+
Karin und Manfred Guder im heimischen Treppenhaus mit all ihren Bildern.

Der malende Naturschützer will „keine Eintagsfliege sein“

  • schließen

Heute feiert Manfred Guder seinen 75. Geburtstag. Er wünscht sich Nachwuchs bei seinem Engagement, mutigere Politiker und will auf jeden Fall „weitermachen“.

Wer eine Reise durch den Kreis unternehmen möchte, der muss nicht lange im Auto sitzen. Ein Besuch bei Familie Guder reicht – denn dort wird die Region in Bildern von Manfred Guder lebendig. Die Niederjosbacher Kirche hängt im Treppenhaus direkt neben einer Ortsansicht von Eppenhain, der Felsen von Oberems gleich beim Weilbacher Schloss. Und im Atelier unter dem Dach – zwischen Gymnastikmatte und Flächennutzungsplänen – hat der Maler seine neuen Ansichten in Öl von der Eppsteiner Burg aufgestellt.

Die Malerei – das ist die eine Seite von Manfred Guder, der heute seinen 75. Geburtstag feiert. Diese Leidenschaft teilt er ebenso mit seiner Frau Karin, die stets am gleichen Tag mit ihrem Wiegenfest ein Jahr weiter ist, wie den Naturschutz. 43 Jahre ist es her, als Karin Guder im Amtsblättchen eine Bekanntmachung der Stadt entdeckte. Darin ging es um das Umlegungsverfahren für ein großes Areal rund um den Liederbach zwischen Hornau und Münster. Als die Guders erfuhren, dass auch ihr kleines Paradies mit dem prächtigen Garten bebaut werden könnte, schliefen die kreativen Köpfe nicht mehr ruhig. Am 20. Juni 1972 brachten sie ihr erstes Flugblatt im Kampf für den Naturschutz heraus. „Lasst mich leben“ steht in großen Lettern über einem Schmetterling. „Jedermann soll aktiv beim Umweltschutz mithelfen“, fordern die Guders auf. Es gelte, dem Bebauungsplan gerade für die „Sindlinger Wiesen“ mit „Mut und Entschlossenheit entgegenzutreten“. Sie schreiben: „Protest scheint ein wenig verfrüht, aber leider ist es zur Gewohnheit geworden, den Bürger vor vollendete Tatsachen zu stellen.“

In der Broschüre regten die Guders die Gründung der Bürgerinitiative Kelkheim an – und siehe da: Zum ersten Treffen, das Guder „mit klopfendem Herzen“ aufsuchte, kamen gut 50 Mitstreiter. Darunter die Gegner einer Quertrasse zur B 8 über den Klosterberg. Gemeinsam sammelten sie mehr als 2800 Unterschriften und verbuchten Erfolge: die „Sindlinger Wiesen“ sind längst eine „grüne Oase“, der Klosterberg ist nicht von Asphalt durchtrennt.

„Ich wollte keine Eintagsfliege sein“, begründet Guder, weshalb er sich weiter engagierte. 1981 ging die Gruppe in den Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) über, dessen Ortsvereins- und Kreisvorsitzender Guder noch ist. Zudem sitzt er seit 30 Jahren im Naturschutzbeirat des Kreises. Mit seiner Frau half er in Königstein einer Bürgerinitiative gegen die Bangert-Bebauung. Den nächsten Coup landete er wieder in Kelkheim – es sei sein größter Erfolg zusammen mit vielen Mitstreitern gewesen: der Bürgerentscheid gegen einen Golfplatz am Rettershof. Nachts wurden die Plakate entworfen und gedruckt, im Januar bei Eis und Schnee aufgestellt. Samstags standen Guder und Co. vor den Supermärkten. Einmal seien ihm sogar Prügel angedroht worden. „Das kostete enorme Kräfte und viel Zeit“, erinnert sich Karin Guder – doch es lohnte sich: Einen Golfplatz gibt es nicht, ebenso wenig wie den Ausbau der B 8, gegen den sie kämpften. Auszeichnungen wie der Ehrenbrief des Landes oder die Gagernplakette in Silber waren der Lohn. Doch Manfred Guder ist auch als praktischer Naturschützer unterwegs, pflegt mit zwei Frauen die Stelle am ehemaligen B 8-Damm sowie ein anderes Biotop in der Talaue am Rettershof. Dort habe er einmal beim Malen erlebt, wie die Stadt Aushub einfach in den Wald kippte – ein Anruf beim Regierungspräsidium, und die Kommune musste das entsorgen.

Seine größte Enttäuschung? Die erlebe er aktuell. Der Regionalverband sei nicht mehr das, was er mal war: „Die hatten früher noch hohe Ziele. Heute sind das noch Interessensgemeinschaften von Politikern, die sich gegenseitig die Bälle zuspielen.“ Und so lautet sein Motto für die nächsten Jahre: „Weitermachen“. Er möchte dafür kämpfen, dass ein in seinen Augen unsinniges Gesetz, die Karten des Flächennutzungsplans nicht vergrößern zu dürfen, abgeschafft wird.

Doch Guder bleibt nicht nur Naturschützer. Seine nächste Ausstellung im Mai in der Alten Kirche trägt den passenden Titel „Der Natur auf der Spur“. Im Atelier hängt schon der Zettel für die Präsentation 2017: „Stadt – Land – Fluss“. Bilder dazu hat der gelernte Maschinenschlosser, der zur Städel-Abendschule ging, Grafik studierte und viele Jahre in der Werbebranche tätig war, genug. Natürlich soll noch Zeit für die Familie bleiben, den zwei Söhnen, deren Partnerinnen sowie vier Enkelkindern. Nachwuchs erhofft er sich auch beim Naturschutz. „Jüngere Leute, die es in ähnlicher Form fortsetzen“ – das wäre ein Wunsch, den Guder heute zu seinem 75. hätte. Und „einsichtige Politiker mit eigener Meinung“, fügt er lachend hinzu.

(wein)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare