Julia, Jennifer, Abdul und Ivano beim Trapeztraining in der Waldsporthalle unter Anleitung von Artist Leonid.
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Julia, Jennifer, Abdul und Ivano beim Trapeztraining in der Waldsporthalle unter Anleitung von Artist Leonid.

Eichendorffschule:

Münster: Ein Festival der Rekorde: 350 Schüler, 70 Helfer

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Show-Film am 9. Juli: EDS und Studenten bringen für "Plansch" junge Musiker und Zirkus-Artisten zusammen.

Münster. Es ist, als wäre die ganze Eichendorffschule (EDS) auf den Beinen. In der Pause tollen Jugendliche wie immer auf dem Schulhof. Doch drumherum ist mehr Leben als sonst. Ein Parkplatz ist zur Wohnmobil-Stadt geworden, auf dem kleinen Bolzplatz hinter der Turnhalle steht ein Zirkuszelt, unter dem Pavillon im Hof probt gerade das Blasorchester, im Anbau sind die Streicher in Aktion - und die Waldsporthalle haben die Klassen 5 bis 7 mit den professionellen Artisten vom Zirkus "Artista" aus Biberach an der Riß erobert.

Film am Freitag im Internet zu sehen

Höchste Zeit also für einen Rundgang, um sich einen Eindruck von diesem besonderen Projekt zu verschaffen. "Plansch" gibt es zum vierten Mal an der EDS - und doch ist vieles neu, werden Rekorde gebrochen. Rund 350 Schüler machen mit, als Musiker und Artisten, dazu viele Lehrer. Dann gibt es da eine Crew aus fast 70 Personen, die die Künste der jungen Leute in einer Live-Show in Szene setzen. Zuschauer kann es aufgrund der Pandemie nicht geben. Aber über die eigene Internetseite www.plansch21.de können Besucher das 100 Minuten lange Festival am Freitag, 9. Juli, um 20.15 Uhr vor den heimischen Bildschirmen verfolgen. Durchs Programm führen der TV-bekannte Moderator Juri Tetzlaff und EDS-Schüler Wiktor, der als Außenreporter auch in Einspielern zu sehen sein wird. Als Stargast wurde der österreichische Sänger Onk Lou engagiert, der zum Finale mit dem großen EDS-Orchester auftreten wird.

Zuschauen ist angesagt, denn die Macher ziehen hier wirklich alle Register. Empfangen werden Reporter und Fotograf von Francesca Hack. Sie hat an der EDS ihr Abi gemacht, studiert an der Hochschule Darmstadt im Fachbereich Media - und ist für Presse, Homepage, Werbung mit den vielen bunten Plakaten zuständig. Sie ist Teil des Trios, das hier die Fäden zieht: Sebastian Rieker, mit dem sie in Münster Abi gemacht hat, und Kommilitone Florian Stratenwerth. "Plansch" ist das Masterprojekt der Studenten aus Darmstadt - damit wollen sie ihren Abschluss, ihr Meisterstück machen.

Es bestehen kaum Zweifel, dass es gelingt. Dazu genügt schon ein Blick in den eigens geparkten Übertragungswagen, in dem nur der Ton geregelt wird. In einem Raum der Halle hat sich das Team der Bildtechnik ausgebreitet - zwar ein bisschen wild, aber die Professionalität ist zu greifen. Ebenso im Zirkuszelt, als gerade keine Schüler, dafür viele Techniker in Aktion sind. Ex-EDS'ler Marco schwärmt als Kameramann von seiner Rolle, Matthias macht normalerweise das Licht im Frankfurter "Mousonturm", Pit von der Hochschule hat hier die Leitung übernommen und übt mal kurz am Schlagzeug. Fünf Kilometer Kabel wurden verlegt und rund 60 Mikrofone gibt es, damit alles glatt geht.

Vor dem Zelt ist die Kontrollstation aufgebaut. Mit Sören haben die Macher sogar einen eigenen Hygienebeauftragten, der jeden zweiten Tag zum Corona-Test bittet und bisher erleichtert aufatmet: Alles gut gegangen. Sogar eigene "Plansch"-Masken tragen alle Protagonisten hier.

Nun aber schnell zum Herzstück des Festivals: den Schülern. Für sie legen sich die vielen Helfer ehrenamtlich ins Zeug, für sie wurde der Zirkus engagiert. In der Halle wäre das nicht möglich gewesen, so seien sie auf das Zelt gekommen - und hätten gleich ihr Thema für "Plansch 2021" gehabt, erzählt Rieker.

Seiltanz, Trapez und viele EDS-Musiker

Das bei den Kindern super ankommt. Die Waldsporthalle wird beim Training zur Manege. "Macht mal den Soldatenschritt bis zur Mitte, dann die Standwaage", leitet Erna Sommer, die Chefin vom Zirkus "Artista", die Seiltänzerinnen gerade an. Zora und Anisa (beide 13) aus der R 7b kriegen das schon ganz gut hin. Zora findet es klasse, "dass man so viele Sachen lernt, die man sonst eigentlich nie macht". Anisa lobt, dass sich jeder Schüler in eine Gruppe einwählen konnte.

Justus (11) hat sich für die Einrad-Fahrer entschieden. Cool findet der Fünftklässler "den Kitzel, dass ich's immer wieder versuchen möchte". Francesca Hack staunt beim Blick auf die radelnden Kids: "Wahnsinn, wie schnell die Kinder das lernen." Und Lehrerin Linn Wester findet es allgemein "ein ganz tolles Projekt für die Schule". In gemischten Gruppen, "sie wachsen ganz anders zusammen - wo ist das schon möglich?" Am Trapez üben Julia, Jennifer, Abdul und Ivano eine Figur mit Schulterstand, ein anderer Schüler macht den munteren Seemannsgruß. Und Trainer Leonid, der selbst in Shows auftritt, staunt über den Fortschritt.

Fleißig üben mussten auch die Musiker. Olaf Heim, Leiter des Fachbereichs Musik, dirigiert einen Teil der Streicher mit voller Konzentration und Emotion. "Wir machen das jetzt noch mal, aber ein bisschen schneller", scheint er schon ganz zufrieden - und ist wieder in die Sache vertieft. Heim ist der Mentor der Schule für "Plansch". Sebastian Rieker weiß: "Zum Glück ist Olaf Heim verrückt genug, sich unsere Ideen anzuhören." Und ist ebenso angetan von diesem Großprojekt.

Viele Sponsoren, Budget 30 000 Euro

Zurück am Zirkuszelt, regnet es wieder in Strömen. Doch das Team macht gut gelaunt weiter. "Die Stimmung ist ziemlich gut - dafür, dass wir wenig schlafen und viel Stress haben", weiß Rieker. Immerhin komme hier zwischen den vielen Wohnmobilen auf dem Parkplatz so etwas wie "Campingplatz-Feeling" auf, findet Francesca Hack. Abends sitzen Artisten, Studenten, Techniker, ehemalige und aktuelle EDS-Schüler zusammen, hat sich eine kleine "Plansch"-Familie gefunden.

Der es aber auch an nichts mangelt: Die Eltern von Hack und Rieker versorgen die Mannschaft an zwei Abenden, mit heimischen Gastronomen wurden Vereinbarungen getroffen, mittags gehen sie in die Mensa. In diesem Fall hat das Catering-Team für alles gesorgt. Viele Sponsoren machen das Mammut-Event erst möglich, bei einem Budget von rund 30 000 Euro, wie Hack verrät.

Matthias am Licht und Angelo an der Kamera bei einer der Technik-Proben im Zirkuszelt hinter der Eichendorffhalle.
Olaf Heim (rechts) zieht bei der Eichendorffschule die Fäden und übt hier mit einem Teil des Streichorchesters.

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