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Die Feuerwehr hat zuletzt eine Notleitung von Fischbach nach Ruppertshain gelegt. Hier wird der Hydrant beim Einrichten aufgedreht. Grundsätzlich soll das Wasser in den ?Bergdörfern? besser fließen.

Stadt will feste Zusatzleitung

Kritik nach dem Wassernotstand in Ruppertshain und Eppenhain

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Die SPD erinnert an eine Anfrage zum Trinkwasser vor einem Jahr und erneuert diese jetzt. Bürgermeister Albrecht Kündiger hält die Kritik für unangemessen.

Eine Reihe von Fragen hat die SPD zur Trinkwasserversorgung in der Stadt gestellt. Allerdings nicht jetzt, nachdem die Kommune in den „Bergdörfern“ den Notstand ausgerufen hat. Sondern schon im Februar 2017 als Anfrage ans Parlament. Nun erinnern die Genossen daran und stellen klar: „Der Trinkwassermangel wäre vermeidbar gewesen. Gravierende Probleme in Ruppertshain und Eppenhain waren schon damals bekannt.“ Die Stadt habe damals bereits mitgeteilt, die Brunnen seien nicht in einem optimalen Zustand. Bereits unter Normalbedingungen werde an der Grenze der Versorgungssicherheit gearbeitet, erinnert sich die SPD.

Nun finden sie deutliche Worte: „Wir hätten erwartet, dass hier mehr Sorgfalt an den Tag gelegt und ausreichend Vorsorge getroffen wird, um unabhängig vom Klima die sichere Trinkwasserversorgung für alle Kelkheimer sicherzustellen“, sagt der Ruppertshainer SPD-Stadtverordnete Horst Schmidt-Böcking. Zumal gerade Ruppertshain mit einem Baugebiet wachse. Fraktionschefin Julia Ostrowicki ärgert sich über die vielen Schlagzeilen zum Thema, die „keine Werbung für unsere Stadt“ seien und fordert die Verantwortlichen auf, weitere Trinkwasserquellen zu erschließen. Deshalb hat die SPD eine erneute Anfrage gestellt und fragt, was seit dem ersten Vorstoß getan wurde.

Der FDP-Vorsitzende Patrick Falk unterstützt die Initiative der SPD. „Denn es geht hier um die Sache. Um die Sicherstellung eines wertvollen Gutes, das immer knapper wird.“ Falk kann nicht verstehen, warum das gute Wasser aus den Zauberberg-Quellen nach Fischbach laufe und nicht in den „Bergdörfern“ bleibe (siehe Text links). Und nicht, warum aus einer mal angedachten Ringleitung bis nach Eppstein nichts wurde. „Wir müssen Geld in die Hand nehmen, denn es wird nicht der letzte heiße Sommer sein“, fordert er jetzt. Es hat auch früher schon Warnsignale gegeben. Im Sommer 2015 wurde in Eppenhain und Ruppertshain ein fast verdoppelter Wasserverbrauch festgestellt. Die Abgabe war erschöpft. Die Stadt rief damals bereits zu einem maßvollen Umgang mit dem kostbaren Nass auf. Nun also das „Déjà-vu“ für die Stadt und Bürgermeister Albrecht Kündiger (UKW). Die Kritik der SPD müsse er aushalten, sei aber „unangemessen“, sagt er. Denn viele Punkte seien in der Betriebskommission der Stadtwerke bereits angesprochen worden, wo die Partei gefehlt habe. Neben der großen Baumaßnahme einer zweiten Kammer im Hochbehälter „Gundelhardt“, die für ganz Kelkheim helfe, nennt Kündiger zwei Varianten für die „Bergdörfer“: Entweder die Notleitung rüber zum Hochbehälter Rossert werde fest installiert. Eine Kostenschätzung liege bei 220 000 bis 270 000 Euro. Oder die Stadt versuche, neue Brunnen zu erschließen. Was aber mit hohen Kosten und hohem Risiko verbunden sei, so Kündiger. All das müsse die Kommission nun „mit kühlem Kopf entscheiden“, nicht auf der Grundlage von SPD-Mitteilungen.

In einem Schreiben hat Kündiger auch den Bürgern gedankt. Sie hätten sich „umgehend an die Durchsagen gehalten“. So wurde der Verbrauch deutlich gesenkt. „Wenn der Wasserverbrauch weiter auf diesem relativ niedrigen Niveau gehalten wird, können es die Brunnen in diesen Stadtteilen wieder alleine schaffen, ausreichend Wasser zu fördern.“ Normalerweise werden pro Jahr rund 1,25 Millionen Kubikmeter verbraucht. Für 2018 rechnet die Stadt mit einem erheblichen Anstieg. Kündiger appelliert: „Auch uns Kelkheimern kann es nicht egal sein, wenn durch immer höheren Verbrauch die Grundwasserreserven im Vogelsberg oder im Hessischen Ried immer weiter gefährdet werden.“

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