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Wer war dieser Mann?

Ernst Ritter von Marx: Ein Landrat mit kaiserlichen Kontakten

In Bad Homburg ist eine Brücke nach ihm benannt, dort gilt er als der „beste dokumentierte Lokalpolitiker“. In Kelkheim ist er jedoch kaum jemandem ein Begriff: Landrat Ernst Ritter von Marx. Wer war dieser Mann? Mit dieser Frage beschäftigte sich auch Peter Maresch, Kreisarchivar des Hochtaunuskreises.

Auf den Spuren des ehemaligen Landrats müssen sich Geschichtsfans in die Zeit vor 1928 begeben, bevor der Main-Taunus-Kreis, wie wir ihn heute kennen, gegründet wurde: Ernst Ritter von Marx (1868 bis 1944) stammte aus einer wohlhabenden Bankiersfamilie. Von 1904 bis 1921 war Marx Landrat des damaligen Obertaunuskreises, zu dem Eppstein, Eppenhain, Ruppertshain, Hornau und Kelkheim-Mitte gehörten. Ob er jedoch jemals Kelkheim einen Besuch abstattete?

Da ist sich Historiker Peter Maresch nicht sicher. „Häufig regierte man damals vom Landratsamt aus. Und das war in Bad Homburg.“ Dafür war Marx bekanntlich in Königstein und Falkenstein unterwegs. Hier setzte er sich für den Erhalt des ehemaligen Sanatoriums ein, wo 1909 ein Offizierserholungsheim eröffnet wurde. Hierfür sammelte er bei ansässigen Familien rund 200 000 Reichsmark an Geldspenden. Heutzutage gehört das Anwesen zur Hotelgruppe Kempinski. 

Ernst Ritter von Marx war ein tüchtiger Verwaltungsmann

In seiner Funktion als Oberbürgermeister von Bad Homburg (1901 - 1904) und Landrat wirkte Marx an bedeutenden Projekten in der Region mit. „In viele seiner Vorhaben investierte er auch selbst“, sagt Maresch. Dies betreffe aber hauptsächlich Projekte in und um die Kreisstadt, wie zum Beispiel den Bau des Bahnhofes und der ersten Flyover-Brücke (die andere Verkehrswege überspannt) oder den Erwerb von Grundstücken im heutigen Stadtteil Dornholzhausen zum Wohnungsbau. 

„Er war ein tüchtiger Verwaltungsmann, der die Wirtschaft in Bad Homburg neu aufstellen wollte“, so der Archivar. Auf Marx geht auch das Großprojekt „Auf in den Taunus“ zurück. Hierfür hat er keine Kosten und Mühen gescheut. Der Katalog für 30 000 Reichsmark ging mit einer Auflage von 5000 Stück in den Druck. Im Ausschuss für die „Unternehmung zur Hebung des Verkehrs und Förderung der Besiedlung im südlichen Taunus“ saßen auch die damaligen Bürgermeister von Kelkheim und Eppstein.

Mit Kaiser Wilhelm II. getafelt

In einer Zeit, in der die Kaiserfamilie regelmäßig in Bad Homburg verweilte, unterhielt von Marx eine persönliche Beziehung zum Kaiser. Wilhelm II. war bei der Familie zum Frühstück geladen. „Landräte galten als die untersten Repräsentanten der preußischen Regierung. Das Landratsamt war eng mit dem kaiserlichen Hofe verzahnt“, erklärt Maresch. Daher sei es kaum verwunderlich, dass Marx sich in wichtigen Angelegenheiten und Projektideen an den Kaiser gewandt habe.

Erneut in Schwung gekommen ist die Forschung, als 2016 zwei Lederbände mit Dokumenten aus seiner Amtszeit in den Reihen seiner Nachfahren aufgetaucht sind: Fotos, Briefe, Denkschriften, „hauptsächlich ein berufliches Sammelsurium“, so Maresch – unter anderem auch Briefe des Kaisers. Anhand derer liege nun eine geschlossene Biografie bis 1912 vor. Und diese sei sehr ungewöhnlich, empfindet der Kreisarchivar: Als Sohn österreichischer Juden wurde Marx als Christ getauft. Seine Familie wurde trotz ihrer Herkunft in den Adelsstand erhoben. 1887 trat Marx in den Militärdienst ein, 1891 wurde er Gerichtsreferendar in Bad Homburg, heiratete ein Jahr später Nelly Goldschmidt. Mit den Kindern lebten sie in einer Villa an der Kaiser-Friedrich-Promenade. 

Über das leben von Ernst Ritter von Marx ist nach dem Ausscheiden aus der Politik nicht viel bekannt

Es folgte das Amt des Assessors, 1901 die Wahl zum Bürgermeister, 1902 die Ernennung zum Oberbürgermeister und 1904 das Amt des Landrats. „1921, kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges, gab Marx seinem Posten als Landrat auf, nahm kaum noch am öffentlichen Leben teil und trat 1921 zurück“, so Maresch. Über sein Leben danach sei nicht so viel bekannt. Marx habe Bad Homburg schnell verlassen, sei 1935 nach England emigriert. 1940 sei ihm von den Nationalsozialisten der Beamtenstatus aberkannt worden. Sein politisches Erbe sei erst postum 1955 mit der Taufe der Flyover-Brücke zur „Ritter Marx Brücke“ anerkannt worden.

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