Corona-Tests im umfunktionierten Klassenraum: Das geht jetzt an der Eichendorffschule.
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Corona-Tests im umfunktionierten Klassenraum: Das geht jetzt an der Eichendorffschule.

Eichendorffschule:

Münster: "Eigentlich sind wir eine sichere Schule"

  • Frank Weiner
    vonFrank Weiner
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Zentrum für Corona-Tests wird gut angenommen - Modell des Kreises in vier Häusern.

Münster. Die Mitarbeiterin des Testzentrums warnt den jungen Mann vor. Der verzieht einmal kräftig das Gesicht, dann ist der Spuk schon vorbei. Der Abstrich sei etwas "unangenehm" gewesen, räumt Simon ein. Doch dieser Corona-Test an der Eichendorffschule (EDS) sei wichtig, findet der Schüler der Oberstufe. Es sei sein erster Test dieser Art und "cool", dass die Gesamtschule ihn den Schülern nun anbiete, findet der 18-Jährige aus der Q 2. Er habe sich einen solchen Service irgendwann schon erhofft und fühlt sich nun noch sicherer an der EDS. Die allgemeine Situation nerve natürlich. Doch wenn die Inzidenzen steigen, seien Vorkehrungen wie diese hier an der Schule und "noch ein bisschen mehr Lockdown" schon sinnvoll.

Interesse bei Landrat früh hinterlegt

Das findet auch Schulleiter Stefan Haid. Schon im Dezember habe Landrat Michael Cyriax in einer Videokonferenz mit den Schulen über die Möglichkeit von Corona-Tests an Schule gesprochen. Er habe damals gleich sein Interesse geäußert und das Thema auch im Kreis immer wieder auf den Tisch gebracht. Als dann der Anruf aus dem Landratsamt vor gut zwei Wochen kam, ob die EDS bei einem Modellversuch mitmachen wolle, da habe er "sofort Ja gesagt", berichtet Haid.

Gute Kooperation mit Betreiber Invitago

Und so ist die EDS nun eine von erst einmal vier Schulen im Main-Taunus-Kreis, an denen kostenlose Tests einmal in der Woche für alle Schüler möglich sind. Neben der Gesamtschule in Münster sind noch die Astrid-Lindgren-Schule in Hochheim und die Paul-Maar-Schule in Flörsheim als Grundschulen sowie das Albert-Einstein-Gymnasium in Schwalbach dabei. Der Kreis habe bei der Firma Invitago, die in Dietzenbach und Kelkheim Testzentren betreibt, angefragt, berichtet Gerd Nötzel, der zuständige Projektleiter aus dem Landratsamt. Dort habe es Kapazitäten für die Betreuung von drei bis vier Schulen gegeben. "Das ist ein Pilot, wo wir erstmal Erfahrungen sammeln", betont Nötzel und fügt an: "Wir wollen so viel Sicherheit wie möglich in die Schulen bringen."

Die ersten Erfahrungen in der zweiten Woche mit den Tests zeigen: Die Nachfrage steigt, das Interesse ist da. An der Astrid-Lindgren-Schule ließen sich jetzt schon 70 Prozent der Schüler testen, nachdem die Eltern die schriftliche Einverständniserklärung abgegeben hätten, berichtet Nötzel. An der EDS in Münster seien es bereits rund 60 Prozent, fügt Haid an. In der ersten Woche gab es rund 750 Tests an allen vier Einrichtungen, nun seien es schon etwa 100 Schüler mehr.

Laut Nötzel soll es nach der ersten Phase in den Osterferien eine Auswertung des Modells geben. Nach der Ferienzeit werde der Kreis dann sehen, wie er mit dem Projekt weiter verfährt. Ziel sei es schon, "möglichst viele Schulen" hier an den Start zu bringen, macht Nötzel deutlich. Nachfragen gebe es, auch Gespräche für weitere Testmöglichkeiten. "Es gibt andere Ideen, die uns sehr hoffnungsvoll stimmen", sagt der Projektleiter, der aber noch keine Details nennen will.

Klar ist: Die Eichendorffschule in Münster erhofft sich, dass nach den Ferien hier weiter getestet wird. "Die Datenlage reicht vielleicht nicht", überlegt Haid. Natürlich gebe es auch Selbst- und Bürgertests, "doch ich habe keine Idee, wie das funktionieren kann", betont der Schulleiter. Gemeinsam mit der EDS-Projektleiterin Ulrike Schmidt will er sich dafür starkmachen, dass der Pilotversuch fortgesetzt wird.

Denn die Erfahrungen aus den ersten Tagen sind gut. Eine Kontrolle habe ein positives Ergebnis gebracht. Dann sei gleich der PCR-Test angeschlossen worden, den Invitago in seinem eigenen Labor in Dietzenbach auswerten kann. Der sei negativ gewesen, es konnte Entwarnung gegeben werden, berichtet Haid und findet bei allen Tests und Maßnahmen: "Man kann sagen: Eigentlich sind wir ein sicherer Ort." Aktuell sind rund 400 von 1300 Schülern an der EDS zum Unterricht. Davon würden nun etwa 220 getestet.

Aber natürlich sei das nur "eine Momentaufnahme", weiß Projektleiterin Schmidt. Deshalb erhofft sie sich ebenso eine Fortsetzung. Die Lehrer und die Eltern jedenfalls seien mit dem Angebot sehr zufrieden. Es habe viele positive Rückmeldungen gegeben. Nur Einzelne hätten sich kritisch zum Testen geäußert. "Die Lehrer stellen sich darauf ein, weil sie es als wertvoll schätzen", so Haid.

Etwa Katrin Köpke, die gerade mit ihrer Klasse R 5a ins Testzentrum kommt. Sie sei froh, eine solche Möglichkeit mit den Kindern zu haben. Allerdings könnte in ihrer Klasse die Beteiligung noch etwas höher sein, was aber zu Beginn auch noch ein organisatorisches Thema sei. Die Lehrer selbst werden durch eine Arztpraxis einmal in der Woche in der Schule getestet. "Das ist das Mindeste, wenn man sonst gar nichts darf", findet Köpke.

"Es hat nur gekitzelt"

Eine Schülern aus ihrer Klasse ist gerade mit dem Test fertig. "Es hat nur gekitzelt", sagt sie im Vorbeigehen. Sie finde es gut, dass es diese Möglichkeit an der EDS nun gibt. Die Schule hat dafür Räume in der Container-Anlage umfunktioniert, die aktuell nicht gebraucht werden.

Invitago hat hier sein Zentrum eingerichtet und ist mit fünf geschulten Kräften im Einsatz. Die Klassen kommen im Verband jeweils montags und dienstags. Der Unterricht werde nur etwa für eine Viertelstunde unterbrochen, sagt Haid. Ziel sei es ja, den Lehrern eine "Arbeitsplatzsicherheit" und den Schülern eine "Sicherheit der Lernumgebung" zu bieten. Das geschieht auch durch das geschulte Personal von Invitago, die gute Zusammenarbeit wird von allen Seiten hervorgehoben.

Auch die Kelkheimer Apothekerin Katherina Rack, die das Center mit betreibt, ist sehr zufrieden. Ein Pharmazeut habe hier die Leitung. Er ist gerade in einem Nebenraum mit der Auswertung der Schnelltests beschäftigt. "Es ist vernünftig. Je mehr erfasst werden, umso besser", sagt Gian-Luca Miano. Auch mit dem Ablauf sei der Apotheker sehr zufrieden.

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