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Ortstermin am Gagernring 35, wo bezahlbare Wohnungen in einem modernen Gebäude entstanden sind: Bürgermeister Albrecht Kündiger (2. v. l.) erläutert Ministerin Priska Hinz das Projekt.

Wohnungsbau

Ministerin Priska Hinz lobt Sozialprojekt am Gagernring und mahnt

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Mehr als 2,4 Millionen Euro Förderung hat die Stadt für 22 bezahlbare Wohnungen am Gagernring erhalten. Es soll weitergehen – trotz zahlreicher Hürden.

Es ist nichts Neues, dass die Stadt beim Bau von Sozialwohnungen hinterher hinkt. Zwar sind vor wenigen Monaten zwei Projekte am Gagernring mit jeweils zehn und zwölf geförderten Einheiten fertiggestellt und bezogen worden – doch die nächsten Vorhaben sind derzeit vor den Kulissen nicht in Sicht. Bürgermeister Albrecht Kündiger lässt zwar durchblicken, dass es wohl ein weiteres Vorhaben gibt. Und setzt mittelfristig auf die Bebauung „Vor dem Schlämmer“ in Münster mit bezahlbarem Wohnraum in mehrgeschossigen Gebäuden sowie Einfamilienhäusern. Zudem hat die Stadt zwei Flüchtlingsunterkünfte in Ruppertshain gekauft, die aber vom Kreis bis 2012 noch angemietet sind. Dort wird sich kurzfristig also nichts tun.

Kündiger weiß: „Es ist ein schwieriges Geschäft. Das große Problem ist: In den vergangenen Jahrzehnten ist daran nie gedacht worden.“ Vor allem fehle es an Bauland. Der Wille in der Verwaltung und den Fraktionen sei da. Und es gebe nun einen neuen „Ansporn für uns“, betont der Rathauschef am Dienstagvormittag, als er von seiner Grünen-Partiekollegin, Hessens Umweltministerin Priska Hinz, viel Geld entgegen nimmt. Einen Bescheid über 1,36 Millionen Euro bei Baukosten von 2,8 Millionen überreicht sie während ihrer Sommertour durch Hessen. Die Stimmung ist nicht nur deshalb gelöst, Priska und „Albi“ kennen sich schon viele Jahre. Das hindert die Ministerin nicht daran, die Kelkheimer zum Bau weiterer Sozialwohnungen aufzufordern: „Ich hoffe, dass da noch mehr Wohnungen nachkommen. Ich bringe gerne Bewilligungsbescheide.“ Hinz erklärt: „Bis 2020 stehen Rekordmittel in Höhe von 1,7 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau bereit. Damit können 20 000 Wohnungen für rund 60 000 Menschen geschaffen werden. Darüber hinaus haben wir mit unserem Masterplan Wohnen die bestehende Förderung verbessert und neue Programme geschaffen.“

Die Kelkheimer erhalten neben einem Auftrag aber auch Lob: Es sollen keine „sozial geförderten Quartiere entstehen“, denn heute müssten die sozialen Brennpunkte aus den Siebziger-Jahren wieder saniert werden, weiß Hinz. In Kelkheim sei am Gagernring die Mischung „gelungen“. Die Projektgesellschaft Horn aus Münster hat hier in nur 21 Monaten acht Mehrfamilienhäuser mit 82 Wohnungen gebaut – darunter das vordere und hintere Haus mit bezahlbaren Einheiten. „Man kann sie kaum unterscheiden“, sagt Kündiger, der oft gefragt werde, wo diese günstigen Wohnungen seien. Vielleicht am Balkon, der beim höherpreisigen Objekt gemauert sei. Wenig Abstufungen seien wichtig, um eine „Ghettosiedlung“ zu verhindern. „Sozialer Wohnungsbau soll integraler Bestandteil sein“, betont Kündiger.

Mit Fördermitteln des Landes Hessen konnte am Gagernring 35 das Mehrfamilienhaus mit insgesamt zwölf Sozialwohnungen und rund 900 Quadratmetern Wohnfläche gebaut werden. Mehr noch: Die Stadt hat dieses Gebäude und den Gagernring 31 über ihre Städtebauliche Entwicklungs- und Verwaltungsgesellschaft (StEG) sogar von der Projektgesellschaft Horn erworben, kann also die Mietpreise dauerhaft sichern. StEG-Geschäftsführer Erhard Kaufhold sei es gelungen, nachträglich auch die Wohnraumförderung für das erste Objekt zu erhalten, lobt Kündiger – weitere 1,1 Millionen Euro als zinsloses Darlehen. So komme die Stadt unter dem Strich aus dem Gesamtgeschäft mit einem leichten Plus heraus, zumal sie Eigenkapital einbringen und dafür eine Verzinsung erhalten konnte, erläutert Kaufhold. Aber er erinnert auch daran, dass die bürokratischen und baulichen Hürden hin zur Förderung hoch seien. Es müsse zum Beispiel genau passend gebaut werden. „Das Objekt war schneller fertig wie der Antragsweg gedauert hat.“ Mit dem Main-Taunus-Kreis müsse daran gearbeitet werden, „es schlanker hinzubekommen“, so Kaufhold. Im MTK fehlen allein rund 16 000 Wohnungen, berichtet Kreisbeigeordnete Ingrid Hasse. „Es ist wirklich Druck im Kessel. Wir sind dankbar für jede Initiative.“

Auch die Projektgesellschaft Horn würde vielleicht mehr beitragen. Sie hatte der Stadt damals vorgeschlagen, Baurecht für ein weiteres Haus mit geförderten Wohnraum zu schaffen. Doch Geschäftsführer Reinhold Christmann weiß ebenso um die Hürden der Antragstellung. Vor allem aber fehle Bauland. Entweder sei die Politik nicht willens – oder die Bevölkerung leiste massiv Widerstand, weil vor der Haustür gebaut werden soll. „Damit muss man leben“, resigniert Christmann fast ein bisschen. In einem anderen Punkt indes gibt sich Kündiger kämpferisch: Die Stadt versuche, bei Neubauprojekten Anteile für bezahlbaren Wohnraum abzuschöpfen. So soll es zum Beispiel am Großen Haingraben passieren. „Das schreckt so manchen Bauwilligen“, weiß er. „Wir stehen da erst am Anfang, aber ich hoffe auf ein Umdenken.“ Und sollten der Stadt beim sozialen Wohnraum die Lösungen ausgehen, würde sich sogar die Ministerin einschalten: „Wir helfen der Fantasie gerne auf die Sprünge“, sagt Priska Hinz.

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