstadt gewechselt, was näher an seinem neuen Wohnort Schaafheim liegt. Witt, der weiterhin im Kelkheimer Forsthaus wohnt, nimmt das Revier kommissarisch unter seine Fittiche zurück. Er war nach fast 29 Jahren in der Möbelstadt in den Bereich Waldpädagogik im Forstamt Königstein gegangen.

Erst einmal bis Herbst gelte diese Regelung für die rund 1300 Hektar des Kelkheimer Waldes (mit einem kleinen Anteil in Bad Soden), bestätigt Sebastian Gräf, derzeit übergangsweise Stellvertretender Leiter im Forstamt Königstein, dieser Zeitung. Witt hat mit Jeremias Gottschalk noch einen jungen Betriebsassistenten zur Seite, der gerade seine Prüfung abgelegt hat. Die Stelle werde dann ausgeschrieben. Eine neue Kraft ist auch nötig, denn 2021 geht Witt in den Ruhestand. Durch die Corona-Krise und einige Stellenwechsel in der Branche werde sich die Besetzung aber eben bis zum Herbst verzögern, sagt Gräf.

Kernaufgabe: Große Schäden bewältigen

Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger bedauert den recht frühen Abschied von Förster Kunze ebenso wie dessen Ex-Chef Gräf. Doch der junge Mann geht nun seinen weiteren beruflichen Weg. Kunze sei schon sehr etabliert gewesen in Kelkheim und mit den Menschen gut zurecht gekommen, lobt Gräf. Mit Witt sorgt ein erfahrener Mann nun erst einmal für Kontinuität und Stabilität.

Denn es warten wichtige Aufgaben auf die Förster. In Kelkheim ist das wie in fast allen anderen Revieren die Bewältigung der großen Schäden der Fichtenbestände durch die Trockenheit und den Borkenkäfer. Frisch befallene Bäume müssten aufgearbeitet werden. Wo etwas zu retten ist, müsse Waldschutz betrieben werden, erläutert Gräf. In niedrigeren Lagen sei gerade auch die Verkehrssicherung wichtig. Und natürlich müsse dann die Wiederbewaldung folgen. Die ersten Nachpflanzungen habe es auch in Kelkheim schon gegeben, berichtet der Stellvertretende Leiter und Chef des Bereichs Dienstleistung und Hoheit. Der Sturm zuletzt vom 11. Mai hingegen habe Kelkheimer kaum betroffen, dafür Königstein und Glashütten deutlich mehr, berichtet Gräf.

So manchen Bürger überzeugt

Martin Kunze selbst freut sich natürlich auf die neue Herausforderung, die er aber so natürlich nicht im Karriereplan hatte. Sie ist aber mit deutlich mehr Büroarbeit verbunden. Schade findet er, dass er sich wegen der Corona-Beschränkungen nicht richtig habe verabschieden können. Denn er sei gerne in Kelkheim gewesen und auch gut mit allen Beteiligten - Kommune, Vereine, Bürger - zurechtgekommen. Vor allem die vergangenen zwei Jahre seien durch die hohen Schäden prägend gewesen. Da könne Kelkheim froh sein, noch einige Laubbestände zu haben, weiß er und sieht ebenso wie Forstamts-Vertreter Gräf wichtige Aufgaben in der Verkehrssicherung und Wiederbewaldung. Er weiß, dass Freiflächen nach einer Abholzung erst einmal nicht schön aussähen, letztlich aber notwendig seien.

Das habe er auch Bürgern oft klar machen können. Kunze erinnert sich an eine der öffentlichen Kelkheimer Waldbegehungen, als eine kritische Bürger-Stimme zu Beginn laut wurde. Dann habe er die Person durch den Wald geführt, mit seinem Kollegen dabei viele Dinge erläutert und am Schluss doch ein lobendes "Das ist ja so eine anspruchsvolle Arbeit. Machen Sie weiter so" gehört. So erinnert sich Kunze gerne an viele weitere "nette Begegnungen im Wald" und darüber hinaus an eine sehr gute Öffentlichkeitsarbeit, etwa mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und der Waldjugend. Dass Kelkheim sein "erstes größeres Revier" war und er dort "ins kalte Wasser" sprang, das konnte er bei diesen guten Kontakten dann schnell vergessen. Frank Weiner

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