Kein schönes Bild: Der Gedenkstein ist am Rande der Baufläche im Gewerbegebiet hinter dem Zaun kaum noch zu sehen.
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Kein schönes Bild: Der Gedenkstein ist am Rande der Baufläche im Gewerbegebiet hinter dem Zaun kaum noch zu sehen.

Gedenken:

Münster: Erinnerung an Judenkolonne soll wieder "würdevoller" werden

  • Frank Weiner
    VonFrank Weiner
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Stein am Zeilsheimer Weg hat unter Baugebiet gelitten.

Münster. Der Rand des Gewerbegebiets, direkt am Zeilsheimer Weg. Auf einem geschotterten Gelände stehen Container einer Entsorgungsfirma, die Fläche ist mit einem Bauzaun abgesperrt. Vorne wuchern wilde Pflanzen. Nur wer genau hinschaut, wird den mächtigen Stein entdecken, der zugewuchert im Grün steht. Er trägt eine Inschrift, die kaum zu erkennen ist. "Dieser Ortsverbindungsweg zwischen Münster und Zeilsheim wurde im Jahr 1939 erstmals von zwangsverpflichteten Juden aus Frankfurt ausgebaut", ist dort zu lesen.

Bürgermeister Albrecht Kündiger und Stadtarchivar Julian Wirth haben sich jetzt mit dem Stein befasst. Ihnen ist es ein Dorn im Auge, dass die Gedenkstelle kaum einsehbar hinter dem Zaun ihr Dasein fristet. Die Stadt werde dafür sorgen, dass der Stein wieder "würdevoll" zur Geltung kommt, macht Kündiger deutlich. Möglicherweise könne die Stelle ja noch ein bisschen aufgewertet werden, überlegt er.

Unter dem Titel "Die Judenkolonne: Jüdische Zwangsarbeiter aus Frankfurt in Kelkheim" hat die Stadt auch dieses dunkle Kapital in ihrem Buch "Kelkheim in der Zeit des Nationalsozialismus" festgehalten. So habe der Leiter des Arbeitsamtes an die Stadt geschrieben, dass am 11. Juli 20 Juden aus Frankfurt "zugewiesen" worden seien. "Der ,geschlossene Arbeitseinsatz' war ein weiterer Baustein der Judenverfolgung, da die Auswanderung nicht im erhofften Umfang eingetreten war", schreibt Heide Stögbauer im Kapital über die Juden in Kelkheim.

Bürgermeister Wilhelm Graf bot ein Vorhaben in Münster an. Sie sollten unter anderem "für den Bau eines befestigten Verbindungsweges von Kelkheim nach Frankfurt-Zeilsheim eingesetzt werden", heißt es. Untergebracht wurden sie im Gasthaus "Zum Taunusblick". Dies sei "lagermäßig" erfolgt, was "eine Bedingung des Arbeitsamtes" gewesen sei. Die Juden konnten von einem im Haus wohnenden Polizisten überwacht werden. Die Verpflegung sei gut, der Ton "rau und paramilitärisch" gewesen. So habe beim Singen der Juden die "notwendige Präzision" gefehlt. Die Arbeitsleistung wurde nur mit "ungenügend", "genügend" oder "zufriedenstellend" bewertet, Fotos der Kolonne, die bis zu 60 Stunden in der Woche auch an Feiertagen arbeitete, durften nicht gemacht werden. Am 1. Oktober war der Einsatz beendet. Viele der Kelkheimer Arbeiter wurden Anfang 1941 deportiert und ermordet. wein

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