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Wohnungen mit Balkon und Blick ins Grüne: Sozialamtsleiterin Petra Mann und Mitarbeiterin Kerstin Passon im neuen Haus.

Gagernring

Ein Lichtblick beim sozialen Wohnen

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Insgesamt acht Mehrfamiliengebäude mit 82 Wohnungen sind zwischen Kelkheim und Hornau entstanden. Das letzte Haus für bezahlbaren Wohnraum ist nun abgenommen worden, die Einheiten sind bereits vergeben. Die Warteliste für Sozialwohnungen bleibt in der Stadt weiter lang.

Politiker, Mitarbeiter der Verwaltung und der Projektgesellschaft Horn tummeln sich auf dem Balkon im zweiten Stock. „Der Zug kommt“, ruft ihnen Bürgermeister Albrecht Kündiger zu. Alle huschen schnell in die Wohnung zurück, die Balkontür wird geschlossen. Einen Moment Stille – man könnte eine Stecknadel fallen hören. Und der Zug ist auch schon vorbei. Die meisten haben ihn gesehen, gehört nur wenige Besucher der neuen Immobilie am Gagernring. Die dreifach verglasten Fenster und eine Lärmschutzwand machen’s möglich.

In den vergangenen 21 Monaten sind hier acht Mehrfamilienhäuser mit 82 Wohnungen von der Kelkheimer Projektgesellschaft Horn gebaut worden. Verkauft hat der Bauherr alle Einheiten sehr schnell, knapp 90 Prozent sind inzwischen auch vermietet, betont Mitarbeiter Patrick März. Eine große Versicherung hat allein 42 Wohnungen erworben und seit Anfang Januar vermarktet. Auch die Stadt Kelkheim ist als Investor aufgetreten. Sie hat zwei Häuser gekauft mit 22 Sozialwohnungen. Das erste Objekt gleich zu Beginn der Neubau-Zeile wurde schon im September bezogen, das zweite Gebäude am Ende – dort, wo früher Wohnwagen parkten – ist jetzt fertiggestellt. Der neue Eigentümer, die Städtebauliche Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft (StEG), hat es frisch abgenommen – bevor der Tross aus Politikern und Verwaltungsmitarbeitern seinen Rundgang startet. Den Kaufpreis lassen sich die Protagonisten auch entlocken, er liege bei 2800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. In dem Haus sind es zehn Einheiten mit fast 920 Quadratmetern – gut 2,6 Millionen Euro kommen da zustande.

Gut angelegtes Geld, wie die Erst-Besucher finden. Sie staunen über die Ausstattung mit Wohnraumbelüftung, Anschluss an das Blockheizkraftwerk im kleinen Quartier mit 20 Prozent weniger Stromkosten, Balkonen, einem Aufzug, einem Fahrrad- und Waschkeller, einer Kinderspielecke und Außenstellplätzen. Beeindruckt schaut sich auch Petra Mann um, die Leiterin des städtischen Sozialamtes. Mit ihren Kollegen hat sie die zwölf Wohnungen bereits vergeben – im Juni ziehen die ersten Bewohner ein. Die Einheiten sind für Menschen mit niedrigem und mittlerem Einkommen gedacht. Je nach Dringlichkeit (zum Beispiel bei einer Zwangsräumung) und dem Platz auf einer Warteliste haben die neuen Bewohner den Zuschlag erhalten. Das Interesse sei sehr groß, betont Mann. Schon nach ersten Zeitungsartikeln über das Projekt klopften Bürger an. Sie macht deutlich, dass trotz der neuen Vermietungen die Warteliste für Sozialwohnungen in Kelkheim länger geworden ist. Vor zwei Jahren lag sie schon bei fast 100 Personen. Und die Fluktuation in den Wohnungen sei ja so groß nicht. Schon gar nicht in einem Neubau wie am Gagernring.

Mit Beginn des gesamten Bauprojekts vor knapp zwei Jahren kam Günter Horn von der Projektgesellschaft auf die Idee, auch das Grundstück am oberen Rand vor der Garagenzeile zu bebauen. Er schlug Bürgermeister Albrecht Kündiger vor, hier sozialen Wohnraum zu schaffen. Es müsse dafür Sorge getragen werden, dass es nicht nur hochpreisiges Wohnen gebe, betont er. Mit dieser Idee rannte er im Rathaus offene Türen ein. „Wir haben das sehr gerne aufgegriffen“, erinnert sich Kündiger an eine sehr schnelle Umsetzung. Mit Blick auf problematische Areale wie das ehemaligen Pfarrzentrum an der Feldbergstraße oder das alte Feuerwehrgrundstück Münster sagt er: „Geförderte Wohnungen in Kelkheim zu bauen ist nicht so einfach.“ Zumal die Stadt kaum eigene Flächen habe. Bei diesem „vorzeigbaren Projekt“ sei mit viel Phantasie etwas entwickelt worden. Wichtig sei es zudem, die Standorte für Sozialwohnungen zu streuen. Weitere Projekte müssen laut Kündiger her, sind im Visier, aber noch nicht spruchreif.

„Wir bauen jetzt mal was, was wir sonst nicht machen – und zwar zum Selbstkostenpreis“, weist Horn bei der Übergabe auf seinen „sozialen“ Beitrag hin. Auch für die StEG hat sich der Kauf letztlich gerechnet, betont Geschäftsführer Erhard Kaufhold. Denn durch die Landesförderung sei der Preis gesunken, zudem habe der Unternehmer das Haus schlüsselfertig hingestellt. „So etwas kann die Stadt gar nicht darstellen.“ Den Kopf schüttelt Kaufhold über die Behörden. Vor sieben Monaten sei der Antrag auf öffentliche Fördermittel gestellt worden, die Finanzierungszusage stehe aber immer noch aus. Die Projektgesellschaft hat dagegen den Turbo gezündet. In nur acht Monaten ist das Haus entstanden – mit sechs Vier-, drei Drei- und drei Zwei-Zimmer-Wohnungen. Es reiht sich nahtlos in das neue Quartier ein. Ärger hat es laut Stadt und Bauherr nur punktuell durch Nachbarn gegeben.

Dass auf dem Grundstück Parkplätze wegfielen, dürfte kein Problem sein. Denn die sein trotz eines Spott-Mietpreises kaum belegt gewesen, weiß Reinhold Christmann von der Projektgesellschaft. Freie und vermietbare Stellflächen gibt es übrigens noch in der Tiefgarage des Komplexes. Zudem hat die Stadt ein Übergangs-Projekt geplant.

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